ESG-Integrationsstudie: Das sind die 10 „grünsten“ Vermögensverwalter

Hannah Petersohn Investmentfonds Top News

Grüne Investments boomen. Dabei ist Anlegern nicht nur wichtig, dass die Finanzprodukte ESG-konform sind, sondern auch, dass die Unternehmen selbst nachhaltige Aspekte berücksichtigen. Wie stark sich das Thema Nachhaltigkeit durch die Gesellschaften tatsächlich zieht, zeigt eine aktuelle Studie.

Bild: HalloJulie

Die Rating-Agentur Scope hat Berichte der Vereinten Nationen ausgewertet, in denen Asset Manager Auskunft über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen geben. Bild: HalloJulie

Die Verunsicherung unter Anlegern, die „grün“ investieren wollen, ist groß: Schließlich jagt ein Greenwashing-Vorwurf den nächsten. Zuletzt wurden auch noch die Büroräume des Vermögensverwalters DWS, einer Tochter der Deutschen Bank, durchsucht. 50 Ermittler waren bei der Razzia im Einsatz. Der Anfangsverdacht lautet auf Kapitalanlagebetrug: Das Unternehmen habe es mit der Darstellung seines nachhaltigen Bestrebens wohl etwas übertrieben und ESG-Finanzprodukte grüner verkauft, als sie es tatsächlich waren. Einen Tag später musste DWS-Chef Asoka Wöhrmann schließlich seinen Hut nehmen.

Zur Wahrheit und damit Ehrenrettung der Asset Manager gehört allerdings auch, dass die Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs schlicht außerordentlich wässrig ist und selbst die Regularien nicht immer ganz eindeutig sind. Es hakt also auch im System selbst. „Es gibt keine harte Grenze“, kritisierte entsprechend die Finanzberaterin Renate Fritz im Gespräch mit procontra die aktuelle Situation.

Da die Nachfrage nach „grünen“ Investements dennoch ungebrochen ist und mit der Nachfrage auch das Angebot zunimmt, steigt die Relevanz unabhängiger Stellen, die mit Öko-Siegeln auf Produktebene grüne Qualität gewährleisten. Doch auch die Vermögensverwalter selbst werden genauer unter die Lupe genommen, um Anlegern eine Orientierungshilfe an die Hand zu geben.

42 Asset Manager, 44 Billionen Euro verwaltetes Vermögen

Vor diesem Hintergrund hat die Rating-Agentur Scope Berichte der Vereinten Nationen ausgewertet, in denen die Asset Manager Auskunft über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen geben. Vermögensverwalter, die sich der UN-Initiative „Principles for Responsible Investment (PRI)“ verpflichtet haben, berichten jedes Jahr über ihre Bemühungen im Bereich verantwortungsvolles Investieren. Die Scope-Analysten wollten nun anhand dieser Berichte herausfinden, wie weit Asset Manager ESG-Aspekte in ihre Prozesse integriert haben.

Dafür haben sie sich die Angaben von 30 großen internationalen und zwölf großen deutschen Fondsgesellschaften angesehen, die zusammen 44 Billionen Euro verwalten.

Insgesamt 58 Themenkomplexe haben die Studienautoren für das Ranking in den Blick genommen: über den Investmentprozess und die Unternehmensführung bis zur Einflussnahme auf Portfolio-Unternehmen, um diese zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen.

Die Analysten konzentrierten sich auf Fragen wie: Wie werden ESG-Informationen typischerweise im Rahmen Ihres Anlageprozesses verwendet? Welcher Anteil ihres aktiv verwalteten Aktienportfolios wird im Rahmen Ihrer ESG-Screening-Strategie einem umfassenden ESG-Research unterzogen? Überwachen und/oder überprüfen Sie die Ergebnisse Ihres Engagements?

Haben Vermögensverwalter bestimmte Fragen im UN-PRI-Bericht unbeantwortet gelassen, haben die Analysten zusätzlich Websites, Broschüren und anderen Informationsmaterialien der Fondsanbieter gesichtet.

Zu hohe Anforderungen

Je mehr Nachhaltigkeitsaspekte ein Asset Manager berücksichtigt, desto höher fällt die Punktzahl aus. Ein vorläufiges Fazit: Die Vermögensverwalter sind mit ihren Bemühungen, ihr Geschäft entlang nachhaltiger Aspekte umzubauen, unterschiedlich weit gekommen.

Eine makellose ESG-Integration gelinge jedoch keinem Anbieter. Der Grund, den die Analysten durchaus selbstkritisch ins Feld führen, liege in den gesetzten Anforderungen – sie  seien schlicht zu hoch. Dennoch kristallisieren sich Vorreiter und Nachzügler heraus. Anleger, die auf der Suche nach Fondshäusern mit hohem ESG-Bemühen sind, kann die Rangliste bei ihrer Anbieterwahl also dennoch eine Hilfestellung geben.

Das sind die 10 „grünsten“ Vermögensverwalter

Platz 10: Franklin Templeton Investment
Der kalifornische Vermögensverwalter, mit einem Fondsvolumen von circa 1.309 Milliarden Euro (Scope), bildet das Schlusslicht in der Top-10-Liste der Asset Manager mit hoher ESG-Integration. Nur 71 Punkte konnte der Anbieter, der 1947 gegründet wurde, erreichen. Dennoch anerkennen die Analysten eine „klar differenzierte und etablierte ESG-Integrationsmethodik pro Anlageklasse und -instrument, die von den Investmentteams mitentwickelt und angewendet wird“. Bild: Wiki Commons