Diese Rechtsschutzversicherer schreiben weiter rote Zahlen

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Im vergangenen Jahr ließ sich die RS-Sparte kaum profitabel betreiben. Rund die Hälfte der Versicherer machte Verlust, 8 Anbieter stecken sogar schon seit sechs Jahren in den roten Zahlen. Bei einem Unternehmen liegen die Ausgaben langfristig um ein Viertel höher als die Einnahmen.

Bild: Adobe Stock/wsf-f

Etwa ein Drittel der deutschen Rechtsschutzversicherer steckt seit Jahren in der Verlustzone. Ein Unternehmen zahlt langfristig betrachtet gut 25 Prozent mehr aus als es einnimmt. Bild: Adobe Stock/wsf-f

Die Rechtsschutzversicherung ist für die Anbieter alles andere als eine Cash-Cow. Im Jahr 2020 war es aber besonders schwierig, mit ihr Geld zu verdienen respektive Gewinn zu erzielen. Laut GDV-Zahlen gab es nach drei Jahren im knappen Profitbereich wieder ein Verlustjahr. Die Combined Ratio der Branche lag bei 102,6 Prozent. Für jeden verdienten Beitragseuro mussten die Versicherer also knapp 1,03 Euro an Verwaltungs- und Schadenkosten wieder ausgeben.

Gleich mehrere besondere Umstände kamen im vergangenen Jahr zusammen. Während beispielsweise die Kfz-Versicherung quasi ein Jahr Schonfrist hatte, wurde aufgrund der Coronakrise mehr gestritten als sonst. Für Privatpersonen beziehungsweise Arbeitnehmer ging es dabei relativ häufig um arbeitsrechtliche Themen, vorrangig krisenbedingten Jobverlust. Auf gewerblicher Ebene hingegen kam es häufig zu gebrochenen Verträgen aufgrund von weltweiten Lieferkettenproblemen, die sich aber auch schnell auf deutschlandweite Handelspartnerschaften übertrugen.

Ein mehr oder weniger hausgemachtes Problem beschäftigte ebenfalls die Rechtsschutzversicherer. Weil die meisten Betriebsschließungsversicherungen (BSV) aufgrund der allgemein verfügten Corona-Schließungen nicht leisten wollten, bemühten viele Kunden ihren Rechtsschutzversicherer, um gegen den BSV-Anbieter vorzugehen. Dazu kam auch noch ein Nicht-Corona-Problem: So kostet der weltweite Abgasskandal in der Automobilindustrie die Rechtsschutzversicherer auch gut fünf Jahre nach dem Bekanntwerden der Volkswagen-Verstrickungen reichlich Geld.

Jeder zweite Anbieter machte Verlust

Unter dem Strich führte das alles dazu, dass 12 der 25 größten Rechtsschutzversicherer auf dem deutschen Markt (98 Prozent Marktanteil nach Prämien) im Geschäftsjahr 2020 eine Combined Ratio von über 100 Prozent verbuchen mussten. Das hat die V.E.R.S. Leipzig GmbH in ihrem aktuellen Branchenmonitor „Rechtsschutzversicherung“ ermittelt.

Zu den unprofitablen Anbietern gehörten im Vorjahr auch einige große Marktteilnehmer wie die R+V Allgemeine (102,64 Prozent), die Huk-Coburg-RS (103,37 Prozent), die WGV (108,76 Prozent) und ganz besonders die Allianz (113,06 Prozent), deren Combined Ratio sich im Vergleich zum Geschäftsjahr 2019 um mehr als zehn Prozentpunkte verschlechterte.

Diese vier machten also im Jahr 2020 Verlust mit der Rechtsschutzsparte, allerdings handelt es sich dabei nicht um einen Dauerzustand. Denn mit Blick auf die durchschnittliche Combined Ratio der vergangenen sechs Geschäftsjahre liegen sie alle unter 100 Prozent. Anders erging es da 8 Anbietern (siehe untenstehende Bilderstrecke), die nicht nur im Jahr 2020 in die roten Zahlen rutschten, sondern auch im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre darin feststecken.

Die 8 unprofitabelsten Rechtsschutzversicherer

Platz 8: KS Auxilia (102,84)
Die Auxilia Rechtsschutz-Versicherungs-AG musste im Geschäftsjahr 2020 eine Combined Ratio von 102,84 Prozent verbuchen. Im kombinierten Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020 kommt sie auf 100,49 Prozent. Mit Beitragseinnahmen in Höhe von 112 Millionen Euro war sie Ende 2020 der 15.-größte Rechtsschutzversicherer auf dem deutschen Markt. Bild: GDV