Häuslebauer gehen verstärkt ins Risiko

Risikolebensversicherung von Bernd Schlagensetter

In vielen Regionen kannten die Immobilienpreise zuletzt nur eine Richtung: nach oben. Für Bauherren ist diese Entwicklung nicht ohne Risiko, die aufgenommenen Immobilienkredite liegen teils über 300.000 Euro.

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Wenn nicht jetzt, wann dann: Angesichts der niedrigen Hypothekenzinsen haben sich viele Deutsche dazu entschlossen, ihren Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Im Jahr 2016 wurden laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes dann auch rund 375.000 Gebäude in Deutschland errichtet – der überwiegende Teil davon Wohngebäude. 

Ein echter Bauboom, da waren sich Experten einig: Schließlich waren das 66.700 Baugenehmigungen mehr als noch im Vorjahr gewesen, ein Plus von 21,6 Prozent. Seit 2011 hält diese positive Entwicklung am Baumarkt an - und auch in Zukunft werden Handwerker wohl nicht über einen Mangel an Beschäftigung zu klagen haben. Denn die Zahl der Baugenehmigungen fällt deutlich höher aus als die Zahl der tatsächlichen Neubauten. Laut Statistischem Bundesamt gibt es einen Überhang von gut 605.000 Wohnungen, die zwar genehmigt, aber noch nicht gebaut sind.

Doch der Bauboom hat auch eine Schattenseite – denn für die Deutschen wird es immer teurer, Wohneigentum zu erwerben. Und zwar vollkommen unabhängig, ob sie eine bestehende Wohnung kaufen oder ein Haus selbst bauen wollen. Ein Trend, der nicht nur die deutschen Boomstädte wie München, Hamburg, Köln oder Berlin erfasst, sondern eben auch die kleinen, bislang unbeachteten Regionen. Eine Studie der TAG Immobilien AG kam erst vor Kurzem zu der Erkenntnis, dass auch in ostdeutschen Städten wie Gera, Görlitz, Cottbus oder Merseburg die Bevölkerung wieder wachse, Wohnraum somit knapp und teurer werde.

Wenn sich die Deutschen also zum Hausbau bzw. Immobilienerwerb entschließen, müssen hierfür also wesentlich mehr Geld in die Hand nehmen, wenn sie ihr Eigenheim finanzieren wollen. Gerade junge Familien verfügen in der Regel aber nicht über ausreichende Ersparnisse, um hiermit den Hausbau- bzw. kauf stemmen zu können. Die Lösung: Ein Kredit. Schätzungen zufolge wurden 2016 insgesamt Immobilienkredite in Höhe von 150 Milliarden Euro vergeben – und durch die steigenden Immobilienpreise fallen diese in der Regel auch höher aus.

Der Finanzierungsvermittler Dr. Klein untersuchte jüngst die durchschnittliche Höhe dieser Kredite und stellte große regionale Unterschiede fest. So geben Menschen in Hamburg, wo die Preise bereits seit einiger Zeit sprichwörtlich durch die Decke gehen, im Schnitt einen Kredit in Höhe von rund 341.000 Euro auf – Spitzenwert in Deutschland. Auch in Bayern (330.000), Baden-Württemberg (294.000), Hessen (291.000) und Berlin (278.000) liegt die durchschnittliche Finanzierungssumme weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Vergleichsweise wenig Geld geben die Menschen dagegen für Immobilien im Osten aus. So betrug die durchschnittliche Finanzierungssumme in Mecklenburg-Vorpommern rund 203.000 Euro, in Thüringen (191.000) und Sachsen-Anhalt (173.000) war es noch günstiger. 

Für die Anbieter von Risikolebensversicherungen, die zur Absicherung dieser Kredite genutzt werden können, bietet diese Entwicklung Chancen. Schließlich steigt mit der Kredithöhe meist auch der Kreditzeitrahmen und damit das Risiko für den Kreditnehmer, durch ein unvorhersehbares Ereignis den Kredit nicht mehr zurückzahlen zu können.