Kolumne
Dividenden als zweites Einkommen: Warum Ausschüttungen so wertvoll sind

Dividenden haben das Zeug zu einem zweiten Einkommen: ein regelmäßiger Geldfluss, der nicht davon abhängt, ob die Börse gerade gute Laune hat. Für 2026 erwarten wir bei den im Euro STOXX 600 enthaltenen Unternehmen Ausschüttungen von rund 454 Mrd. Euro – etwa 4 % mehr als im Vorjahr. Auch aus deutscher Sicht ist das Bild stabil: Die im STOXX Europe 600 vertretenen deutschen Firmen könnten zusammen rund 58 Mrd. Euro an Dividenden zahlen, nach etwa 56 Mrd. Euro im Jahr davor.
Diese Zahlen sind mehr als eine Momentaufnahme. Sie passen zu einem Trend, der sich nicht nur in Europa immer wieder zeigt: Die überwiegende Zahl an Unternehmen erhöhen ihre Dividende lieber, als sie zu kürzen – oder halten sie zumindest konstant. Nur in Ausnahmejahren, wie nach der Lehman-Pleite oder bei Corona, senkten mehr als anhoben. Dahinter steckt eine Art „ruhige Hand“: Kürzungen bleiben die Ausnahme. Dividenden sind, das belegt auch die Forschung, ein Signal für Beständigkeit – und von den Firmen werden sie gerne als solches genutzt. Genau das macht Dividenden für Anleger so attraktiv – ihre Verlässlichkeit.
Was meistens unterschätzt wird: Ausschüttungen tragen spürbar zur Gesamtrendite von Aktienanlagen bei. Über die vergangenen 40 Jahre kam beim MSCI Europe knapp 39 Prozent der durchschnittlichen Jahresrendite aus Dividenden. In Nordamerika waren es rund 21 Prozent, im asiatische-pazifischen Raum sogar 49 Prozent. Wer langfristig investiert, sammelt damit nicht nur Kursgewinne ein, sondern auch einen stetigen Ertragsstrom. Damit ist ein nicht zu unterschätzender Anteil der Gesamtrendite nicht schwankungsanfällig. Dividenden bieten eine Art „Airbag“ im Portfolio.
Dividenden können aber nicht nur als Anteil an der Gesamtperformance das Depot beruhigen. Portfolios, die stärker auf Unternehmen mit höheren Ausschüttungen setzen, zeigten unseren Berechnungen zufolge in der Vergangenheit auch tendenziell weniger Schwankungen als solche, deren Firmen in Relation zu ihren Gewinnen weniger ausschütten.
Kurz: Historisch gesehen sind Dividenden ein verlässlicher Baustein, der Erträge planbarer macht. Sie haben das Zeug zu einem zweiten Einkommen.
