Amazon, Google & Co.: Deutsche zeigen sich bei Big-Tech-Versicherungen zurückhaltend

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen Corona

Im internationalen Vergleich sind die Versicherten hierzulande konservativer eingestellt. Dennoch wächst ihre Digitalkompetenz – und bekommt durch Corona einen weiteren Schub.

Eine Versicherung wollen nur die wenigsten Deutschen über Amazon & Co. abschließen.

Eine Versicherung wollen nur die wenigsten Deutschen über Amazon & Co. abschließen. Bild: Adobe Stock/Pixavril

Traditionelle Versicherungsunternehmen zittern vor allem in den USA schon seit Jahren vor der wachsenden Konkurrenz durch Technologiegiganten wie Amazon. Die Befürchtungen sind niht unbegründet, wie der aktuelle World Insurance Report der Unternehmensberatung Capgemini zeigt: Während im Jahr 2016 nur 17 Prozent der Befragten, dass sie den Abschluss einer Versicherung bei einem solchen Unternehmen in Erwägung ziehen würden, hat sich die Zahl bis 2020 mehr als verdoppelt und steht nun bei 36 Prozent.

Derweil wagt sich Amazon Stück für Stück weiter ins Versicherungsgeschäft vor - zumindest in Indien, wo der Online-Riese sich vor zwei Jahren an dem Start-Up Acko beteiligte. Wie das indische Magazin Moneycontrol berichtet, können Kunden in Zukunft über Amazon Pay Kfz- sowie Fahrradpolicen von Acko abschließen.

In Deutschland ist dies (noch) nicht möglich, allerdings ticken die Uhren hier auch anders. Von lediglich 7 Prozent vor vier Jahren hatte sich der Anteil der an einer BigTech-Versicherung Interessierten zwar bis zum Jahr 2018 verdreifacht – seitdem verharrt er aber bei 21 Prozent. Die Zahl der digitalen Pioniere ist offenbar gering, gerade, wenn es um Banken und Versicherungen geht hält sich die Experimentierfreude der Bundesbürger in Grenzen.

Das bedeutet indes nicht, dass sich Versicherungen und Vermittler auf ihren Produkten und Kommunikationswegen ausruhen können, wie jüngst auch Zukunftsforscher Kai Gondlach betonte. Laut der Umfrage vertrauen Versicherungskunden mehr und mehr ihrer eigenen Recherche über digitale Kanäle, um an Informationen zu kommen und Versicherungsprodukte zu kaufen. Während Online-Bewertungen und Ratings 60 Prozent der Kunden in ihrer Wahl einer Police beeinflussen, setzen immerhin weltweit noch 40 Prozent der Befragten auf die Beratung von Maklern und Vermittlern. In Deutschland holen insgesamt 48 Prozent der Versicherungsnehmer am liebsten über ihren Vermittler Informationen ein.

Auch Ältere vertrauen auf die eigene Digitalkompetenz

Digitalkompetenz ist inzwischen laut der Studie keine Frage des Alters mehr. Wer Zugang zum Internet und zu sozialen Medien hat, empfindet die Online-Recherche und den direkten Versicherungsabschluss online als normal, und zwar unabhängig davon, welcher Generation er angehört. 53 Prozent der Deutschen, die vor 1975 geboren sind, tätigen täglich Online Einkäufe oder Bankgeschäfte – vor zwei Jahren waren es nur 18 Prozent. Die Einschränkungen aufgrund der Coronakrise könnten diesen Trend noch verstärken, da Verbraucher gezwungen sind, für Alltags-Transaktionen digitale Kanäle zu nutzen – unabhängig von ihrem Alter oder technischem Know-how.

Die Verbraucher suchen nach Benutzerfreundlichkeit, Zuverlässigkeit und Individualisierung, wenn sie sich Versicherungsanbieter genauer ansehen. So wünschen sich mehr als 50 Prozent der Kunden international und 47 Prozent der deutschen eine nutzungsbasierte Versicherung, weil sie stark personalisiert ist und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Allerdings bietet eine lediglich die Hälfte der internationalen Versicherer diese Option an. In Deutschland ist man hier ausnahmsweise weiter: Hierzulande setzen bereits 65 Prozent der Versicherungsunternehmen auf solche maßgeschneiderten Lösungen.

Kundendaten werden kaum genutzt

Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts – doch dieser Schatz wird von den wenigsten Versicherern  gehoben. Nur 35 Prozent der Versicherer international und 25 Prozent der deutschen stellen ihren Vermittlern digitale Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe sie die Lebensereignisse der Versicherungsnehmer – wie Heirat, die Geburt eines Kindes oder einen Hauskauf herausfinden können. Tatsächlich sagt nur ein Viertel der Versicherer, dass die Einbeziehung externer Daten nützlich ist. Während BigTechs Echtzeitdaten mit Hilfe von Sprachassistenten, Wearables und anderen IoT-Geräten (Internet of Things) sowie interaktiven Chat-Bots erfassen, nehmen nur 38 Prozent der Versicherer international und 41 Prozent der deutschen Daten aus Echtzeit-IoT-Geräten auf.

Der World Insurance Report 2020 stützt sich auf Erkenntnisse aus der „2020 Global Insurance Voice of the Customer Survey” und den „2020 Global Insurance Executive Interviews” aus 32 Märkten. Zudem wurden im Januar und Februar 2020 rund 8.000 Versicherungskunden in 22 Ländern befragt.

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