pAV-Reform

Neue Vorsorge-Produkte von Union Investment stoßen auf Kritik

Union Investment hat neue Produkte zum Neustart der privaten Altersvorsorge angekündigt – und stößt damit auf Kritik von Verbraucherschützern. Es gehe der Fondsgesellschaft nicht um die Interessen der Sparer, so der Vorwurf.

Der Hauptsitz von Union Investment in Frankfurt

Union Investment hat in Deutschland mehrere Standorte. Firmensitz ist Frankfurt am Main (Foto). | Quelle: Union Investment

Die Reform der privaten Altersvorsorge (pAV) ist beschlossene Sache – und schon bringen sich die ersten Anbieter in Stellung. So gab jetzt zum Beispiel Union Investment, die Fondsgesellschaft der genossenschaftlichen Finanz-Gruppe, erste Details zu geplanten neuen Produkten bekannt. Die Kritik daran ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Der bekannte Verbraucherschützer Niels Nauhauser sieht darin bekannte Probleme der bisherigen Riester-Welt fortgeführt.

Aktiv gemanagte Fonds

Die Fondsgesellschaft wird ab 2027 nach eigener Auskunft neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Standardprodukt auf Basis aktiver ETFs auch eine Lösung mit aktiv gemanagten Fonds anbieten. Dieses Produkt wird es in zwei Varianten geben – einmal ohne Garantie und einmal mit einer Garantie, die die eingezahlten Beiträge und Zulagen zu 100 Prozent zum Ende der Ansparphase absichert. Die Produkte sollen exklusiv über die genossenschaftlichen Banken vertrieben werden. Einen Ausgabeaufschlag wird es laut Union Investment nicht geben.

Bei der Variante ohne Garantie mit aktiv gemanagten Fonds sollen die Einzahlungen und Zulagen in einen weltweit anlegenden Aktienfonds investiert werden, der sich am Index MSCI All Countries World orientiert. Das Fondsmanagement will dabei bewusst vom Index abweichen, um höhere Renditen zu erzielen. Kurz vor Rentenbeginn soll ein Lebenszyklusmodell das Risiko senken, indem Teile des Vermögens schrittweise in Rentenfonds umgeschichtet werden.

Bei der 100-Prozent-Garantie-Variante will die Fondsgesellschaft mit einem sogenannten CPPI-Modell arbeiten (Constant Proportion Portfolio Insurance). Vereinfacht gesagt, steuert diese Anlagestrategie die Aktienquote abhängig von der Marktentwicklung und schichtet bei Kursverlusten automatisch in sicherere Anlagen um.

Standardprodukt verwendet aktive ETFs

Beim Standardprodukt setzt Union Investment auf aktive ETFs. Bei diesen nimmt das Fondsmanagement einen Index als Basis und versucht, durch gezieltes aktives Management eine Outperformance zu erzielen. Die Fondsgesellschaft wird für diese Strategie voraussichtlich im Herbst zusammen mit der Tochtergesellschaft Quoniam einen globalen Aktien-ETF und einen Euro-basierten Renten-ETF auflegen.

Genau an diesen Punkten setzt die Kritik von Verbraucherschützer Niels Nauhauser an. Zwar lasse sich die Qualität der Produkte ohne vollständige Kosten- und Vertragsdetails noch nicht abschließend bewerten, die bisherigen Eckpunkte zeigten jedoch, dass bei Union Investment nicht die Interessen der Sparer im Mittelpunkt stünden, schreibt der Finanzmarktexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in einem Statement auf LinkedIn.

Nauhauser kritisiert insbesondere das aktive Fondsmanagement. Die empirische Bilanz sei seit Jahrzehnten eindeutig: Aktiv gemanagte Fonds würden nach Kosten langfristig häufig schlechter abschneiden als einfache Indexfonds.

Auch die angekündigten taktischen Abweichungen vom Index in Lebenszyklusmodellen bewertet er kritisch. Dabei handele es sich letztlich um Market-Timing-Strategien, die die Komplexität erhöhten und langfristig eher Rendite kosteten.

Garantien könnten Renditechancen schmälern

Besonders skeptisch sieht Nauhauser zudem die Kapitalgarantien. Diese vermittelten vielen Sparern ein Sicherheitsgefühl, führten – wie die Erfahrungen mit Riester-Produkten zeigten – in der Praxis aber oft zu dauerhaft niedrigen Aktienquoten und damit zu geringeren Renditechancen. „Dass solche Produkte von Anlegerinnen und Anlegern gewünscht seien, kann auch Ausdruck irreführender Sicherheitsversprechen und mangelnder Transparenz über den Zusammenhang von realen Renditechancen und realen Risiken sein“, so Nauhauser.

Scharfe Kritik äußert der Verbraucherschützer auch an den geplanten CPPI-Mechanismen. Diese würden bei starken Kursverlusten durch Umschichtungen zwar zunächst das Risiko begrenzen, sorgten aber auch dafür, dass Anleger die Erholungsphase nach einem Crash verpassten und auf Dauer geringere Renditen erzielten. Solche Effekte seien bereits während der Finanzkrise und der Corona-Pandemie sichtbar geworden.

Für Nauhauser zeigt die Ankündigung von Union Investment deshalb vor allem eines: den Bedarf nach einem staatlich organisierten Standardprodukt mit niedrigen Kosten, hoher Transparenz und wissenschaftlich fundierter Anlagestrategie.

So reagiert Union Investment auf die Kritik

Bei Union Investment will man die Vorwürfe so nicht stehenlassen. „Dass eine Garantie Renditenachteile haben kann, wurde bei der Riester-Rente deutlich. Daher hat sich Union Investment aktiv bei der Politik für die Abschaffung des Garantiezwangs eingesetzt, der erfreulicherweise auch umgesetzt wurde", betont Unternehmenssprecher Markus Temme gegenüber procontra. „Gleichwohl wissen wir aus unserer Marktforschung, dass vielen Anlegern eine Garantie wichtig ist. Um diesen Kundenwunsch zu erfüllen, haben wir auch eine entsprechende Variante aufgelegt. In der Beraterschulung werden wir klar thematisieren, dass Garantien Rendite kosten und der Kunde im Gespräch darüber informiert werden sollte."

Missverstanden fühlt man sich bei Union Investment auch durch die Kritik am Lebenszyklusmodell. Die erwähnte und von Nauhauser angeprangerte strategische und taktische Abweichung vom Index beziehe sich auf das Management des eingesetzten Aktien- und Rentenfonds und nicht auf das Lebenszyklusmodell. Damit solle eine Outperformance der Fonds gegenüber dem Vergleichsindex erreicht werden. Das Lebenszyklusmodell werde nur zum Ende der Ansparphase eingesetzt, um größere Verluste kurz vor Beginn der Auszahlphase zu vermeiden.

Long Story short

  • Union Investment plant neue Altersvorsorge-Produkte mit aktiven Fonds, ETFs und Garantie-Modellen.

  • Verbraucherschützer Niels Nauhauser kritisiert hohe Komplexität, aktives Management und Garantiekonzepte.

  • Besonders CPPI-Modelle könnten laut Kritik langfristig Rendite kosten, weil Anleger Erholungsphasen an den Märkten verpassen.