Der Bundestag hat heute das umstrittene Beitragsstabilisierungsgesetz von Union und SPD mit knapper Mehrheit beschlossen (319 Ja-Stimmen zu 286 Nein-Stimmen bei 4 Enthaltungen). Am Nachmittag stimmte auch der Bundesrat zu und verzichtete auf eine Bemühung des Vermittlungsausschusses, was für eine Verzögerung der Gesetzesbeschließung gesorgt hätte.
Das Beitragsstabilisierungsgesetz dient vor allem dazu, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aus ihrer finanziellen Schieflage zu holen. Jedoch werden die darin enthaltenen Sparmaßnahmen von vielen Seiten – beispielsweise von Sozialverbänden, Verbänden medizinsicher Berufsgruppen sowie von den Oppositionsparteien Grüne, Linke und AfD – als zu einschneidend bezeichnet.
Zwar soll das neue Gesetz primär die Steigerung des GKV-Beitrags für die Masse der Versicherten verhindern. Dafür bürdet es ihnen aber mehr Zuzahlungen auf, etwa für verschreibungspflichtige Medikamente und in bestimmten Fällen auch eigene GKV-Beiträge für bislang beitragsfrei mitversicherte Ehepartner. Dazu kommen zahlreiche Leistungskürzungen, zum Beispiel beim Zahnersatz. Durch die Begrenzung von Vergütungssteigerungen, etwa bei Klinikpersonal und Psychotherapeuten, ist zudem mit einem insgesamt sinkenden Leistungsniveau in der GKV zu rechnen.
Vertriebs-Booster für PKV-Voll- und -Zusatzversicherung
Diese Einschnitte zulasten der Bevölkerung bieten Maklerinnen und Maklern jedoch zahlreiche neue beziehungsweise stärkere Ansätze für die Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV). Vor allem Zahnzusatzversicherungen dürften für gesetzlich Versicherte nun größere Anziehung entwickeln, ebenso wie stationäre und auch ambulante PKV-Zusatzpolicen. Das hatte bereits eine procontra-Blitzumfrage ergeben.
Neben der Zusatzversicherung wird durch die Gesundheitsreform auch die private Krankenvollversicherung für neue Kunden interessanter. Zwar sieht das Sparpaket auch vor, die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) und damit die Hürde zum Einstieg in die PKV für gutverdienende Angestellte zu erhöhen, was weniger Wechsel von der GKV in die PKV bedeuten würde.
Gleichzeitig ist aus der Maklerschaft aber zu vernehmen, dass sich durch die Reform mehr Gutverdiener plötzlich für die PKV interessieren. Laut der auf die PKV-spezialisierten Maklerin Anja Glorius geraten auch GKV-Unterstützer, die sich längst hätten privat versichern können, ins Grübeln. Sie würden ein sinkendes Leistungsniveau – zum Beispiel durch immer längere Wartezeiten auf Facharzttermine – zu konstant hohen Beiträgen wahrnehmen und wünschten sich vor allem für ihre Kinder eine bessere Gesundheitsversorgung mit mehr Präventionsleistungen und schnelleren Terminen.
long story short:
Bundestag und Bundesrat haben das Beitragsstabilisierungsgesetz beschlossen. Es soll die GKV finanziell entlasten, bringt aber höhere Zuzahlungen und Leistungskürzungen. Für Makler ergeben sich dadurch neue Beratungschancen bei PKV-Zusatzversicherungen und der Vollversicherung, da das sinkende Leistungsniveau der GKV das Interesse an privatem Schutz erhöhen könnte.


