Kolumne
Vertriebstraining 2.0: Mit KI-Personas zu besseren Abschlüssen

Alle reden bei KI im Vertrieb über Effizienz. Natürlich. Dokumentation, CRM-Pflege, Recherche, Terminvorbereitung – der übliche Werkzeugkasten, mit dem Maklerinnen und Makler endlich weniger Excel und mehr Kunde haben sollen. Klingt vernünftig. Ist es auch. Aber es greift zu kurz. Denn der spannendste KI-Einsatz liegt ausgerechnet dort, wo viele Vermittler noch erstaunlich analog unterwegs sind: im Vertriebstraining.
Der Grund ist simpel: Produktwissen verliert seinen Nimbus als Alleinstellungsmerkmal. Nicht, weil es unwichtig wäre. Sondern weil es verfügbar wird. KI kann heute Tarifwelten durchsuchen, Bedingungen vergleichen, Leistungsunterschiede strukturieren und in Sekunden Lösungsvorschläge formulieren. Teilweise sauberer als mancher Innendienst und deutlich schneller als der gestresste Vermittler zwischen zwei Kundenterminen. Wer also glaubt, er sichere seine Zukunft allein mit dem nächsten Produktschulungsskript, verwechselt Fleiß mit Wettbewerbsvorteil.
Der Unterschied entsteht künftig stärker im Gespräch selbst. Bedarfsermittlung, Einwandbehandlung, Empathie, Souveränität, Timing – kurz: alles, was Vertrauen schafft und Abschlüsse möglich macht. Genau da liegt aber die alte Schwäche der Branche. Trainiert wird oft einmal im Quartal im Seminarraum oder, schlimmer noch, direkt am Kunden. Frei nach dem Motto: Wird schon irgendwie passen. Tut es nur leider oft nicht. So entstehen Routinen, aber nicht zwingend gute Routinen.
KI-Personas können hier ein echter Hebel sein. Der skeptische Rentner, die preisgetriebene junge Familie, die digitalaffine Berufseinsteigerin: Solche Gesprächspartner lassen sich simulieren – per Chat, Sprache oder sogar schon per Avatar. Wirklich interessant wird es aber erst danach. Wenn die KI auswertet, wo der Vermittler ausweicht, zu früh ins Produkt kippt oder Einwände nur verwaltet statt auflöst. Dann wird aus Rollenspiel belastbares Coaching.
Die Ironie ist fast zu schön: Ausgerechnet künstliche Intelligenz könnte dafür sorgen, dass Maklerinnen und Makler wieder menschlicher verkaufen. Wer KI nur als Automationsknecht betrachtet, denkt zu klein. Die Zukunft gehört nicht dem Vermittler mit den meisten Produktfolien, sondern dem mit den besseren Gesprächen.
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