Schadenfall der Woche

Geldwäsche-Ermittlungen gegen Wise: Drogenhandel, Geldwäsche, Mord

Wise steht wegen möglicher Geldwäscheverstöße in Europa unter Druck. Ermittler in Belgien und Schweden prüfen verdächtige Transaktionen, die über Konten des Zahlungsdienstleisters gelaufen sein sollen.

Eine Haft- und Bewährungsstrafe hat die Aktion von Betrügern im Bärenkostüm nach sich gezogen.

| Quelle: procontra

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft ist über Umwege auf verdächtige Vorgänge bei dem internationale Zahlungsdienstleister Wise gestoßen. Nach Angaben der belgischen Behörden tauchte das Unternehmen in Hunderten Strafverfahren auf. Im Raum stehen verdächtige Transaktionen von insgesamt mehr als einer halben Milliarde Euro. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Verstöße gegen Geldwäschevorschriften.

Wie Recherchen des europäischen Investigativnetzwerks European Investigative Collaborations (EIC) unter Beteiligung des SPIEGEL zeigen, ermittelt die Brüsseler Staatsanwaltschaft gegen die für den Europäischen Wirtschaftsraum zuständige Tochtergesellschaft Wise Europe. Die Ermittlungen betreffen unter anderem Fälle von Onlinebetrug, Geldwäsche, illegalem Glücksspiel, Korruption und Drogenhandel. Wise selbst betont auf Anfrage des EIC-Netzwerks, die Bekämpfung von Finanzkriminalität habe höchste Priorität. Man arbeite eng mit Behörden zusammen und investiere kontinuierlich in technologiegestützte Kontrollsysteme.

Wie „DER SPIEGEL“ berichtet, prüfen Ermittler in Schweden mehrere Wise-Transaktionen und Konten im Zusammenhang mit umfangreichen Verfahren zu Drogenhandel, Geldwäsche und Mord. Henric Fagher, leitender Staatsanwalt bei der schwedischen Behörde für Wirtschaftskriminalität, sagte der Zeitung „Dagens Nyheter“, Wise und vergleichbare Anbieter tauchten in Ermittlungen regelmäßig auf – besonders bei Geldwäscheverfahren. Seine Behörde habe deshalb bereits mehrfach Auskünfte angefordert.

Wise äußerte sich nicht zu einzelnen Fällen. Das Unternehmen erklärte auf Anfrage jedoch, die Bekämpfung von Finanzkriminalität sei eine Herausforderung für die gesamte Branche und werde von Wise als Finanzinstitut mit mehr als 80 Lizenzen weltweit sehr ernst genommen. Man arbeite mit der belgischen Staatsanwaltschaft zusammen und stehe regelmäßig mit Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden im Austausch.

Grenzüberschreitende Zahlungsströme ziehen Kriminelle an

Je einfacher, schneller und günstiger grenzüberschreitende Zahlungsströme werden, desto attraktiver werden sie auch für kriminelle Akteure. Wachstum und Kontrolle geraten dabei mitunter in ein Spannungsverhältnis. Die aktuellen Ermittlungen sind nicht die erste regulatorische Baustelle für Wise. Bereits 2021 hatte die Belgische Nationalbank nach einer Prüfung Defizite bei der Geldwäscheprävention festgestellt. Laut einem Bericht der Financial Times konnte Wise damals für Hunderttausende Kunden keine ausreichenden Wohnsitznachweise vorlegen. In der Folge musste das Unternehmen zahlreiche Konten überprüfen und teilweise einfrieren.

Auch andere Aufsichtsbehörden griffen in den vergangenen Jahren ein: Die Finanzaufsicht von Abu Dhabi verhängte 2022 eine Geldstrafe wegen Verstößen gegen Geldwäschevorschriften, die US-Tochter zahlte 2025 eine Verwaltungsstrafe von 4,2 Millionen US-Dollar. Hinzu kam 2024 eine persönliche Geldstrafe gegen Wise-Mitgründer und CEO Kristo Käärmann durch die britische Finanzaufsicht wegen nicht gemeldeter Steuerangelegenheiten.

Für die Finanzbranche ist der Fall deshalb interessant, weil er ein bekanntes Muster sichtbar macht. Neue Anbieter treten mit digitalen Prozessen, niedrigen Kosten und hoher Geschwindigkeit an, um traditionelle Banken herauszufordern. Doch genau diese Dynamik kann zur Belastungsprobe für Compliance-Strukturen werden. Bereits die deutsche Neobank N26 musste ähnliche Erfahrungen machen und geriet mehrfach wegen Defiziten in der Geldwäscheprävention ins Visier der BaFin.

Finanzkriminalität unterschätzt?

Die damaligen Gründer räumten später selbst ein, die Risiken von Finanzkriminalität unterschätzt zu haben. Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, ob Kriminelle Finanzplattformen nutzen – das versuchen sie bei jedem Finanzinstitut. Entscheidend ist vielmehr, wie schnell und zuverlässig Anbieter verdächtige Aktivitäten erkennen und stoppen können.

Ermittlungen nähern sich dem Ende

Nach Angaben der Brüsseler Staatsanwaltschaft befinden sich die Ermittlungen gegen Wise Europe inzwischen in der Schlussphase. Die Ergebnisse sollen anschließend an die Belgische Nationalbank als zuständige Aufsichtsbehörde übermittelt werden. Im schlimmsten Fall drohen dem Unternehmen empfindliche Sanktionen. Für Wise kommt die Entwicklung zu einem sensiblen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Wochen feierte das Fintech sein Börsendebüt an der US-Technologiebörse Nasdaq und betonte die erheblichen Wachstumschancen des Geschäftsmodells.