VKB-Studie: Deutsche sind auf ein langes Leben schlecht vorbereitet
Die Deutschen tun noch zu wenig für ihre Gesundheit. Das ist die zentrale Erkenntnis einer Umfrage unter 3.000 Personen zwischen 16 und 79 Jahren, die vom Konzern Versicherungskammer (VKB) zusammen mit dem Wissenschaftlichen Institut der PKV (WIP) durchgeführt wurde. Doch wie viel Präventionsaufwand für körperliche und geistige Gesundheit, gepaart mit finanzieller Vorsorge wäre genug? Hierzu sagen die Studienautoren mit Blick auf die steigende Lebenserwartung: „Deutschland ist auf ein langes Leben noch nicht ausreichend vorbereitet.“
Sport, Yoga, gezielte Bewegung: Die Zeitmenge, die die Befragten wöchentlich bewusst für ihre Gesundheitsvorsorge aufwenden, beträgt im Durchschnitt zwei Stunden und 20 Minuten. Dies spiegle eine positive Entwicklung, sei aber noch nicht genug, findet Frank Wild vom WIP. Jeder Zehnte würde noch gar nichts bewusst für seine Gesundheit tun und auf 30 Minuten täglich käme erst knapp ein Drittel der Bevölkerung.
Die Mehrheit sorgt nicht vor
Laut der Umfrage ist bei vielen gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen der Anteil der Passiven größer als der der Aktiven. Dabei geht es zum Beispiel um gesunde Ernährung (-16 Prozent), mentales Training sowie ausreichend Schlaf (-16 Prozent) und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (-14 Prozent), aber auch um regelmäßige soziale Kontakte (-8 Prozent) oder den phasenweisen Verzicht auf elektronische Medien (-3 Prozent). Lediglich bei Impfungen und dem Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln liegt der Anteil der aktiven Anwender jeweils einen Prozentpunkt über den Passiven.
Ähnlich verhält es sich bei der finanziellen Vorsorge: Weiterbildungen für ein später höheres Einkommen (-10 Prozent), Erwerb von Immobilien (-12 Prozent), gezielter Vermögensaufbau über Aktien, ETFs etc. (-16 Prozent) und Risikoschutz durch Zusatzversicherungen wie Pflege, Unfall und BU (-19 Prozent). Fast jeder Zweite (47 Prozent) gibt an, dass fehlendes Geld zusätzliche finanzielle Vorsorge verhindert; 32 Prozent sehen auch beim Thema Gesundheit die finanziellen Möglichkeiten als wichtigsten Engpass.
Es will nicht jeder 100 werden
In allen Bereichen zeigt sich eine klare Lücke zwischen „für wichtig halten“ und „tatsächlich tun“, resümieren die Studienautoren, zu denen auch Martin Fleischer, Vorstandsmitglied Personenversicherung im Konzern Versicherungskammer gehört. In einer digitalen Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie sagte er an diesem Montag: „Unser Appell an die Politik lautet, dass sie positive Aussichten für die Zukunft schaffen muss, um den Menschen auch Lust auf die Zukunft zu machen.“
Die Umfrage ergab, dass nur 38 Prozent der Deutschen den Gedanken positiv finden, 100 Jahre alt zu werden. Fast genau so viele (32 Prozent) bewerten diese Vorstellung als negativ. Fleischer meint dazu, dass eine positive Stimmung zu mehr Vorsorge und diese wiederum zu mehr Zufriedenheit führen würde. Doch dazu müssten den Haushalten größere finanzielle Spielräume entstehen, positive Zukunftsperspektiven aufgezeigt und klare politische Signale gesetzt werden, welche Rolle dabei die individuelle Eigenvorsorge spielt.
long story short:
Eine VKB/WIP-Umfrage zeigt: Die Deutschen tun zu wenig für Gesundheit und Vorsorge. Zwar investieren sie im Schnitt 2:20 Stunden pro Woche bewusst in Prävention, doch viele bleiben bei Ernährung, Schlaf, Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen passiv. Auch finanziell sorgen viele nicht ausreichend vor; häufig fehlt Geld. Nur 38 Prozent bewerten ein 100-jähriges Leben positiv. Die Studienautoren fordern bessere Zukunftsperspektiven und klare politische Signale zur Eigenvorsorge.


