Umfrage

Altersvorsorge-Reform: Vor allem Geringverdiener wünschen sich Beratung

Vermittlerverbände befürchten, dass es mit der Riester-Reform aufgrund des geplanten Zillmer-Verbots zu Beratungsmangel kommt. Dabei wünschen sich viele Menschen Beratung und finden Provisionen gut, sagt eine Umfrage.

Mann mit Laptop auf Glühbirne

Laut einer Umfrage glaubt die Mehrheit der Deutschen, die Altersvorsorge-Möglichkeiten nach der Riester-Reform nicht allein verstehen zu können, sondern dafür professionelle Beratung zu benötigen. Doch diese könnte im Zuge der Reform zum Mangel werden. | Quelle: SvetaZi

Die Riester-Reform wirft ihre Schatten voraus. Der Gesetzentwurf für die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge verspricht mehr Produktvielfalt und eine neue Fördersystematik. Mit Blick auf das, was da kommt, glauben 57 Prozent der Deutschen, dabei auf Beratung angewiesen zu sein. Dass sie sich mit Geldanlage, Altersvorsorge und den Möglichkeiten staatlicher Förderung einigermaßen oder sogar gut auskennen und die Neuerungen ohne professionelle Beratung durchdringen können, glauben 43 Prozent.  

Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) hervor, für die im Februar in der Spitze 1.990 Personen befragt wurden.

Die Umfrage zeigt auch, dass der Beratungsbedarf bei Menschen mit geringem Einkommen am höchsten ist. Von ihnen schätzen sich 69,2 Prozent so ein, dass sie Beratung benötigen, um die Neuerungen und Möglichkeiten der Riester-Reform zu verstehen. Bei den Durchschnittsverdienern liegt dieser Anteil bei 57,1 Prozent und bei den Besserverdienenden bei 48,3 Prozent.

Sorge vor Beratungsmangel durch Reform

Die Krux: Vermittlerverbände befürchten, dass die Reform dazu führen wird, dass die staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeprodukte deutlich weniger angeboten werden, es also zu einem Beratungsmangel kommt. Diese Befürchtung hatte kürzlich auch ein Gutachten bestätigt. Damit wären vor allem die Menschen die Leidtragenden, die aufgrund ihres geringen Einkommens eine staatlich geförderte private Altersvorsorge am dringendsten benötigen, um nicht in die Altersarmut zu rutschen.

Die Prognose des Beratungsmangels rührt daher, dass der Gesetzentwurf ein Zillmer-Verbot vorsieht. Die Provision, die zum Beispiel Makler für ihre Beratungsleistung erhalten, würde über die gesamte Vertragslaufzeit gestreckt werden. Den Lohn für ihre Arbeit voraussichtlich über Jahrzehnte in winzigen monatlichen Auszahlungen zu erhalten, schätzen die Vermittlerverbände als sehr unattraktiv ein.

84 Prozent findet Provisionsberatung gut

Allerdings war bei der kürzlichen ersten Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag zu hören gewesen, dass man über alle Parteien hinweg an diesem Zillmer-Verbot festhalten möchte. Aktuar Axel Kleinlein wiederum hatte kritisiert, dass das Zillmer-Verbot gar nicht zu niedrigeren Provisionen führen würde. Diese würden nur über einen längeren Zeitraum ausgezahlt.

Die DIVA-Umfrage zeigt auch: Der Großteil der Deutschen hat keine Aversion gegen Provisionen für Vermittler und findet diese sogar besser als selbst ein Honorar zu bezahlen. Solange sie über die Höhe der Beratungskosten informiert sind, haben 84 Prozent der Befragten nichts dagegen, wenn diese in die Produktpreise beziehungsweise ihre Beiträge einkalkuliert sind. Nur 16 Prozent würden lieber extra für die Beratung bezahlen.

long story short:

Eine DIVA-Umfrage (1.990 Befragte) zeigt: 57 % der Deutschen erwarten wegen der geplanten Riester-Reform Beratungsbedarf, 43 % nicht. Besonders Geringverdiener sehen Bedarf. Vermittlerverbände warnen jedoch, dass das geplante Zillmer-Verbot durch gestreckte Provisionen zu weniger Beratungsangebot führen könnte. Dabei bevorzugen 84 % die Provisionsberatung gegenüber eines separaten Honorars.