Wegen Illiquidität

Verbraucher-Aufklärung: Bafin nimmt ELTIF-Vertrieb ins Visier

Bafin-Präsident Mark Branson fordert mehr Verbraucher-Aufklärung beim Vertrieb von ELTIFs. Die Illiquidität der Produkte müsse klarer werden, vielleicht durch eine Malus-Kennzeichnung.

Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)

Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) | Quelle: Bafin/Matthias Sandmann

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen besser über Investitionen in europäische Langfristfonds, kurz ELTIFs, aufgeklärt werden. Das fordert Bafin-Präsident Mark Branson. „Es muss sich in der Zukunft bei Produkten für Retail-Anleger, die in illiquide Assets investieren, etwas ändern“, so Branson, dessen Interview mit dem Manager Magazin die Bafin auf ihrer Internetseite in Teilen zusammenfasst.

Die Finanzdienstleistungsaufsicht kritisiert beim Thema Liquidität ein Missverhältnis aus den Eigenschaften der ELTIFs und dem Kenntnisstand der privaten Investoren. Die noch relativ neuen Anlagevehikel investieren unter anderem in Infrastrukturprojekte und Private Equity. Dadurch könnten die Menschen ihr Geld häufig nicht vorzeitig abziehen, lautet der Einwurf der Bafin.

Gegen gesetzeswidrige Angebote und irreführendes Marketing

Deshalb würde die Aufsicht den Vertrieb der Produkte genau beobachten. „Wenn wir in der Vermarktung, Werbung oder Platzierung der ELTIFs etwas sehen, das nicht angemessen ist, reden wir mit dem Anbieter“, so Branson. Dies würde oft schon etwas bewirken.

Darüber hinaus schlägt der Bafin-Präsident bei der Bewertung von ELTIFs ein zusätzliches Malus für Illiquidität vor. Dies könne Anlegerinnen und Anlegern helfen, das Risiko der Geldanlageform besser einzuschätzen. Der Staat könne und solle nicht vor jeder schlechten Investitionsentscheidung schützen. „Aber wir müssen dafür sorgen, dass es am Markt keine gesetzeswidrigen Angebote und kein irreführendes Marketing gibt“, betonte Branson. „Und wir müssen Menschen befähigen, selbst zu urteilen.“ 

 

Seit dem Wegfall verschiedener Restriktionen Anfang 2024, wie zum Beispiel der Mindestanlagesumme von 10.000 Euro, sind ELTIFs für Kleinanleger und somit für den breiten Vertrieb unter Privatpersonen interessanter geworden. Experten weisen aber schon seit einiger Zeit darauf hin, dass die Produkte weder leicht verständlich noch einfaches Mitnahmegeschäft für Berater sind.

Long Story short

Bafin-Präsident Mark Branson fordert eine bessere Aufklärung von Privatanlegern über ELTIFs. Die Finanzaufsicht sieht ein Missverhältnis zwischen der Illiquidität der Fonds und dem Wissen der Anleger. Sie will Vertrieb und Werbung stärker überwachen und schlägt einen zusätzlichen Malus für Illiquidität vor. Seit 2024 sind ELTIFs durch gelockerte Regeln für Kleinanleger zugänglicher.