Die jüngst beschlossene Gesundheitsreform von Union und SPD reduziert an vielen Stellen die Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger – und macht damit die private Krankenzusatzvorsorge noch ein Stück wichtiger. Eine Entwicklung, die sich aufgrund des vorliegenden Referentenentwurfs auch bereits für die soziale Pflegeversicherung abzeichnet. Zwar ist die Lage hier bereits drastisch beziehungsweise die Pflegelücke groß. Dennoch ist die Pflegezusatzversicherung seit vielen Jahren ein Ladenhüter.
Welche Einwände ihre Kundinnen und Kunden am häufigsten gegen den Abschluss einer solchen Police vorbringen, hat die Messe- und Weiterbildungsplattform profino (gehört wie procontra zum Alsterspree Verlag) im Juli die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Makler-Webinare gefragt. Dabei wurden für die vier Antwortmöglichkeiten insgesamt 614 Stimmen abgegeben.
Kein Budget für Pflegezusatz
Der mit Abstand häufigste Einwand lautet, dass die Pflegezusatzversicherung zu teuer beziehungsweise kein Budget für diese vorhanden sei (60,4 Prozent der Stimmen). Dass sie gesund leben und ihnen deshalb schon nichts passieren wird, bringen 19,1 Prozent der Kunden ihren Maklern entgegen. Komplett auf den Staat verlassen wollen sich bei finanzieller Knappheit 13,8 Prozent. Lediglich 6,7 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie keine dieser Einwände hören würden, sondern laufend Pflegezusatzpolicen vermitteln würden.
Dass die geplante Pflegereform die private Vorsorge nicht nur dringender macht – denn das ist sie schon – sondern auch deren Verbreitung fördert, dazu macht man sich in der Versicherungsbranche nur wenig Hoffnung. Denn die Reformpläne enthalten neben den Leistungskürzungen keine klaren Absichten für eine Bezuschussung oder steuerliche Förderung von privaten Pflegezusatzversicherungen.
Somit ist es weiterhin an den Produktgebern und Maklern, ihren Kunden die Brisanz der Pflegelücke aufzuzeigen und dies vor allem klarer zu kommunizieren, findet Hallesche-Vorstand Robert Gladis. Letzten Endes müsse jeder Makler seinen eigenen positiven Einstieg in die Pflegeberatung finden, sagt Spezialmakler Christian Steffen Fröhlich. Am besten gehe dies über eigene Erfahrungen mit dem Thema. Schließlich sind diese authentisch und für die Kunden am greifbarsten.
long story short:
Die geplante Pflegereform dürfte die Versorgungslücke vergrößern und erhöht den Bedarf an privater Pflegevorsorge. Dennoch bleibt die Pflegezusatzversicherung wenig gefragt. Laut einer profino-Umfrage nennen 60,4 Prozent der Makler fehlendes Budget als häufigsten Kundeneinwand. Branchenvertreter sehen vor allem die Kommunikation zum Thema Pflege als Hebel für mehr Vorsorge, da staatliche Förderanreize fehlen.


