Hausrat, Unfall, Kfz: 6 kuriose Schadenfälle und ihr Ausgang

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Ist ein Kanu ein versichertes Sportgerät und ist Ballspielen auf Reha gefährlicher als zuhause? Diese und andere kuriose Fragen musste der Versicherungsombudsmann im vergangenen Jahr während der Schlichtung von Schadenfällen beantworten.

Hausrat, Unfall, Kfz: 6 kuriose Schadenfälle und ihr Ausgang Bild: Adobe Stock/zaschnaus

Auch im vergangenen Jahr musste der Versicherungsombudsmann in kuriosen Schadenfällen zwischen Kunden und Versicherungsunternehmen schlichten. Bild: Adobe Stock/zaschnaus

Immer wieder kommt es zwischen Versicherern und ihren Kunden zu Konflikten – meistens im Schadenfall. Wenn die Versicherungsnehmer sauer sind, weil die Unternehmen nicht oder nur teilweise bezahlen wollen, können sie sich seit 2001 kostenlose Hilfe beim Versicherungsombudsmann holen. Die Schlichtungsstelle prüft dann die Anträge der Verbraucher juristisch und versucht, zwischen ihnen und dem Versicherer zu vermitteln. Auch für Beschwerden über Versicherungsunternehmen oder Vermittler ist der Ombudsmann zuständig.

Natürlich kommt es auch vor, dass die Schlichtungsstelle keinen Anspruch bei einem Kunden sieht. Diese Einschätzung ist in den meisten Fällen auch eine stichhaltige Prognose, sollte sich der Verbraucher dennoch für den Klageweg entscheiden. Andersherum kann der Ombudsmann Versicherer bis zu einer Schadenhöhe von 10.000 Euro zur Leistung verpflichten und bis zu einem Betrag von 100.000 Euro rechtlich fundierte Empfehlungen aussprechen.

In seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht gibt der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht und heutige Versicherungsombudsmann, Dr. Wilhelm Schluckebier, Einblick in einige seiner Schlichtungsfälle aus dem Jahr 2021. Dabei handelt es sich ganz überwiegend nicht um Standardvorgänge aus dem Berufsalltag. Einige seiner kuriosesten und teilweise auch kniffligsten Schadenfälle aus den Bereichen Hausrat-, Unfall- und Kfz-Versicherung haben wir in der untenstehenden Bilderstrecke zusammengestellt.

6 kuriose Schadenfälle: Versichert oder nicht?

Hausrat: Kinderwagen, Schlitten oder Fahrradanhänger?
Ein Kinderwagen wurde aus dem Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses gestohlen. Der einfache Diebstahl von Kinderwägen war zwar mitversichert, allerdings zweifelte der Versicherer an, dass es sich bei dem Gefährt um einen Kinderwagen oder Buggy handelte. Denn laut Hersteller konnte dieser auch als Fahrradanhänger dienen und sogar mit ein paar Handgriffen zum Schlitten umfunktioniert werden. Ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer würde den Kinderwagen als Fahrradanhänger bezeichnen, was seiner Basisfunktion entspreche, argumentierte der Versicherer. Der Versicherungsnehmer hingegen sagte, dass er das Gefährt bis zum Diebstahl ausschließlich als Buggy genutzt habe, da sein Kind bis dahin noch zu klein für den Transport im Fahrradanhänger gewesen sei. Auch zum Zeitpunkt des Diebstahls sei dieser zum Kinderwagen umgebaut gewesen. Diese Aspekte befand auch der Ombudsmann als entscheidend. Ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer würde den Buggy so bezeichnen, wie er zum Entwendungszeitpunkt genutzt wurde. Würde er in seiner Funktion als Schlitten entwendet, so würde auch niemand den Verlust eines Fahrradanhängers melden, so Schluckebier. Infolge dieser Einschätzung übernahm der Hausratversicherer den Schaden. In einem ähnlichen Fall im Jahr 2016 war eine Versicherungsnehmerin hingegen leistungsfrei geblieben, da sie den Buggy zum Zeitpunkt des Diebstahls als Fahrradanhänger verwendet hatte. Bild: Adobe Stock/stefanasal