Anlageberatung: Das sind die 6 DIN-Normen für Finanzberater

Hannah Petersohn Berater

Normen sollen den Alltag erleichtern, Prozesse vereinfachen und für Qualität sorgen. Das gilt auch in der Finanzberatung. Doch welche DIN-Standards gibt es überhaupt?

Diese 6 DIN-Normen gibt es für Finanzberater Bild: FluxFactory

Um ein bestmögliches Ergebnis zu erhalten, ist es manchmal notwendig, eine Norm anzuwenden. Für Finanzberater gibt es aktuell 6 DIN-Normen, die sie beachten sollten. Bild: FluxFactory

Die Deutschen sind Meister, wenn es darum geht, unoriginellen Inhalten einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Zumindest wenn man bedenkt, dass wir für nicht uninteressante Begebenheiten mit „08/15“ sogar eine eigene Redewendung haben. Dazu muss man wissen: „08/15“ hieß ein Maschinengewehr, mit dem Soldaten im Ersten Weltkrieg kämpften. Weil es 1908 gebaut und 1915 weiterentwickelt wurde, kam es zu seinem Namen „08/15“. Und weil Soldaten die Bedienung des Gewehrs wieder und wieder trainieren mussten, um es im Schlaf zu beherrschen, wurde aus dem Namen der Waffe ein geflügeltes Wort, das eintönige Handlungen beschreibt.

Da nun aber so ein Maschinengewehr aus vielen Einzelteilen besteht und schnell Fehler beim Zusammenbau entstehen können, mussten sich Waffenfabrikanten an bestimmte Normen halten. Im Zuge dessen wurde 1917 der damalige Normenausschuss der Deutschen Industrie gegründet, aus dem letztlich das Deutsche Institut für Normung (DIN) hervorging. Das Institut, ein eingetragener Verein, finanziert sich heute unter anderem durch den Verkauf der Normen.

Der genormte Alltag

Mittlerweile gibt es rund 34.000 Normen, von denen das bekanntestes wohl die DIN A4 ist. „Ob Kegelstift oder Babyschnuller, Treppe oder Schraube, Leiter oder Zahnbürste - fast nichts in unserem Alltag ist nicht von Normen erfasst“, erklärt das Institut.

Vielleicht weniger bekannt, aber dennoch relevant sind die Standards für die Finanzberatung. Sie sollen die Prozesse innerhalb einer Finanzberatung vereinheitlichen und die Qualität der Beratung sichernd. Jeder kann einen Antrag auf Normung stellen, alle Interessierten können sich dann an dem Thema beteiligen: „Vor der Verabschiedung werden die Norm-Entwürfe öffentlich gemacht und zur Diskussion gestellt“, so das DIN. Nach spätestens fünf Jahren wird eine Norm erneut überprüft.

Wann eine Norm verpflichtend ist

Gerade erst hat das in Berlin ansässige Institut einen neuen Finanzberatungsstandard veröffentlicht, die DIN SPEC 77223 zur „Risikoprofilierung von Privatanlegern unter Berücksichtigung ihrer Vermögen- und Einkommenssituation“. Wenngleich es sich "nur" um einen Standard und nicht um eine Norm handelt, die etwas anderen Regeln unterliegt, sollten Berater sie kennen.

Aber sind Finanzanlageberater überhaupt dazu verpflichtet, die DIN-Normen anzuwenden? „Die Anwendung von Normen ist grundsätzlich freiwillig und wird nur bindend, wenn diese in Gesetzen zitiert werden, oder Bestandteil von Verträgen sind“, erklärt Josefine Sult, Teamkoordinatorin DIN-Normenausschuss Dienstleistungen (NADL). Allerdings gilt auch: Wer sich an die DIN-Normen hält, der kann im Falle einer Haftung sein „ordnungsgemäßes Verhalten einfacher nachweisen“, erklärt das Institut auf seiner Website.

Bevor eine Norm veröffentlich wird, können Einzelpersonen, Unternehmen oder Verbände an den Entwürfen mitwirken. „Prinzipiell veröffentlichen wir aus Datenschutzgründen keine Liste von Unternehmen oder Personen, die in Normungsgremien mitwirken“, so Sult. Nur im Falle der DIN 77230/A, einer Norm zur Nachhaltigkeitsabfrage, die erst kürzlich veröffentlicht wurde, war das anders (die Liste der Beteiligten findet sich hier).

Finanzberater, die eine Norm anwenden möchte, können sie über die Website des Beuth Verlags beziehen. Und: Nicht jede Norm ist kostenpflichtig! Welche Normen es überhaupt gibt und welche davon sogar kostenfrei zu bekommen ist, zeigen wir Ihnen in unserer Bilderstrecke.

Diese 6 DIN-Normen gibt es für Finanzberater

DIN SPEC 77223: Risikoprofilierung von Privatanlegern
Die DIN SPEC 77223 soll dazu führen, dass private Anleger sich der Risiken bewusst sind, die mit einem Investment verbunden sein könnten. Der Standard firmiert unter dem Namen: „Risikoprofilierung von Privatanlegern unter Berücksichtigung ihrer Vermögen- und Einkommenssituation“ und soll Finanzberater dabei unterstützen, das finanzielle Risiko auf Kundenseite besser einschätzen zu können. Auf dieser Grundlage können Berater dann Investments entsprechend dem jeweiligen finanziellen Spielraum der Kunden empfehlen. Kurz: Kunden sollen wissen, mit welchen Folgen ein Investment für sie verbunden ist. Nähere Informationen finden sich hier: https://www.beuth.de/de/norm/din-77223/354206536 Bild: Alex Secret