Absichern oder Ansparen? Kunden richtig über Vor- und Nachteile aufklären

Viele Tierhalter sind der Meinung, dass sich eine Tierkrankenversicherung nicht lohnt, vielmehr könne das eventuell notwendige Geld doch selbst aufgebaut werden. Dass dieses Modell allerdings nicht alle Risiken abdeckt, zeigt sich oft erst im Ernstfall.

Absichern oder Ansparen? Kunden richtig über Vor- und Nachteile aufklären

Es ist die Gretchenfrage, wenn sich das Kundengespräch um das Thema Tierkrankenversicherung dreht: „Wieso sollte ich eine Versicherung abschließen, wenn ich das Geld auch selbst weglegen kann? Kostet mich das unterm Strich nicht weniger?“

Die Vermittlersicht dazu? Eine zu einfach gedachte Lösung, die vielleicht funktionieren kann. Bis dann eine unvorhergesehene OP mit einer entsprechenden Rechnung ansteht. Zu einer glaubwürdigen Beratung gehört es aber natürlich auch, die Vor- und Nachteile beider Modelle gegenüberzustellen und mit dem individuellen Kundenbedarf abzugleichen.

Risikotransfer vs. Eigenvorsorge

Bei der Entscheidungsfindung stehen sich zwei Strategien gegenüber: der klassische Risikotransfer über eine Versicherungslösung und die Eigenvorsorge durch systematischen Vermögensaufbau.

Selbstzahler legen monatlich einen festen Betrag zurück, der im Bedarfsfall zur Verfügung steht. Bleibt das Tier gesund, bleibt auch das angesparte Geld erhalten. Dieser Aspekt wird von Kunden häufig als entscheidendes Argument genannt.

Der Risikotransfer bezeichnet die Kostenübernahme über eine Police. Gegen Beitragszahlungen übernimmt der Versicherer das Kostenrisiko für tierärztliche Behandlungen. In bestimmten Tarifen ist das auch unabhängig von der Höhe der tatsächlich anfallenden Rechnungen.

Abgesehen vom Kapitalerhalt und der Leistungshöhe existieren weitere Faktoren, die bei der Entscheidung für oder gegen eine Versicherung eine Rolle spielen können. Eine Gegenüberstellung kann hier helfen:

Entscheidungskriterien im direkten Vergleich

Kriterium

Versicherung

Eigenvorsorge

Sofortschutz

Unfallschutz oft ab Tag 1, Krankheitsschutz nach kurzer Wartezeit (typisch 1 bis 3 Monate)

Kein Schutz vor der Ansparphase; bei akutem Bedarf steht nur das bisher Eingezahlte zur Verfügung

Kostenkontrolle

Fixer monatlicher Beitrag, planbar über die gesamte Laufzeit

Flexibel gestaltbar, erfordert jedoch hohe Disziplin für regelmäßige Einzahlungen

Zahlungssicherheit

Vollständige Kostenübernahme bis zu den vereinbarten Deckungssummen, auch bei mehreren tausend Euro

Begrenzt auf den aktuellen Sparstand (eine Kreuzband-OP zum dreifachen GOT-Satz kann 3.000 Euro kosten)

Leistungsumfang

Je nach Tarif: Operationen, Diagnostik, Medikamente, alternative Therapien, teilweise Vorsorge

Keine Leistungsbegrenzung, aber auch keine vertraglich zugesicherten Erstattungen

Kapitalerhalt

Beiträge sind im Schadensfall „verbraucht", dafür entfällt das Risiko hoher Einmalzahlungen

Angespartes Kapital bleibt erhalten und steht auch anderweitig zur Verfügung

Gesundheitshistorie des Tieres

Diagnostizierte Vorerkrankungen sind oft ausgeschlossen

Spielt bei Selbstzahlern keine Rolle

Zeitfaktor und Leistungssicherheit

Wer mit der Eigenvorsorge argumentiert, mag also seine Gründe dafür haben. Allerdings weist das Modell zwei große Schwachstellen auf, die bei der Entscheidung eine große Rolle spielen können (und sollten): Einerseits die Zeit, die notwendig ist, um eine größere Summe anzusparen und andererseits die Kostenübernahme bei größeren Erkrankungen.

Angenommen, der „Notgroschen“ für den Vierbeiner wird mit 50 Euro pro Monat aufgebaut – in einem Jahr hätte man 600, in zwei lediglich 1.200 Euro zur Verfügung. Dabei kann ein Kreuzbandriss oder eine Magendrehung bei einem Hund bereits an die 3.000 Euro kosten. Wer selbst beiseite legt, hätte dieses Geld erst nach sechs Jahren zur vollständigen Verfügung – Disziplin vorausgesetzt. Eine Versicherung zahlt hingegen bereits nach Ablauf einer kurzen Wartezeit (üblicherweise 1 bis 3 Monate).

Ein weiterer Aspekt ist die Höhe der Kostenübernahme. Steht eine größere oder mehrteilige Behandlung an, ist das Ersparte schnell aufgebraucht. Um die Rechnungen dann zu bezahlen, muss tief in die eigene Tasche gegriffen werden. Je nach vereinbarter Deckungshöhe bietet eine Tierschutzpolice hier weitaus mehr Sicherheit.

Mit Argumenten bei Tierhaltern punkten

Wer also liquide genug ist, um unvorhergesehene Kosten von 3.000 bis 5.000 Euro problemlos abfedern zu können, braucht vielleicht keine entsprechende Police. Für Kunden, die planbare Kosten suchen und im Ernstfall eine medizinische Entscheidung treffen wollen, die sich nach dem Tierwohl (und nicht nach dem Kontostand) richtet, bietet sich eine Tierkrankenversicherung an.

Insofern sollte die Frage weniger „Versichern oder Sparen?“ lauten, sondern eher „Welche Strategie passt zur finanziellen Situation und zum Risikoprofil des Kunden?“. Die strukturierte Gegenüberstellung aller Kriterien liefert hier eine nachvollziehbare Argumentationsbasis. Damit wird der Kunde in die Lage versetzt, die Entscheidung selbst zu treffen.

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