Zukunftsforscher fordert mehr Flexibilität für Rentensystem
13,4 Millionen Erwerbstätige werden bis 2039 das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren erreichen - eine Zahl, die das deutsche Rentensystem unter Druck setzt. Um Lösungen zu finden, hat die Bundesregierung eine Rentenkommission einberufen, die bis Juni 2026 Vorschläge liefern soll, wie das Rentensystem angesichts dieser Herausforderungen zukunftsfest aufgestellt werden kann.
Zukunftsforscher sieht drei gesellschaftliche Mega-Trends
Beim Insurance Summit des GDV hat sich auch Zukunftforscher Daniel Dettling mit dem Thema beschäftigt und sieht drei "Mega-Trends". Da sei zum einen die die Individualisierung der Gesellschaft, also ein umfassender Wertewandel. Die Gesellschaft werde bunter, breiter, heterogener und sei zunehmend geprägt von verschiedenen Biografien. Die Arbeitsgesellschaft werde robuster, komplexer und produktiver. Werte, wie Sinn, Selbstverwirklichung, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt würden zunehmend wichtiger werden als Geld.
Der zweite Mega-Trend sei die Gesundheit. Hier spielten Themen wie Vitalität, Authentizität, Longevity, Lebensbalance und Selbstwirksamkeit mit hinein. Passend dazu ist der dritte Trend, die "Silver Society". Gemeint ist damit eine wachsende Anzahl älterer Menschen, die länger fit sind.
Flexicurity soll neue Leitidee der Altersvorsorge werden
Aus diesen drei Trends lassen sich nach Ansicht des Zukunftsforscher zwei zentrale Aspekte für das Sozialsystem ableiten: Dettling führt hier den Begriff Flexicurity ein, bestehend aus den englischen Wörtern Flexibility (Flexibilität) und Security (Sicherheit). Es handelt sich dabei um ein arbeitsmarktpolitisches Konzept aus den Niederlanden und Dänemark, das Dettling auf die Altersvorsorge überträgt. Drei Säulen sei dafür bei der Altersvorsorge wichtig: Eine generöse Basissicherung, die Gleichheit und Gerechtigkeit schaffe. Ein Obligatorium, in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge sowie eine breite Palette an zusätzlichen Absicherungsoptionen.
Dettlings grundsätzlicher Appell: Krisen, wie die der Alterssicherung, müssten in Chancen umgewandelt werden. Die Gegenwart sei von Omnikrisen geprägt, die die Menschen verunsichern und sich auch auf das Vertrauen in Politik und Demokratie auswirken.
GDV pocht auf Weiterentwicklung des Drei-Säulen-Systems
Auch der GDV hat eine klare Haltung zum Rentensystem: Das Drei-Säulen-System, bestehend aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersversorgung und privater Altersvorsorge, ist aus Sicht des GDV essentiell. Jede Säule müssen aber genau analysiert und weiterentwickelt werden.
Ein wichtiger Fokus liege außerdem auf der betrieblichen Altersvorsorge. Die müsse besser verbreitet werden und dafür brauche es mehr Verbindlichkeit vonseiten der Arbeitgeber. Die private Altersvorsorge hingegen solle weiterhin auf Freiwiligkeit bauen. Sie sei eine gute Möglichkeit, um individuelle Vorsorgelücken zu schließen.
long story short
Bis 2039 erreichen 13,4 Millionen Erwerbstätige das Renteneintrittsalter – die Bundesregierung arbeitet deshalb mit einer Rentenkommission an Reformvorschlägen für ein zukunftsfestes System.
Zukunftsforscher Daniel Dettling sieht drei Mega-Trends: Individualisierung, steigende Bedeutung von Gesundheit/Longevity und die wachsende "Silver Society" älterer, fitter Menschen.
Sowohl Dettling als auch der GDV setzen auf die Weiterentwicklung des Drei-Säulen-Systems und mehr "Flexicurity" – also die Kombination aus Flexibilität und sozialer Sicherheit in der Altersvorsorge.

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