Als Beratungsthema ist die eigenständige Fahrradversicherung noch relativ frisch. Noch keine zehn Jahre ist es her, da hatte Beraterin Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen dazu erstmals Fragen auf dem Tisch. Im Moment sei es keine so winzige Nische mehr – „ein Markt für Ballungsräume“. Dort sei der Umstieg aufs Fahrrad viel leichter als auf dem platten Land. „Hier im Rhein-Main-Gebiet gibt es mittlerweile Fahrradschnellwege von Stadt zu Stadt.“ Arbeiten in Frankfurt/M. und Wohnen in Darmstadt. Eine Strecke, die man mit dem Fahrrad überwinden könne. Mit dem Lastenfahrrad geht es zur Kita oder im Falle eines Ehepaars im Sabbatical mit dem E-Bike durch Europa. Was Familien früher ins Auto investierten, stecken sie Mayer zufolge heute in hochwertige Fahrräder. Bis zu 10.000 Euro für ein Rad sind dabei keine Seltenheit.
Die Crux: „Hausrat und teure Fahrräder passen oft nicht mehr unter einen Hut. Bei Familien in relativ kleinen Wohnungen, lässt sich der Schutz fürs Rad wegen der pauschalen oder prozentualen Beschränkung der Versicherungssumme dort oft nicht mehr gescheit unterbringen.“
Schlüsselfrage Schloss
Die Crux bei der speziellen Fahrradversicherung: Noch fehlen dort Standards oder GDV-Musterbedingungen und entdeckt man „im Kleingedruckten dann oft Dinge, an die keiner denken würde“. Mayers Beispiel: Man ersteht ein gutes Fahrradschloss im Sonderangebot für 9,90 Euro, hätte aber im Sinne der Bedingungen eines für 50 Euro kaufen müssen. „Ein Mindestpreis für das Fahrradschloss, solche Formulierungen gibt es tatsächlich.“ Damit stelle sich beim Vergleich generell auch die Frage, ob man die Obliegenheiten überhaupt einhalten könne. Knatsch gibt es nach ihrer Erfahrung unter anderem auch bei Zubehör, Anhänger und Gepäck, das entgegen der Annahme vieler Fahrradbesitzer dann doch nicht immer oder nur halbherzig versichert ist. Alles Punkte, die auch Makler nur zu gut kennen dürften und die nun zusammen mit weiteren Kriterien Eingang in das erste Produktrating für Fahrradversicherungen von Franke und Bornberg gefunden haben.
„Wir unterscheiden dabei nicht zwischen normalen Fahrrädern und E-Bikes, haben aber Kriterien mit aufgenommen, die sich eher auf das E-Bike beziehen“, erklärt Christian Monke, Leiter Ratings Private Risiken des Analysehauses. Hier geht es nach seinen Worten insbesondere um Schäden am Akku oder um dessen Diebstahl und Verschleiß.
Bei den sieben Tarifen, die die Top-Note erreicht haben, kann man insofern sicher sein: Ein handelsübliches Schloss reicht, es gibt keine besonderen Anforderungen - etwa auch derart, dass es von bestimmten Anbietern sein muss. Mindestens die ersten drei Jahre wird der Neuwert von Rad und Zubehör ersetzt. Abgedeckt sind auch Kinderanhänger mit mindestens 500 Euro, ebenso die teuren Carbon-Fahrräder sowie grobe Fahrlässigkeit.
Weites Spektrum beim Preis
Über diese Mindeststandards für Top-Produkte hinaus seien jene auch sonst bei den Kriterien breit aufgestellt, erklärt Monke. Das betrifft etwa Radsportveranstaltungen in Bike-Parks oder Downhill-Fahrten mit hohem Schadenpotenzial für Mountainbikes – zugleich typische Absicherungslücken bei schwächeren Produkten. Das sei aber schon ein spezielleres Thema, was der Makler nicht unmittelbar aus dem Rating ablesen könne. „Dazu muss er in die Bedingungen schauen beziehungsweise könnte die Vergleichstools der fb research GmbH nutzen“, so Monke.
Die Auswertungen für zwei Musterfälle zeigen nach seinen Worten relativ hohe Prämienspannen: Für ein Fahrrad im Wert von 800 Euro waren das Jahresprämien von 60 Euro bis 250 Euro und „unter den 60-Euro-Produkten durchaus auch solche im FFF-Bereich, also von guter Qualität“. Das 3.500 Euro teure E-Bike startet mit um die 100 Euro im Jahr. „Wir haben aber auch Prämien bis 500 Euro gesehen.“
Zum Vergleich des Preis-Leistungs-Verhältnisses kommt der Vergleich mit der Hausratversicherung, ausgehend vom Bedarf. „Es geht um Kunden, die sehr viel und zugleich mit einem hochwertigen Rad unterwegs sind und deshalb eine gute Versicherung brauchen.“ Und wenn die Hausrat das nicht leisten kann, „weil sie oft nur Diebstahl, und das sehr begrenzt, absichert“, lohne es sich auf eine Spezialpolice umzusatteln.
long story short:
Mit hochwertigen Fahrrädern und E-Bikes wächst der Bedarf an eigenständigen Fahrradversicherungen, da Hausratpolicen oft nur begrenzten Schutz bieten. Doch der Wildwuchs an Leistungen ist groß. Ratings, zum Beispiel von Franke und Bornberg, geben Orientierung.


