Interview

Anleihen im Kundendepot: „Investoren sehen Fiskalpolitik zunehmend kritisch“

Die wachsende US-Staatsverschuldung treibt die Renditen langlaufender Papiere nach oben – mit spürbaren Auswirkungen auf europäische Märkte. Thomas Umlauft, Portfolio Manager bei Taunus Trust, analysiert die Zinsrisiken und erklärt, warum Vermittler neben Aktien jetzt gezielt auf breit gestreute Unternehmens- und Hochzinsanleihen als Ertrags- und Stabilitätsanker setzen sollten.

Thomas Umlauft, Portfolio Manager und Managing Partner bei Taunus Trust

Thomas Umlauft, Portfolio Manager und Managing Partner bei Taunus Trust | Quelle: Taunus Trust

Alle reden von Aktien. Was tut sich aber an den Anleihemärkten?

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Thomas Umlauft:

Die Zinsen liegen heute höher als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig ist aber auch die Inflation gestiegen, sodass die reale Verzinsung – also nach Abzug der Inflation – vor allem in Europa weiterhin niedrig bleibt. Zudem verlangen Anleger für Unternehmensanleihen derzeit nur geringe Risikoaufschläge. Das zeigt, dass die Märkte Ausfälle als wenig wahrscheinlich ansehen. Viele Unternehmensanleihen sind deshalb nicht mehr so günstig bewertet wie noch vor zwei oder drei Jahren.

In den USA hört man Stimmen, die vor einer „Bondkrise“ warnen. Wie beurteilen Sie die Situation dort?

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Umlauft:

Die USA weisen dauerhaft hohe Haushaltsdefizite auf und müssen immer mehr Staatsanleihen ausgeben. Anleger verlangen dafür inzwischen deutlich höhere Zinsen, vor allem bei langen Laufzeiten. Noch haben die USA keine Probleme, sich zu finanzieren. Die gestiegenen langfristigen Renditen zeigen aber, dass Investoren die Fiskalpolitik zunehmend kritisch sehen.

Was steckt hinter dem Zinsanstieg bei Anleihen mit langer Laufzeit?

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Umlauft:

Die US-Staatsverschuldung liegt inzwischen bei rund 124 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, gleichzeitig steigen die Zinskosten kräftig. Anleger fragen sich daher, ob die Verschuldung langfristig tragfähig bleibt. Einen festen Punkt, an dem das Vertrauen verloren geht, gibt es zwar nicht. Klar ist aber: Je höher Schulden und Zinslast steigen, desto höhere Renditen verlangen Investoren.

Wann könnte das der Fall sein und was bedeutet all das für Anleger in Deutschland?

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Umlauft:

Den Zeitpunkt kann niemand seriös vorhersagen. Solange das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der USA besteht, funktioniert das System. Die USA sind jedoch der wichtigste Anleihemarkt der Welt. Steigen dort die Renditen, wirkt sich das häufig auch auf Europa aus. Für Anleger bedeutet das vor allem: breit diversifizieren. Höhere Zinsen können kurzfristig belasten, eröffnen langfristig aber wieder attraktivere Ertragschancen bei Anleihen.

Welche Asset-Allokation empfehlen Sie Privatanlegern?

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Umlauft:

Im aktuellen Umfeld sollte niemand alles auf eine Karte setzen – insbesondere nicht auf wenige Technologiewerte. Neben Aktien können Unternehmensanleihen das Portfolio sinnvoll ergänzen. Auch ausgewählte Hochzinsanleihen können interessant sein, wenn sie breit gestreut und professionell ausgewählt werden. Die regelmäßigen Zinszahlungen sorgen für laufende Erträge und können Kursschwankungen im Gesamtportfolio abfedern.

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Umlauft:

Long Story short:

  • Rasant steigende Staatsverschuldung lässt Zinsen steigen.

  • Höhere Zinsniveaus weisen auf einen Vertrauensverlust hin.

  • Investoren schichten zunehmend in Unternehmensanleihen um.