Erst kürzlich hatte eine procontra-Umfrage unter mehreren privaten Krankenversicherern ergeben, dass diese aufgrund des anhaltenden Kostendrucks mit dauerhaft steigenden PKV-Beiträgen rechnen. Nun untermauert das Beratungsunternehmen Morgen & Morgen mit seinem M&M Rating PKV-Beitragsstabilität diese Entwicklung und zeigt anhand seiner Analyse auf, dass die Beitragsstabilität im Markt generell abnimmt.
Für das Rating wurden 1.130 Tarifkombinationen (Vorjahr: 1.118) aus der Vollversicherung von allen aktiven Anbietern untersucht. Bei deren Vergleich ging es weder um Leistungen noch um die konkrete Beitragshöhe, sondern um die Entwicklung der Beiträge. In die Bewertung flossen deshalb ein:
Neugeschäftsbeiträge und Beitragsanpassungen im 5-Jahres-Zeitraum
Tarifkombinationen verschiedener Berufsgruppen
Eintrittsalter von 21 bis einschließlich 50 Jahren
sogenannte Effektivbeiträge, also Monatsbeiträge hochgerechnet auf das Jahr zuzüglich eines möglichen Selbstbehalts
Mittelwert und Standardabweichung der relativen Beitragssteigerungen
Tiere Einblicke in die Rating-Methodik gibt es hier.
Weniger stabile Tarife, mehr instabile
Zum einen stellte Morgen & Morgen fest, dass die durchschnittliche Beitragsanpassung (BAP) im Markt im Jahr 2026 das dritte Jahr in Folge gestiegen ist. Nach verhältnismäßig niedrigen 2,04 Prozent in 2023 war sie zuletzt immer weiter gestiegen (2024: 2,79 Prozent; 2025: 3,54 Prozent) und kommt der Analyse zufolge nun auf 4,88 Prozent im laufenden Jahr. Diese Zahlen beziehen sich auf alle Vollversicherten. Laut dem PKV-Verband beträgt die BAP in 2026 sogar 13 Prozent, allerdings nur mit Blick auf die rund 60 Prozent Vollversicherten, die tatsächlich von einer BAP betroffen sind.
Im aktuellen M&M-Rating haben 154 Tarife die Bestnote von 5 Sternen erhalten. Das bedeutet, sie sind besonders beitragsstabil. Allerdings nimmt die Größe dieser Gruppe seit Jahren ab – parallel zu den steigenden BAP. Auch die Anzahl der Tarife mit 4 und 3 Sternen ging zurück, dafür stieg die Anzahl der Tarife mit 2 und 1 Sternen.
„Die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Beitragsentwicklung werden sich in den kommenden Jahren nicht grundlegend verändern. Medizinischer Fortschritt, steigende Behandlungskosten und die demografische Entwicklung werden die Leistungsausgaben weiterhin erhöhen. Hinzu kommt mit der geplanten Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ein weiterer Faktor, der die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen beeinflussen könnte“, fasst Iris Portugall, Spezialistin für Ratings und Aktuarin bei Morgen & Morgen zusammen.
Viele Anbieter mit Top-Tarifen
Mindestens einen PKV-Tarif mit 5 Sternen können die folgenden privaten Krankenversicherer aufweisen:
Alte Oldenburger
ARAG
Concordia
DKV
Generali
Hallesche
Hanse Merkur
Huk-Coburg
Inter
LKH
Ottonova
R+V
SDK
Signal Iduna
Universa
Vrk
Württembergische
Eine vollständige Ergebnisliste aller bewerteten Tarife gibt es hier.
long story short:
Morgen & Morgen sieht die Beitragsstabilität in der PKV weiter sinken. Die durchschnittliche Beitragsanpassung stieg 2026 auf 4,88 Prozent – das dritte Jahr in Folge. Im Rating erhielten nur noch 154 Tarife die Bestnote von 5 Sternen, ihre Zahl nimmt ab. Kostentreiber bleiben medizinischer Fortschritt, Demografie und steigende Behandlungskosten.


