Schadenfall der Woche

Abgebrochene Bergrettung: Wenn der Gipfel-Abstieg teuer wird

Eine verirrte Bergwanderung kann für die Beteiligten teuer werden, wenn sie meinen, von der Bergwacht gerettet werden zu müssen. Denn die Krankenversicherung deckt immer nur einen Teil der Kosten ab.

Ein nach hinten austretendes Zebra

| Quelle: procontra

In den Österreichischen Bergen wahrscheinlich kein Einzelfall: Eine Gruppe von Wanderern hatte sich bei einer Bergbesteigung zu viel zugetraut, wie verschiedene Medien berichten. Drei deutsche Wanderer im Alter zwischen 18 und 21 Jahren wollten am vergangenen Samstag den Traunstein erklimmen – einen 1.691 Meter hohen Berg im Gemeindegebiet von Gmunden – und gerieten dabei in eine alpine Notlage.

Nach oben lief wahrscheinlich noch alles gut, jedoch hatten die Wanderer wohl die Zeit nicht im Blick, denn als es wieder bergab gehen sollte, setzte bereits bei Höhenmeter 1500 die Dunkelheit ein. Ein Abstieg im Dunkeln über den vereisten Hernlersteig schien den jungen Leuten zu gefährlich. Als sie bemerkten, dass sie nicht weiterkommen, geriet der Trupp in Panik und setze um 18 Uhr einen Notruf ab.

Die Retter der Bergwacht machten sich sogleich auf den Weg – schließlich dauert es bis sie die in Not geratenen erreichen konnten. Ein nachtflugtauglicher Hubschrauber stand zu diesem Zeitpunkt laut Bergrettung Gmunden nämlich nicht zur Verfügung, so dass die Einsatzkräfte der Bergrettung sich zu Fuß über den Mairalmsteig auf den Weg machen mussten.

Abgebrochener Einsatz kann trotzdem teuer werden

Um etwa 20.30 Uhr waren die Bergretter fast bei den Jugendlichen angekommen, als diese sich erneut meldeten. Eigentlich mit einer guten Nachricht: Sie hatten es doch selbständig geschafft, den Winterraum des Trauinsteinhauses zu erreichen und waren damit vorerst in Sicherheit.

Die Bergretter konnten ihren Einsatz abbrechen, brauchten aber noch bis etwa 22 Uhr um die Bergrettung vollständig zu beenden. Am Sonntag schafften es die drei Wanderer dann selbständig wieder ins Tal.

Doch der Einsatz bleibt nicht ohne finanzielle Folgen: Die etwa 600 Euro pro Stunde für einen Bergrettungseinsatz werden den Bergsteigern in Rechnung gestellt. Und die Krankenkasse zahlt eben immer das Krankenhaus, aber nicht (oder nicht vollständig) den Hubschrauber. Bei der privaten Krankenversicherung sind Bergungseinsätze oftmals gedeckelt oder ganz ausgeschlossen. Da es sich das Ganze in Österreich abspielte, können die Betroffenen womöglich auf ihre Auslandskrankenversicherung hoffen oder wenn vorhanden auf ihre Unfallversicherung oder Alpenvereinsabsicherung (bei Bergsportlern meist gegeben).

Daran dürfte auch die Tatsache nichts ändern, dass die Rettung schlussendlich doch nicht nötig war, da hier meist die subjektive Perspektive der Wanderer eingenommen wird, wenn keine grobe Fahrlässigkeit gegeben ist. Anders sieht es lediglich aus, wenn die Rettung aus Bequemlichkeitsgründen alarmiert wird.