Autoversicherung

Horrende Kfz-Schadenkosten: „Hersteller mehr in die Pflicht nehmen"

Extrem hohe Preise für Kfz-Ersatzteile treiben auch die Versicherungsbeiträge nach oben. Welche Auswege er für die Branche sieht, fragte procontra den Itzehoer-Vorstand Christoph Meurer.

Christoph Meurer

Christoph Meurer ist als Vorstandsmitglied der Itzehoer Versicherungen unter anderem verantwortlich für den Kompositbereich. | Quelle: Itzehoer

procontra:

Halten Sie die Forderung der Allianz, alternative Reparaturmethoden für Kfz-Schäden zuzulassen, für sinnvoll und unterstützen Sie diese?

intervieweeImg

Christoph Meurer:

Wir erachten die Forderung der Allianz als sinnvoll und unterstützen sie. Alternative Reparaturmethoden sind ein zentraler Schlüssel, um den immer weiter steigenden Schadenkosten entgegenzuwirken. Dabei geht es nicht darum, Sicherheitsstandards abzusenken, vielmehr sollten rechtliche und technische Voraussetzungen geschaffen werden, damit fachgerecht geprüfte Reparaturverfahren als gleichwertige Alternative zum Komplettaustausch zugelassen werden können.

procontra:

Welche Optionen sehen Sie, um die hohen Schadenkosten in Zukunft zu senken beziehungsweise nicht weiter ansteigen zu lassen?

intervieweeImg

Meurer:

Wir sehen die Schadensteuerung als größten Hebel, um die Kosten im Schadenfall zu senken. Die Steuerung zu unseren Partnerwerkstätten lässt zum einen die Reparatur zu guten Konditionen zu, zum anderen können systematisch alternative Reparaturmethoden zum Einsatz gebracht werden. Dabei können Prozesse abgesprochen und Vereinbarungen getroffen werden, von denen sowohl die Werkstatt als auch wir als Versicherer partizipieren.

procontra:

Was davon setzen Sie bereits um?

intervieweeImg

Meurer:

Wir gehen jetzt sehr zeitnah mit unseren Partnern ins Gespräch, um alternative Reparaturmethoden, also Instandsetzung statt Austausch oder auch der Einsatz von Identteilen beziehungsweise Gebrauchteilen, zu etablieren.

procontra:

Braucht es gegen die hohe Schadenkosteninflation ein Einschreiten der Politik?

intervieweeImg

Meurer:

Die Politik muss aus unserer Sicht nicht selbst Reparaturverfahren entwickeln. Sie kann aber den rechtlichen Rahmen so gestalten, dass mehr wirtschaftliche und nachhaltige Reparaturen möglich werden. Dazu zählt, dass die Politik gemeinsam mit dem Kraftfahrtbundesamt den Rechtsrahmen so weiterentwickeln kann, dass zertifizierte Reparaturverfahren für bislang nicht reparaturfähige Bauteile zugelassen werden. Gleichzeitig könnte der Hersteller mehr in die Pflicht genommen werden, für geeignete Bauteile Reparaturverfahren, Ersatzteile und technische Informationen bereitzustellen, anstatt ausschließlich den Komplettaustausch vorzusehen. Nach unserer Auffassung benötigen wir mehr Normen und Standards, die gemeinsam mit Industrie, Werkstätten und Prüforganisationen entwickelt werden müssen. Das schafft Rechtssicherheit für alle Beteiligte.