OIF-Anteile: Befeuert der Nahost-Konflikt die Rücknahme-Stopps?
Der „Fokus Wohnen Deutschland“ (Industria) hat dieser Tage die Rücknahme und Ausgabe seiner Anteile ausgesetzt – nur etwa einen Monat nach dem „WohnSelect D“ von Anbieter Wertgrund. Zwei Anteilsrücknahme-Stopps von offenen Immobilienfonds (OIF) in relativ kurzer Zeit. Anleger, die ihre Anteile trotzdem zu Geld machen möchten, können das über die Börse tun, erhalten dafür in der Regel aber weniger Geld.
Nun tobt sei dem Wochenende ein neuer Krieg im Nahen Osten, dessen negative wirtschaftliche Folgen man bereits an den schnell gestiegenen Öl- und Benzinpreisen sowie den fallen Börsenkursen sehen kann. Aber hat der Iran-Krieg auch Auswirkungen auf andere Assets wie zum Beispiel OIFs? Führt er gar dazu, dass nun noch mehr Anleger ihre Anteile verkaufen wollen und es zu weiteren Anteilsrücknahme-Stopps kommt?
„Offene Immobilienfonds sind eine sichere Anlageform, die nicht direkt von der Situation im Nahen Osten betroffen ist“, sagt ein Sprecher des OIF-Anbieters Commerz Real Investmentgesellschaft auf procontra-Nachfrage. Man könne nicht davon ausgehen, dass es durch den Iran-Krieg zu weiteren Anteilsrücknahme-Stopps kommt. Auch eine direkte Auswirkung auf die Rendite sei nicht zu erwarten. „Die Aktienmärkte sind da deutlich volatiler“, so der Sprecher. Wo bei OIFs hingegen derzeit der Schuh drückt und warum die Anteilsrücknahme-Stopps ein wichtiges Instrument für die Bedienung der Kunden sind, hatte Mario Schüttauf, Geschäftsführer Commerz Real Investmentgesellschaft, kürzlich im Format pro&contra erklärt.
Scope-Analystin erwartet keine direkte Auswirkung
Ähnlich betrachtet die gegenwärtige Situation auch Sonja Knorr, Head of Alternative Investments beim Berliner Analysehaus Scope: „Direkte Auswirkungen auf deutsche offene Immobilienfonds sind nicht zu erwarten – auch deshalb, weil es keine Investments im Iran oder im Nahen Osten gibt.“ Sie rechnet sogar damit, dass die gestiegene Volatilität an den Börsen Sachwertinvestitionen tendenziell attraktiver machen und stabilisierend für die Immobilienfonds wirken kann.
Eine gewisse Wirkung auf OIFs habe der Iran-Krieg durch steigende Energiepreise und die wirtschaftliche Verunsicherung, so Knorr – allerdings ohne sich direkt in Anteilsrücknahme-Stopps oder sinkender Rendite niederzuschlagen. „Da der Krieg bereits höhere Heiz- und Kraftstoffkosten verursacht, steigen auch die Betriebskosten für Immobilien. Für vermietete Flächen werden diese Kosten jedoch grundsätzlich durch die Mieter getragen. Besonders nachhaltige Gebäude mit geringerem Energieverbrauch sind hier im Vorteil“, erklärt die Analystin.
Zwar könnten unter dem Krieg auch die europäische Industrieproduktion und Wirtschaft leiden. Immobilien würden auf solche Entwicklungen aber grundsätzlich zeitverzögert reagieren. Sollte sich dadurch aber längerfristig eine steigende Inflation ergeben, würde diese voraussichtlich Zinserhöhungen nach sich ziehen, die wiederum Druck auf die Immobilienwerte ausüben würden. Doch auch dagegen seien die OIFs in der Regel gut aufgestellt, durch teilweise indexierte Mietverträge, die solche Effekte abmildern würden.


