Altersvorsorge wie die Schweden: Grüner Bürgerfonds soll Riester ablösen
Mit einem Bürger- bzw. Staatsfonds wie in Schweden wollen die Grünen die private Altersvorsorge reformieren. Er soll die geförderte Riesterrente, die wegen zu hoher Verwaltungskosten und zu geringer Renditen gescheitert sei, ersetzen.
In einem entsprechenden Antrag, der demnächst in den Bundestag eingebracht werden soll, wird der Bürgerfonds als „öffentlich verwaltetes, kostengünstiges, renditestarkes und nachhaltiges Standardprodukt für die private Altersvorsorge“ beschrieben.
Und so soll der Fonds funktionieren:
Abhängig Beschäftigte zahlen einen Teil ihres Gehalts für ihre individuelle Altersvorsorge automatisch in den Fonds ein, sofern sie dem nicht aktiv widersprechen („Opt-out“).
Für alle anderen, zum Beispiel für Selbstständige, gibt es die Möglichkeit, aktiv in den Bürgerfonds einzuzahlen („Opt-in“).
Durch eine hauptsächlich passive, breit gestreute Anlagestrategie und den langen Anlagehorizont soll auf nominale Beitragsgarantien verzichtet werden, die bei derzeitigen Riester-Produkten den Vermögensaufbau unnötig hemmten.
Neben einer Verrentung soll zukünftig auch ein monatlicher Auszahlplan erlaubt sein, der deutlich höhere Zusatzrenten ermöglicht. Zudem kann verbleibendes Sparvermögen im Falle eines früheren Ablebens vererbt werden.
Mit einer „einfachen und sozial gerechten" Fördersystematik sollen insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen und Menschen mit Kindern dabei unterstützt werden, für ihr Alter privat vorzusorgen. Kapitalerträge sollen während der Ansparphase vollständig steuerfrei bleiben und nachgelagert besteuert werden.
Der Bürgerfonds soll auch für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) offenstehen.
Für die Verwaltung des Fonds wird entweder ein öffentlich-rechtlicher Träger neu gegründet oder die Aufgabe an bestehende Träger übertragen.
Die Pläne der Bundesregierung
Das Bundeskabinett hatte seinerseits erst Ende 2025 weitreichende Reformen der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen. Ein zentraler Bestandteil ist dabei – neben der Einrichtung einer sogenannten „Frühstart-Rente“ für Kinder – die Öffnung der steuerlichen Förderung für ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie. So sollen Bürger von Kapitalanlagen mit höheren Renditechancen profitieren können, zum Beispiel durch global gestreute Aktien (ETF). Für Menschen, die ein höheres Sicherheitsbedürfnis haben, wird aber weiterhin auch der Abschluss von Garantieprodukten möglich sein.
Für mehr Orientierung bei der Anlageentscheidung soll überdies ein kostengünstiges Standardprodukt geschaffen werden, das bei jedem Anbieter von Altersvorsorgeprodukten verfügbar sein wird. Zudem erhalten Sparer in der Auszahlungsphase der privaten Altersvorsorge mehr Flexibilität. Hier sollen neben lebenslangen Renten auch Zeitrenten angeboten werden.
„Die Regierung überlässt die Sparer sich selbst"
Den Grünen scheinen diese Pläne offenbar nicht weit genug zu gehen. „Statt die Menschen wie in Schweden oder Großbritannien automatisch in eine private Altersvorsorge einzubeziehen, überlässt die Bundesregierung Vorsorgende weiter sich selbst. So wird weiterhin ein großer Teil der Bevölkerung nicht erreicht“, kritisiert Stefan Schmidt, Mitglied im Finanzausschuss. „Nur ein öffentlich verwalteter Bürgerfonds, der automatisch alle einbezieht, ermöglicht eine flächendeckende und gute Altersabsicherung.“
Long Story short
Die Grünen wollen die Riester-Rente durch einen staatlich verwalteten, kostengünstigen und renditestarken Bürgerfonds ablösen.
Beschäftigte zahlen automatisch ein (Opt-out), Selbstständige können freiwillig teilnehmen (Opt-in).
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