Kolumne

AV-Depot: Top oder Flop?

Die Reform der Altersvorsorge ab 2027 ist ein wichtiger und notwendiger Schritt. Damit das Altersvorsorgedepot zu einem Erfolg wird, müssen die privaten Anbieter nun liefern, meint Martin Stenger, Director Sales und Business Development Insurance & Retirement Solutions Germany, Austria & Switzerland, Franklin Templeton.

Martin Stenger, Director Sales und Business Development Insurance & Retirement Solutions Germany, Austria & Switzerland, Franklin Templeton

Martin Stenger, Director Sales und Business Development Insurance & Retirement Solutions Germany, Austria & Switzerland, Franklin Templeton | Quelle: Franklin Templeton

Endlich hat der Gesetzgeber Klarheit geschaffen: Ab 2027 wird die Riester-Rente, die eher negativ behaftet ist, durch das Altersvorsorgedepot abgelöst. Auch kapitalmarktorientierte Lösungen ohne Garantien werden zukünftig förderfähig sein. Hinzu kommen ein Standardprodukt mit einem Kostendeckel von 1,0 Prozent sowie flexiblere Auszahlungsformen wie Zeitrenten. Die Altersvorsorge wird somit ordnungspolitisch neu gedacht: Mehr Wahlfreiheit, mehr Wettbewerb und mehr Raum für renditeorientierte Vorsorge.

Dieser Schritt war überfällig. Hohe Komplexität, begrenzte Renditechancen und eine geringe Produktattraktivität haben zur Ineffektivität der Riester-Rente beigetragen. An ihre Stelle tritt nun das Altersvorsorgedepot mit bestehend aus Garantieprodukten mit 100 Prozent, 80 Prozent oder ohne Kapitalgarantie. Die Altersvorsorge wird dadurch einfacher, flexibler und renditestärker werden.

Reform der geförderten Altersvorsorge ist zeitgemäß

Die Reform ist auch deshalb zeitgemäß, weil sie einen gesellschaftlichen Trend aufgreift, der sich ohnehin seit Jahren abzeichnet: Immer mehr junge Menschen investieren. Der Jugendstudie 2024 des Bankenverbandes zufolge haben 31 Prozent der 14- bis 24-Jährigen Wertpapiere; 2018 waren es noch neun Prozent.

Doch so wichtig der regulatorische Rahmen ist: Der Erfolg des Altersvorsorgedepots ist keineswegs garantiert. Maßgeblich ist, dass die neuen Produkte flächendeckende Akzeptanz in der breiten Bevölkerung erreichen. Das ist der Riester-Rente nie gelungen. Hier sind die Anbieter gefragt: Sie müssen aus dem gesetzlichen Rahmen ein überzeugendes Marktangebot formen. Einfach, verständlich und relevant für breite Zielgruppen. Zudem muss die technische Umsetzung funktionieren. Wenn die Anbieter die neuen Möglichkeiten dann auch noch gut kommunizieren, kann das Altersvorsorgedepot zu einem echten Neustart werden.

Wird das Altersvorsorgedepot ein Erfolg oder ein Flop?