Courtage: Was tun, wenn Kunden wegen Corona stornieren?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Corona

Gerade kleinere Maklerbüros treffen Krisen wie das Corona-Virus oft unvorbereitet. Wenn viele Kunden ihre Personenversicherungen kündigen, können Courtage-Rückforderungen den Makler in finanzielle Bedrängnis bringen. Wer jetzt mit Stundungen hilft.

Auf Makler kommt womöglich eine doppelte Last aus sinkenden Umsätzen und ansteigenden Stornierungskosten zu, die wir mit einem Stundungsprogramm abfedern wollen, sagt Maxpool-Chef Oliver Drewes. Bild: Maxpool

Seit nunmehr sieben Wochen gelten einschneidende Einschränkungen im Alltag und bei der Arbeit durch das Corona-Virus. Die meisten Makler haben sich auf die neue Situation eingestellt (procontra berichtete). Viele Versicherer unterstützen Makler indirekt mit verschiedenen Maßnahmen, damit deren Kunden nicht den Versicherungsschutz wegen Kurzarbeit aufkündigen (procontra berichtete). Das gilt auch für Pools (procontra berichtete). Besonders betroffen sind Personenversicherungen (procontra berichtete).

Doch die Lage in Maklerbüros bleibt extrem angespannt. „Bereits jetzt ist ein erheblicher Einbruch von Neuakquise zu verzeichnen, während sich diesbezügliche Liquiditätseinbußen erst in einigen Monaten bei den Vermittlern zeigen“, warnt Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Er hat in einem Brief an Angela Merkel gefordert, die Versicherungsvermittler bei den Rettungsmaßnahmen für die Wirtschaft zu berücksichtigen.

Eine BVK-Umfrage unter Mitgliedern (vorwiegend Versicherungsvertreter), an der sich über 1.600 Vermittler beteiligten, ergab: Zwei Drittel der Vermittler haben schon Umsatzeinbußen zu verzeichnen – im Schnitt fast 38 Prozent Rückgang. Von den Storni und Vertragskündigungen seien alle Sparten betroffen. Dabei verzeichnen 90 Prozent der Teilnehmer Rückgänge in den Sparten Leben und Kranken, 47 Prozent in den SHUR-Sparten und knapp 20 Prozent im Kfz-Bereich.

Kundenkontakte mehr als halbiert

Einer aktuellen Umfrage des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung von Ende April zufolge, an der sich 325 Mitglieder beteiligten, hat sich in den letzten 14 Tagen die Zahl der Kundentermine von Maklern im Schnitt um 45 Prozent verringert. Trotz moderner Video-Tools würde der Kundenkontakt zu 90 Prozent per Telefon aufrechterhalten. Mehr als 20 Prozent der Kontakte erfolgen über WhatsApp oder andere Messenger sowie 25 Prozent über E-Mail oder direkte Fahrt zum Kunden (Mehrfachnennungen erlaubt).

Als dringendste Probleme erweisen sich für die Befragten laut AfW neben Kontaktbeschränkungen und fehlenden Kundenterminen die Sorge um das eigene Einkommen sowie Sicherung und Planung der eigenen Liquidität. Von den Produktpartnern würden daher vor allem vermittlerfreundliche Stornoregeln und die Stundung von Provisions-Rückforderungen erwartet und für die Kunden naturgemäß Entgegenkommen bei Schwierigkeiten mit der Beitragszahlung.

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