Studie des GDV

Risikolebensversicherung: Jeder zweite Haushalt im Todesfall unversichert

Besonders Familien mit geringem Einkommen drohen hohe finanzielle Lücken. Ein Grund für die Zurückhaltung ist auch die Inflation.

Bank mit Rosen zum Gedenken

Wenn der Ernstfall eintritt: Mehr als 20 Millionen Haushalte sind nicht finanziell abgesichert. | Quelle: Henfaes

Ein Todesfall in der Familie ist nicht nur tragisch, er kann auch finanziell zu einer Belastungsprobe werden - und jeder zweite Haushalt mit Absicherungsbedarf in Deutschland ist für den Fall der Fälle nicht versichert. Das geht aus einer Studie hervor, die der GDV unter anderem mithilfe von Daten des Statistischen Bundesamtes und der Versicherungswirtschaft erstellt und in einem Pressegespräch vorgestellt hat.

Den Zahlen nach fehlt in mehr als 20 Millionen Haushalten in Deutschland bei einem Sterbefall der finanzielle Schutz. Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV, führt das unter anderem auch auf die wirtschaftliche Lage zurück: "Die Inflation sorgt für Zurückhaltung", so Schumann. Dabei sei der Markt für Risikolebensversicherungen gut kalkulierbar, aber auch ein „aktiver und sehr kompetitiver Markt“.

13 Prozent der Todesfälle in 2024 betrafen Menschen zwischen 20 und 65 Jahren

Gut vergleichbare Leistungsangebote sind auch für Ines Moers, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, ein weiterer Grund innerfamiliär über das Thema zu sprechen. „Partner sollten frühzeitig, laufend und ehrlich über Finanz- und Absicherungsfragen sprechen“, appelliert Moers. „Wir stellen allgemein fest, dass in Partnerschaften wenig über Finanzen und Risiken gesprochen wird“. Die Statistik bestätigt den Appell: 2024 trafen 13 Prozent aller Todesfälle in Deutschland Menschen zwischen 20 und 65 Jahren.

Deutliche Unterschiede beim Thema Risikolebensversicherung werden beim Einkommen sichtbar: Bei Haushalten mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 3.250 Euro verfügen nur etwa drei bis zehn Prozent über eine Risikolebensversicherung, in Haushalten mit einem Einkommen von mehr als 7.500 Euro netto sind es 46 Prozent.

Versicherungsnehmer häufig zu gering abgesichert

In einem Rechenbeispiel verdeutlicht Moritz Schumann: Fällt etwa in einem Zwei-Verdiener-Haushalt ein Einkommen weg und reduziert der verwitwete Elternteil zusätzlich seine Arbeitszeit um 30 Prozent, entstehe nach Berechnungen der Studie eine monatliche Lücke von fast 1.000 Euro, rechnet Schumann vor. Eine weiteres "Kernproblem": Die Absicherung sei häufig zu niedrig. Als Faustregel gelte, dass die Versicherungssumme etwa drei bis fünf Bruttojahresgehälter zuzüglich offener Kredite umfassen sollte. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Versicherungssumme pro Vertrag bei rund 121.000 Euro. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt betrug hingegen rund 50.000 Euro. Schon ohne bestehende Kredite ergebe sich daraus eine empfohlene Mindestabsicherung von etwa 150.000 Euro, so Schumann.

Auch der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses hat erheblichen Einfluss auf die Kosten. Bereits ab einem Abschlussalter von etwa 35 Jahren sind die Beiträge ungefähr doppelt so hoch wie mit 25 Jahren. Nach dem 40. Lebensjahr steigen sie besonders stark an. Gerade zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr werden jedoch häufig Familien gegründet oder Immobilien finanziert. Ausgerechnet in dieser Lebensphase besitzt bislang nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Haushalte eine Risikolebensversicherung.

long story short

  • Mehr als 20 Millionen Haushalte in Deutschland sind bei einem Todesfall finanziell nicht abgesichert

  • Besonders Haushalte mit niedrigerem Einkommen besitzen selten eine Risikolebensversicherung. Gleichzeitig kann der Wegfall eines Einkommens schnell eine monatliche Lücke von rund 1.000 Euro verursachen.

  • Viele bestehende Verträge sind zu niedrig bemessen: Empfohlen werden drei bis fünf Bruttojahresgehälter plus offene Kredite, im Schnitt lag die Versicherungssumme 2024 jedoch nur bei 121.000 Euro.