Kostendruck steigt

Assekurata-Marktausblick: Warum PKV-Beratung anspruchsvoller wird

Die private Krankenversicherung wächst weiter, steht aber zugleich unter zunehmendem Kostendruck. Das zeigt der aktuelle Assekurata-Marktausblick zur PKV. Für Makler ergeben sich daraus wichtige Hinweise für Beratung und Vertrieb.

Teenager bei einem Arzttermin

Junge Frau im Arztgespräch: Das Gesundheitssystem steht unter Kostendruck. | Quelle: FatCamera

Seit drei Jahren befindet sich die private Krankenversicherung (PKV) in Deutschland wieder auf Wachstumskurs. Allerdings wird diese Entwicklung von steigenden Leistungsausgaben und politischen Eingriffen begleitet.

Dem aktuellen Assekurata-Marktausblick zufolge erhöhte sich die Zahl der PKV-Vollversicherten im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent auf fast 8,8 Millionen. Ein wesentlicher Grund dafür ist die wachsende Zahl von Versicherten, die aus der gesetzlichen Krankenversicherung in die PKV kamen. Während 2022 noch 146.544 Personen aus der GKV in die PKV wechselten, waren es 2025 bereits 206.300.

Auch die Zusatzversicherung legte weiter zu. Die Zahl der Verträge stieg um 2,2 Prozent auf 32 Millionen. Wachstumstreiber war vor allem die betriebliche Krankenversicherung. Sie wird inzwischen von mehr als 60.000 Unternehmen in Deutschland angeboten.

Beitragseinnahmen erreichen Rekordniveau

Das Wachstum in der Voll- und Zusatzversicherung führte 2025 laut Assekurata zu einem Rekordniveau bei den Beitragseinnahmen. Nachdem diese 2024 bereits die Marke von 50 Milliarden Euro überschritten hatten, stiegen sie im vergangenen Jahr um weitere 3,7 Milliarden auf insgesamt 54,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 7,3 Prozent.

Doch die positive Entwicklung hat eine Kehrseite. Denn neben dem Bestandswachstum waren erneut überdurchschnittliche Beitragsanpassungen ein wesentlicher Grund für das Rekordhoch. Haupttreiber sind die stark gestiegenen Leistungsausgaben. Sie erhöhten sich um gut 7 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro. Medizinischer Fortschritt, teure Arzneimittel, höhere Krankenhauskosten, Demografie und Fachkräftemangel belasten das Gesundheitssystem seit Jahren massiv.

Profitabilität rückt stärker in den Fokus

„Infolge der gestiegenen Leistungsausgaben ist die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote branchenweit weiter gesunken. Wie bereits im Vorjahr hat sie sich 2025 mit knapp 7,8 Prozent erneut der kritischen Marke von 5 Prozent genähert“, betont Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Die Beitragsanpassungen der vergangenen Jahre hätten den starken Anstieg der Leistungsausgaben nicht ausgleichen können. Deshalb sei es auch 2026 erneut zu überdurchschnittlichen Beitragsanpassungen gekommen. Die Profitabilität einzelner Sparten gewinne damit für die Versicherer weiter an Bedeutung.

Um den Kostendruck abzufedern, setzen die Versicherer dem Marktausblick zufolge auf mehrere Hebel: Sie nutzen die aufgebauten RfB-Mittel zur Beitragsstabilisierung,  investieren in Gesundheits- und Leistungsmanagement und automatisieren ihre Prozesse mittels künstlicher Intelligenz (KI).

Für Vermittler rückt damit die wirtschaftliche Stabilität der Anbieter stärker in den Mittelpunkt. In der Beratung dürfte es künftig nicht mehr nur um Beitrag und Leistung gehen. Auch Kalkulationspolitik, Rückstellungen, Kapitalanlageergebnis und Beitragsstabilität werden wichtiger. Unterschiede zwischen den Versicherern könnten für Kunden zunehmend zum entscheidenden Auswahlkriterium werden.

Wachstumspotenziale bleiben bestehen

Die weitere Entwicklung der PKV hängt nach Einschätzung von Assekurata stark davon ab, welche politischen Entscheidungen im Rahmen der GKV-Reform tatsächlich umgesetzt werden. Eine höhere Versicherungspflichtgrenze erschwert ab 2027 den Zugang zur Vollversicherung und könnte das Neugeschäft mit Angestellten bremsen. Auch die geplante Reform der Gebührenordnung für Ärzte dürfte die Versicherer beschäftigen, weil Leistungsprozesse und die Kalkulation neuer Tarife angepasst werden müssen.

Den grundsätzlichen Wachstumstrend der PKV dürfte das laut Assekurata jedoch nicht stoppen. Der kapitalgedeckte Ansatz, hohe Alterungsrückstellungen und strukturelle Vorteile gegenüber der umlagefinanzierten GKV sprächen weiter für gute Zukunftsaussichten. Zugleich könnten mögliche Leistungskürzungen, Einschränkungen bei der Familienversicherung oder steigende Zusatzbeiträge in der GKV den Bedarf an privater Absicherung erhöhen.

Weitere Wachstumspotenziale sieht Assekurata vor allem in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV), bei Zusatzversicherungen und in ausgewählten Zielgruppen der Vollversicherung, etwa Beamten, Selbstständigen und Freiberuflern.

Für Makler bedeutet das: Sie müssen politische Veränderungen stärker in die Beratung einordnen und zugleich Anbieterqualität, Beitragsentwicklung, GKV-Leistungslücken und passende Ergänzungslösungen zusammenführen. Wer diese Zusammenhänge verständlich erklärt, kann den Wandel in der Krankenversicherung als Beratungs- und Vertriebschance nutzen.

Long Story short

  • Die Zahl der PKV-Vollversicherten stieg 2025 um 0,5 Prozent auf fast 8,8 Millionen; zugleich wechselten 206.300 Personen aus der GKV in die PKV.

  • Die Beitragseinnahmen erreichten mit 54,4 Milliarden Euro ein Rekordniveau, während die Leistungsausgaben auf 42,1 Milliarden Euro stiegen.

  • Für Makler werden Anbieterqualität, Beitragsstabilität, bKV, Zusatzversicherungen und die Einordnung politischer Reformen wichtiger.