Analyse von DORA-Meldungen

IT-Attacken: Bafin sieht Risiko besonders bei externen Dienstleistern

Rund 1200 Finanzunternehmen meldeten 2025 IKT-Vorfälle. Häufige Ursachen waren Störungen bei Dienstleistern, Systemfehler und Cyberangriffe. Die starke Vernetzung erhöht laut Bafin das Risiko für den Finanzsektor.

Phishing Gefahr

Phishing ist eine beliebte Methode bei IT-Attacken. | Quelle: Supatman

Rund 1200 Finanzunternehmen waren 2025 von mindestens einem Vorfall in ihrer Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) betroffen. Rund die Hälfte der gemeldeten Vorfälle entstand durch Störungen bei Dritten, etwa bei Dienstleistern oder anderen Finanzunternehmen. Das geht aus einer Auswertung der Finanzaufsicht BaFin zu DORA-Meldungen hervor.

43 Prozent der 1200 betroffenen Finanzunternehmen waren von genau einem Vorfall betroffen, 96 Prozent von maximal vier Vorfällen. Sechs Finanzunternehmen, mehrheitlich große Finanzunternehmen, waren von mehr als zehn Vorfällen betroffen. Die meisten IKT-Vorfälle meldeten Kreditinstitute, ein Grund ist die hohe Zahl an Kreditinstituten.

Vernetzung im Finanzsektor vervielfacht Risiken

Bei einem Großteil der gemeldeten Vorfälle handelte es sich um betriebsbedingte Störungen. Eine häufige Ursache: Systemversagen oder Probleme bei Dritten. Bei Systemversagen handelt es sich oft um Konfigurationsfehler in Software und Updates. Bei mehr als der Hälfte der Vorfälle handelt es sich um „externe Ereignisse“: Hierunter fallen vor allem Vorfälle bei Dritten, etwa bei Dienstleistern, Finanzmarktinfrastrukturen oder anderen Finanzunternehmen, die bei einem Finanzunternehmen einen meldepflichtigen Vorfall verursachen. Das zeige, dass die starke Vernetzung im Finanzsektor die Risiken vervielfache. Probleme bei Dritten könnten sich auf zahlreiche Finanzunternehmen auswirken und das Finanzsystem erheblich beeinträchtigen, so die Bafin in ihrer Analyse.

Phishing-Angriffe am häufigsten

Rund elf Prozent der Vorfälle sind erfolgreiche Cybersicherheitsvorfälle. Die Zahl der versuchten, aber erfolglosen Angriffe sei deutlich höher. Phishing zähle nach wie vor zu den am häufigsten gemeldeten Angriffsmustern. Dabei versuchen Kriminelle, unter anderem Zugriff auf sensible Systeme und Daten zu erhalten oder Schadsoftware unterzubringen. Das Ziel: Systeme beschädigen. Beim Phishing wird zudem mehr und mehr Künstliche Intelligenz genutzt, wodurch die Zahl der Angriffe deutlich zunehme.

„Besonders großes Schadenspotenzial“ geht laut Bafin von Ransomware aus. Bei Ransomware-Angriffen kann es Kriminellen gelingen, Daten zu verschlüsseln und abzugreifen. Dadurch können die Kriminellen den Geschäftsbetrieb der Unternehmen erheblich stören – und das langfristig.

Regelmäßig meldeten Finanzunternehmen der Bafin auch Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS). Diese überlasten Datennetze mit einer Flut von Datenanfragen. Durch DDoS-Angriffe auf Unternehmen des Finanzsektors werden zum Beispiel Online-Dienste gestört.

IKT-Risiken sind laut Bafin eine der größten Bedrohungen für den Finanzsektor. Seit 2025 müssen daher Finanzunternehmen aus allen Sektoren die Aufsicht über schwerwiegende IKT-Vorfälle informieren – in Deutschland ist das die Bafin. Grundlage ist Artikel 19 des Digital Operational Resilience Act (DORA). Die EU-Verordnung soll die operationelle Resilienz des Finanzsektors stärken.

long story short

  • Rund 1.200 Finanzunternehmen waren 2025 von mindestens einem IKT-Vorfall betroffen. Etwa die Hälfte der gemeldeten Störungen ging auf externe Dienstleister oder andere Finanzunternehmen zurück.

  • Häufige Ursachen waren Systemausfälle, fehlerhafte Softwarekonfigurationen und Probleme bei Dritten. Die starke Vernetzung im Finanzsektor kann einzelne Störungen auf viele Unternehmen übertragen.

  • Elf Prozent der Vorfälle waren erfolgreiche Cyberangriffe. Besonders verbreitet waren Phishing, Ransomware und DDoS-Attacken; seit 2025 müssen schwere Vorfälle nach DORA an die BaFin gemeldet werden.