Krise: DFV setzt auf Cash statt Anleihen

Martin Thaler Corona Versicherungen Top News

Das Corona-Virus sowie der gesellschaftliche Lockdown zeigen erste Auswirkungen bei den Versicherern - vor allem bei den Kapitalanlagen. Wie sich Schadenzahlungen und Neugeschäft entwickeln werden, bleibt erst einmal unklar.

Die DFV unter ihrem Gründer Dr. Stefan Knoll schichtet aufgrund der Corona-Krise seine Kapitalanlagen um.

Die DFV unter ihrem Gründer Dr. Stefan Knoll schichtet aufgrund der Corona-Krise seine Kapitalanlagen um. Bild: DFV

Eigentlich hatte sich Stefan Knoll, Gründer und Geschäftsführer der Deutschen Familienversicherung (DFV), auf diesen Termin gefreut: Schließlich galt es die laut Knoll „besten Zahlen seit Unternehmensgründung“ zu verkünden.  

Doch die wirtschaftlichen Daten zu gebuchten Bruttobeiträgen und Vertragsbestand rückten aufgrund der derzeit alles beherrschenden Corona-Krise auf der diesjährigen Bilanz-Pressekonferenz aufmerksamkeitstechnisch erst einmal ins zweite Glied. 

Denn auch das Frankfurter Unternehmen bekommt die Krise bereits zu spüren – wenn auch erst einmal vorrangig „nur“ bei den Kapitalanlagen. Die sich auf Talfahrt befindenden Kapitalmärkte haben das Unternehmen dazu veranlasst, seine Cash-Positionen zu erhöhen. Italienische und spanische Staatsanleihen wurden hingegen verkauft. „Das ist Teil einer Überlebensstrategie, mit der wir uns mehr Beweglichkeit für die Zukunft verschaffen“, erklärte Knoll. Unternehmensanleihen, in die die DFV investiert hat, sollen hingegen weiter gehalten werden, da mit diesen weiterhin Zinsen zu erwirtschaften seien. „Man braucht hier aber teilweise starke Nerven“, gestand Knoll ein.  

Keine Eintrübung beim Neugeschäft

Erhöhte Schadenszahlen sind indes bislang nicht feststellbar – wie sich das Leistungsverhalten der Kunden in der nahen Zukunft entwickeln werde, sei derzeit nicht abzuschätzen. Auch beim Neugeschäft gibt es bislang keine Eintrübungen. „Grund hierfür ist, dass unser Vertrieb zu 80 Prozent online-basiert stattfindet“, erläuterte Knoll – auch in Zeiten von „social distancing“ funktioniert der Vertrieb somit weiterhin. Mittelfristig kann aber auch Knoll keine Eintrübungen beim Neugeschäft ausschließen: „Bei andauernder Krise kann keiner sagen, ob die Menschen nicht andere Prioritäten haben als Versicherungen zu kaufen“, so Knoll.  

Die Krisenpolitik der Bundesregierung bewertete der DFV-Chef kritisch: Anstatt die Volkswirtschaft durch die weitreichenden Maßnahmen einem hohen Risiko auszusetzen, sollte die Bundesregierung besser dafür sorgen, Risikogruppen wie besonders alte Menschen oder solche mit Vorerkrankungen vor Ansteckungen zu bewahren. Denkbar sei in diesem Zusammenhang beispielsweise eine Ausgangssperre für Menschen über 70 Jahren, schlug Knoll vor.  

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