Betriebsrente für Freiberufler, Minijobber und Azubis

bAV Versicherungen von Matthias Hundt

Eine betriebliche Altersversorgung können nicht nur Arbeitnehmer in Vollzeit erhalten, sondern auch andere Gruppen. Die Voraussetzungen sind mitunter streng. Gelegentlich aber geradezu simpel.

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Freiberuflern und Selbstständigen bleibt oftmals der Zugang zur betrieblichen Altersversorgung
(bAV) verwehrt. Auch wenn der Gesetzgeber die Basisrente eingeführt hat, müssen sie in der Regel privat vorsorgen, um eigene Versorgungslücken zu schließen. Dabei vergessen Makler allerdings oft, dass bei vielen Freiberuflern und Selbstständigen eine bAV möglich ist. Und geringfügig Beschäftigte (Minijobber) und Auszubildende (Azubis) kommen angesichts eines niedrigen Einkommens oft erst gar nicht auf die Idee, eine Betriebsrente aufbauen zu können. Aber auch für sie gibt es Chancen.

Dauerhaft für ein Unternehmen tätig

Zunächst zu den Freiberuflern und Selbstständigen. In einer Broschüre betont ein Versicherer mit Blick auf diesen Personenkreis: „Eine bAV können nicht nur Arbeitnehmer erhalten sondern auch andere Personen, wenn ihnen Leistungen der Alters-, Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung aus Anlass ihrer Tätigkeit für ein Unternehmen zugesagt werden.“ Das heißt konkret: Damit ein Selbstständiger oder Freiberufler in den Genuss einer Betriebsrente kommt, muss er auf Dauer für ein Unternehmen arbeiten.

Prinzipiell kämen alle fünf Durchführungswege der bAV infrage. Aus steuerlichen Gründen seien die versicherungsförmigen Durchführungswege (Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds) aber nicht zu empfehlen. Denn um die Steuerfreiheit des § 3 Nr. 63 EStG nutzen zu können, müsse es sich um ein erstes Arbeitsverhältnis handeln. Selbstständige und Freiberufler stünden aber nicht in einem Arbeitsverhältnis im Sinne dieser Vorschrift. Folglich könnten sie nicht von der Steuerfreiheit profitieren. Werde die Betriebsrente dagegen über eine Unterstützungskasse aufgebaut, blieben die jeweiligen Beiträge des Auftraggebers für den Versorgungsberechtigten insgesamt mangels eines steuerlichen Zuflusses steuerfrei. Erst die spätere Rente sei, ähnlich wie bei einem Arbeitnehmer, steuerpflichtig.

Arbeitgeber zahlt in eine Unterstützungskasse ein

Da die Unterstützungskasse laufend gleichbleibende oder steigende Beiträge bis zum Leistungsfall fordert, muss die Tätigkeit üblicherweise ein langfristiges Mandatsverhältnis sein. Es muss also zum Auftraggeber eine enge Vertragsbeziehung bestehen, durch die regelmäßige Aufträge zu erwarten sind. Dann kann vereinbart werden, dass ein bestimmtes Pauschalhonorar als arbeitgeberfinanzierte Zuwendung direkt in eine Unterstützungskasse fließt. In der Praxis liegt ein solches Verhältnis z. B. häufig bei Steuerberatern und ihren Mandanten oder bei freien Handelsvertretern (§ 84 HGB) vor.

Wichtig: Der Freiberufler oder Selbständige sollte nicht für einen Arbeitgeber, sondern regelmäßig für mehrere Auftraggeber tätig sein. Dann liegt in der Regel eine echte Selbstständigkeit vor. Wird dagegen ein Selbstständiger nur für einen einzigen Auftraggeber tätig, kann schon die Einrichtung einer bAV für das Vorliegen einer Scheinselbstständigkeit sprechen. Die Abgrenzung ist mitunter kompliziert. Daher ist die Beratung durch einen Fachanwalt zu empfehlen. Auch ein Steuerberater sollte hinzugezogen werden. Werden alle Punkte beachtet, kann auch ein Freiberufler und Selbstständiger eine arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge aufbauen und sich gegebenenfalls mit steuer- und sozialversicherungsfreien Eigenbeiträgen daran beteiligen.

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