Wer hat’s erfunden? Zu den Anfängen der Technikversicherung

Technische Versicherungen von Juliane Moghimi

Die Ursprünge der technischen Versicherung liegen fast zwei Jahrhunderte zurück – in einer Zeit, in der die aufkommenden Maschinen das Leben der Menschen revolutionierten. Ein paar erstaunliche Fakten über die Anfänge der technischen Versicherungen in Europa.

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Den Ausgangspunkt für die ersten technischen Versicherungen lieferte der berühmte schottische Erfinder James Watt. Indem er in den 1760er Jahren die Funktionsweise der Dampfmaschine maßgeblich verbesserte, schuf er die wesentlichen Voraussetzungen für die Industrialisierung. 

Das Unglück von Bolton und die Geburt der Maschinenversicherung

Leider kam es im Zuge des flächendeckenden Einsatzes von Dampfmaschinen immer wieder auch zu schweren Unglücken. Das größte Risiko bestand in einer Explosion, wenn die Druckverhältnisse außer Balance gerieten. Es war ein solcher Unfall, der schließlich dazu führte, dass sich Unternehmer Gedanken über die Absicherung ihrer gewaltigen Maschinen machten.

Am 15. Dezember 1845 explodierte in einer Baumwollfabrik im englischen Bolton ein Dampfkessel. Die Ursache war ein Leck im Kessel. Mindestens 14 Arbeiter starben sofort, so berichten die Chroniken, und doppelt so viele wurden schwer verletzt. Einige der Verwundeten erlagen später noch ihren Verletzungen. Der mittlere Teil der sechsgeschössigen Fabrik wurde komplett zerstört. Glück im Unglück hatten die vielen Passagiere eines Zuges, der nur fünf Minuten vor der Explosion am benachbarten Bahnhof gehalten hatte: Aufgrund der Druckwelle wurden mehrere schwere Trümmerteile auf die dann glücklicherweise leeren Schienen geschleudert. Einer der beiden Partner der Fabrik starb bei dem Unglück. Der andere wurden wegen Totschlags verurteilt, weil trotz des entdeckten Lecks der Betrieb der Maschinen nicht gestoppt worden war.

Nicht zuletzt deswegen gründeten einige Ingenieure im Jahr 1854 die Manchester Steam User’s Association. Diese bot den Fabrikanten regelmäßige Überprüfungen der Dampfmaschinen an. Fünf Jahre später schlossen sie an diesen Revisionsdienst die Steam Boiler Assurance Co. an. Diese gab ein Haftungsversprechen ab: Für den Fall, dass es trotz der Überprüfung zu einer Kesselexplosion kam, wurden die Personen- und Sachschäden übernommen.

Damit war die Maschinenversicherung geboren. Im Jahr 1865 wurde die erste von der Revision unabhängige Dampfkessel-Versicherung angeboten, ein Jahr später übernahmen die Amerikaner das Konzept. Nach Deutschland gelangte diese erste Form der technischen Versicherung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Sparte rasch weiter, indem zunächst Versicherungen für Schwachstromanlagen, Bauwesen und Montage hinzukamen – Produkte, die im Gewerbebereich auch heute noch eine wichtige Rolle spielen.