Hohe Schadenkosten

Kfz-Versicherung: Allianz fordert Zulassung günstiger Reparaturmethoden

Die hohen Schadenkosten lasten schwer auf den Kfz-Versicherern. Aus Sicht der Allianz liegt großes Sparpotenzial in bislang unerlaubten Reparaturmethoden. Sie hat deshalb sehr klare Forderungen an Gesetzgeber und Autobauer.

Flaggen des Allianz-Konzerns

Die Allianz fordert vom Gesetzgeber die Zulassung günstigerer Reparaturmethoden für Kfz-Schäden. | Quelle: allianz

Die Reparaturkosten sind in den letzten Jahren nicht nur in der Kfz-Versicherung extrem gestiegen. Die Folge sind nicht nur Verluste bei den Versicherern, sondern etwas nachgelagert auch kräftige Prämienerhöhungen für die Kunden. Die Allianz, Deutschlands zweitgrößter Kfz-Versicherer, fordert deshalb die gesetzliche Erlaubnis bestimmter kostensparender Reparaturmethoden.

Im Kern geht es dabei um den Austausch kleiner, tatsächlich beschädigter Einzelteile im Vergleich zum aktuell stark propagierten Kompletttausch ganzer Bauteile wie Scheinwerfer. Auf einem Pressegespräch in Unterföhring sagte Frank Sommerfeld, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG, kürzlich bezogen auf Scheinwerfer: „Bei jedem kleinen Schaden wird der weggeschmissen und durch einen neuen ersetzt.“

Günstige Reparaturmethoden bislang nicht erlaubt

Laut seinem Unternehmen werden jährlich rund 870.000 Fahrzeugscheinwerfer beschädigt. Während allein der neue Scheinwerfer 2015 durchschnittlich noch 708 Euro kostete, seien es mittlerweile 1.251 Euro (+77 Prozent). Laut der Allianz würden sich die Scheinwerfer in vielen Fällen zu Kosten reparieren lassen, die deutlich unter denen des Kompletttauschs liegen würden. Doch in Deutschland sei bislang nur ganz konkret die Instandsetzung beschädigter Scheinwerferhalter vom Kraftfahrtbundesamt freigegeben, moniert der Versicherer. Dabei seien viele weitergehende Reparaturen, insbesondere durch Tausch von Elektronikkomponenten, Gehäuse oder Scheiben bereits möglich. Bis zu 80 Prozent der Kosten ließen sich hier einsparen.

„Leichte Kratzer und Steinschlagschäden an der Scheinwerferabdeckung können fachgerecht repariert werden. Dennoch ist diese Reparaturmethode in Deutschland aktuell nicht erlaubt. Würde man die Instandsetzung zulassen, ließen sich hoher Materialaufwand, Kosten und CO₂-Emissionen vermeiden“, sagt Christian Sahr, Leiter des Allianz Zentrum für Technik (AZT).

Von den Fahrzeugherstellern fordert die Allianz, das Recht zur Reparatur ernst zu nehmen und insbesondere bei teuren Fahrzeugkomponenten wie Fahrzeugscheinwerfer Reparaturmöglichkeiten anzubieten, die über die Halterreparatur hinausgehen, und beispielsweise den Tausch von Elektronikkomponenten, Gehäuse oder Scheiben oder eine professionelle Neulackierung durch die Fachwerkstatt bei oberflächlichen Kratzern oder Mattheit der Scheibe zu ermöglichen.

Vom Gesetzgeber fordert die Allianz, die Fahrzeughersteller dazu zu verpflichten, effektive Scheinwerfer-Reparaturmethoden, die über die Halterreparatur hinausgehen, in den Homologationsprozess für die Baumustergenehmigung beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) zu integrieren und die „Streuscheibe“ explizit als reparaturfähiges Bauteil aufzunehmen.

long story short:

Angesichts stark gestiegener Reparaturkosten fordert die Allianz gesetzliche Änderungen für kostengünstigere Fahrzeugreparaturen. Statt kompletter Bauteile wie Scheinwerfer sollen künftig häufiger Einzelteile repariert oder ersetzt werden dürfen. Laut Allianz ließen sich so bis zu 80 Prozent der Kosten sowie Material- und CO₂-Emissionen einsparen.