„Falsche Akzente“

Assekuranz-Gewerkschaft übt scharfe Kritik an Krankschreibungs-Debatte

Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) weist die Aussagen von Bundeskanzler Merz zum Krankenstand scharf zurück. Merz hatte erklärt, Beschäftigte in Deutschland meldeten sich zu häufig krank und müssten mehr leisten. Auch die telefonische Krankschreibung stellte er infrage.

Symbolbild einer telefonischen Krankschreibung.

Die telefonische Krankschreibung ist in die Kritik geraten (Symbolfoto). | Quelle: picture alliance / Caro Kadatz

Die NAG-Vorsitzende Gaby Mücke kritisiert diese Sichtweise als einseitig und unfair. Während über angeblich zu kurze Arbeitszeiten, Teilzeitquoten und hohe Fehlzeiten diskutiert werde, blieben Leistungsdefizite von Unternehmen und deren Forderungen nach staatlicher Unterstützung weitgehend unbeachtet. Die Beschäftigten würden öffentlich an den Pranger gestellt, so Mücke.

„Gesundheit fördern statt Kranke bestrafen“

Aus Sicht der NAG sind die Akzente von Kanzler, Arbeitgebern und dem Wirtschaftsflügel der CDU in der Debatte vollkommen falsch gesetzt. Arbeitswissenschaftliche Studien zeigten klar, dass mehr Kontrolle und Sanktionen zu Demotivation und Minderleistung führten. Statt Misstrauen brauche es Investitionen in gute Arbeitsbedingungen und betriebliche Gesundheitsförderung.

Die NAG verteidigt ausdrücklich die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Sie entlaste Hausarztpraxen, schütze Patienten und sichere eine niedrigschwellige Versorgung – gerade angesichts des Hausärztemangels. Belastbare Hinweise auf systematischen Missbrauch gebe es nicht. Eine pauschale Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sei daher weder sachlich begründbar noch gesundheitspolitisch sinnvoll.

Hoher Stress, wachsende Erschöpfung

Zudem verweist die NAG auf Umfragen der Techniker Krankenkasse: Ein Drittel der Beschäftigten kann demnach nicht mehr richtig von der Arbeit abschalten, 42 Prozent fühlen sich häufig abgearbeitet und verbraucht. Hauptursachen sind hohe Arbeitsbelastung, permanenter Termindruck, Überstunden und Informationsflut.

„Die Arbeitsbedingungen haben einen entscheidenden Einfluss auf den Krankenstand in den Betrieben“, so Mücke. „Gesundheitspolitik darf nicht auf Misstrauen gegenüber Beschäftigten basieren, sondern muss die Rahmenbedingungen für gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen stärken.“

Long Story short

  • Die NAG weist die Vorwürfe von Bundeskanzler Friedrich Merz zurück und stellt sich klar hinter die Beschäftigten: Nicht mangelnde Leistung, sondern schlechte Arbeitsbedingungen seien ein zentraler Treiber für hohe Krankenstände.

  • Umfragen der Techniker Krankenkasse zeigen, dass viele Beschäftigte unter Stress, Überlastung und Erschöpfung leiden – die NAG fordert daher bessere Arbeitsbedingungen statt mehr Kontrolle.