Politik muss bessere Voraussetzungen schaffen

bAV von procontra

Welche Nachbesserungen die „Nahles-Rente“ braucht, um das Ziel einer breiteren bAV-Versorgung auch zu erreichen. Der Entwurf der Ministerin auf dem Prüfstand

Nahles-Plan: reine Beitragszusage 

Voraussetzung für das „De-Risking“ des bislang für die Leistung haftenden Arbeitgebers ist aber, dass die Beiträge an „gemeinsame Einrichtungen nach dem Tarifvertragsgesetz“ gezahlt werden, die damit gegenüber den bisherigen bAV-Anbietern privilegiert würden. Direktversicherungen wären bei der Umsetzung einer sogenannten Nahles-Rente „außen vor“, erklärt Dr. Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben.

Das erzeugt erwartungsgemäß Kritik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). In seiner Stellungnahme zum „Neuen Sozialpartnermodell Betriebsrente“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) fordert er, „Direktversicherungen und deregulierte Pensionskassen als die am besten abgesicherten Durchführungswege bei der begrenzten Haftung des Arbeitgebers für die bAV zwingend mit einzubeziehen.“

Aufklärung notwendiger als Enthaftung

Das „De-Risking“ wäre ein Aspekt, den Arbeitgeber gern mitnehmen würden. Ob es die Verbreitung der bAV, gerade in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), wirklich pusht, ist fraglich. Denn laut Forschern der V.E.R.S. Leipzig, die für ihren „bAV-Kompass Mittelstand“ bundesweit 48 Verantwortliche aus KMU befragten, spielt die oft als bAV-Hemmnis Nummer eins genannte Haftung des Arbeitgebers nur eine untergeordnete Rolle.

Relevanter seien knappe Budgets und ein geringes Wissen über Vorteile der bAV. Nimmt man den Arbeitgeber aus der Haftung, so darf der bevorzugte Durchführungsweg über Direktversicherungen schon allein aus Wettbewerbsgründen, nicht ausgeschlossen werden. Ferner bedarf es weiterer Aufklärung zum Thema bAV. Einer Aufklärung, die die Vorteile und Möglichkeiten der bAV transparent und verständlich darlegt, würde ein weiterer Durchführungsweg entgegenlaufen.

Komplexität als Haupthemmnis

„Würde es neben den fünf Durchführungswegen einen weiteren geben, erhöhte das die Komplexität weiter“, warnt auch Faulhaber. Das verwirrende System gilt als wichtiger Grund für die im internationalen Vergleich geringe bAV-Quote hierzulande, die seit Jahren bei 60 Prozent stagniert. Gerade im Mittelstand besteht akuter Handlungsbedarf, wo die meiste Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.

Das gilt insbesondere für die unter 30-Jährigen, bei denen die bAV-Durchdringung im Mittelstand gerade einmal 12 Prozent beträgt. „Dabei sind sie es, die den demografischen Wandel und seine finanziellen Folgen für die Altersversorgung besonders hart zu spüren bekommen werden“, wie Dr. Fred Wagner, Professor für Versicherungsbetriebslehre an der Universität Leipzig, betont.

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