Erfahrene Autofahrer trifft die aktuelle Beitragsentwicklung gleich doppelt. Zum einen haben höhere Reparaturkosten die Kfz-Versicherung insgesamt verteuert. Zum anderen kalkulieren viele Versicherer ab einem bestimmten Alter einen zusätzlichen Risikozuschlag. Dieser kann bereits vor dem 60. Geburtstag einsetzen. Für Makler lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf ältere Kfz-Bestände.
Bis zu 175 Prozent mehr für die Kfz-Haftpflicht
Die Stiftung Warentest hat anhand eines Modellkunden untersucht, wie sich dessen zunehmendes Alter ab 55 Jahren auf den Kfz-Beitrag auswirkt. Grundlage waren 36 Tarife, die in einem früheren Vergleich gut abgeschnitten hatten.
Das Ergebnis: Bei ansonsten unveränderten Merkmalen zahlt der 90-jährige Modellkunde für die Kfz-Haftpflicht im Durchschnitt 175 Prozent mehr als im Alter von 55 Jahren. In der Kombination aus Haftpflicht und Vollkasko beträgt der durchschnittliche Altersaufschlag 152 Prozent.
Alterszuschläge setzen unterschiedlich früh ein
Einen pauschal besten Kfz-Tarif für Senioren gibt es nicht. Neben dem Alter bestimmen unter anderem Fahrzeugtyp, Regionalklasse, Fahrleistung, Fahrerkreis, Schadenfreiheitsklasse und Kaskoschutz den Beitrag.
Auch bei der Kalkulation des Altersfaktors unterscheiden sich die Gesellschaften deutlich. Einige Versicherer verlangen bereits vor dem 60. Geburtstag einen moderaten Zuschlag, andere beginnen erst ab 65 Jahren. Viele Anbieter deckeln den Aufschlag ab einem Alter von 82 Jahren. Bei einzelnen Gesellschaften steigt er dagegen auch danach weiter.
Große Tarifunterschiede
Dennoch lohnt es sich laut Stiftung Warentest, auch und gerade im Alter Tarife zu vergleichen und bei Preisunterschieden den Anbieter zu wechseln.
Wie stark die Beiträge auseinanderliegen, zeigt der Modellfall eines Stadtbewohners. Bei der Huk24 kostet die Kfz-Haftpflicht im Tarif Classic für den 55-Jährigen 188 Euro jährlich. Mit 80 Jahren steigt der Beitrag auf 471 Euro.
Zum Vergleich: Bei Admiral Direkt zahlt derselbe Modellkunde im Tarif Komfort bereits mit 55 Jahren 408 Euro. Im Alter von 80 Jahren werden 715 Euro fällig.
Bestand sollte regelmäßig überprüft werden
Für Versicherungsmakler entsteht daraus ein klarer Beratungsauftrag. Sie sollten ältere Kfz-Kunden nicht erst bei einem deutlichen Beitragssprung ansprechen. Sinnvoll ist eine regelmäßige Bestandsprüfung ab Mitte 50.
Dabei gehören auch diese Punkte auf den Prüfstand:
jährliche Fahrleistung nach dem Renteneintritt
Zusammensetzung des versicherten Fahrerkreises
Höhe und Übertragbarkeit der Schadenfreiheitsklasse
Selbstbeteiligung und Bedarf an Vollkaskoschutz
mögliche Werkstattbindung
Zahlungsweise und vorhandene Tarifrabatte
Gesamtleistung des Tarifs
Ein Anbieterwechsel kann mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Makler sollten dabei jedoch nicht nur auf den Preis schauen. Entscheidend bleibt, ob Deckungssummen, Kaskoleistungen und weitere Tarifmerkmale weiterhin zum Absicherungsbedarf des Kunden passen.
Preise stabilisieren sich wieder
Derweil zeigt eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox, dass die Beiträge in der Kfz-Versicherung erstmals seit langer Zeit wieder sinken. Aktuell ist die Kfz-Haftpflichtversicherung demnach drei Prozent günstiger als 2025. Über alle Versicherungsarten hinweg haben sich die Preise stabilisiert und liegen mit 1,3 Prozent nur noch marginal über dem Vorjahr.
Autofahrer mussten in den Jahren seit 2023 massive und flächendeckende Preissteigerungen hinnehmen. Über alle Versicherungsarten hinweg sind die Tarife heute im Mittel 52,8 Prozent teurer als 2022 – dem Jahr vor der ersten Preisrunde.
„Für die Kfz-Versicherer war der Sanierungskurs der letzten Jahre erfolgreich", sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. „Aber die aktuelle Preisstabilität steht auf wackligen Beinen. Die Reparaturkosten steigen weiter, die Versicherer haben keinen allzu großen Puffer aufgebaut und müssen im Falle stark steigender Kosten selbst wieder die Preise erhöhen. Fürs erste sind die Prämienerhöhungen aber vorbei."
Long Story short
Alterszuschläge greifen teils vor dem 60. Geburtstag und erreichen bis zu 175 Prozent.
Große Tarifunterschiede schaffen für Makler erhebliches Einsparpotenzial im Bestand.
Nach starken Preisanstiegen stabilisieren sich die Kfz-Prämien 2026 erstmals wieder.
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