"Anti-Preis" der Branche

Nachhilfe-Police wird mit „Versicherungskäse“ ausgezeichnet

Der Negativpreis der Branche geht in diesem Jahr an die Astra Versicherung. Die Versicherungskäse-Jury zog das angebotene Versicherungsprodukt grundsätzlich in Zweifel.

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12:06 Uhr | 28. Juni | 2024
Versicherungskäse

Der Negativpreis "Versicherungskäse" geht in diesem Jahr nach Mannheim an die Astra Versicherung

| Quelle: kzenon

„And the Versicherungskäse goes to…” Der Bund der Versicherten verleiht seinen Negativpreis für das schlechteste Versicherungsprodukt in diesem Jahr an die Astra Versicherung für deren Nachhilfe-Versicherung „Plus“. Die Mannheimer „sahnten“ dabei gleich doppelt ab, da nicht nur der Jury-Preis, sondern auch der Publikum-Preis an sie ging. Rund 65 Prozent der etwa 500 abgegebenen Stimmen entfielen auf die Nachhilfe-Versicherung – das waren deutlich mehr als der Akku-Schutz für E-Bikes von Wertgarantie (19 Prozent) und der DFV-Kombischutz (16 Prozent).

Die Nachhilfe-Versicherung der Astra verspricht für eine Jahresprämie von 29,99 Euro einen Betrag von 400 bzw. 600 Euro für pädagogische Leistungen für den Fall, dass das Kind aufgrund eines Krankenhausaufenthalts oder einer längeren Krankheit in der Schule nicht mehr hinterherkommt. Zusätzlich verspricht die Police auch noch Rooming-In-Leistungen für Eltern, deren Kinder ins Krankenhaus müssen – zumindest, wenn die Kinder unter 14 Jahren sind.

Notwendigkeit der Police bezweifelt

Abgesehen davon, dass der Versicherer Eltern nicht hilft, überhaupt einen der kaum verfügbaren Nachhilfelehrer zu finden, bezweifelt die Jury grundsätzlich die Notwendigkeit der Police. „Sind die Kinder krank, ist es doch viel wichtiger, dass sie wieder gesund werden. Dass sie dafür Zeit haben und keinen Druck verspüren„, merkte Anja Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg an, die die Laudatio hielt. „Die schulische Karriere hängt nicht von ein paar Tagen Krankheit ab“, so Klug.

Zudem unterliegen auch Kinder mit längerer Erkrankung weiter der Schulpflicht. Dieser Anspruch müsse über die Krankenhäuser erfüllt werden und sei beispielsweise über eine virtuelle Beschulung möglich. „Ein Bedarf für die Versicherung besteht also nicht“, schlussfolgerte Klug in Vertretung der gesamten Jury.

Da der Versicherungskäse seit zwei Jahren nicht mehr physisch vergeben wird, erhält die Astra Versicherung nun nur eine Urkunde, die sie als „Sieger“ auszeichnet.

Wie die Astra auf diese Auszeichnung reagiert, hätten wir gerne in Erfahrung gebracht. Eine Rückmeldung seitens des Versicherers blieb bislang aber aus. Sollte diese noch erfolgen, werden wir diese an dieser Stelle nachreichen.