Diese Wohngebäudeversicherer kommen nicht aus der Verlustzone

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Die Wohngebäudeversicherung bietet existenziellen Schutz. Jedoch machen viele Anbieter damit Verlust. Auf Sechsjahressicht mussten 21 der 50 größten Wohngebäudeversicherer eine Schadenkostenquote von mehr als 100 Prozent ausweisen.

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Ob durch Brände, Überschwemmungen oder Leitungswasser-Schäden – die Wohngebäudeversicherung ist für viele Anbieter offenbar ein Fass ohne Boden. Bild: Adobe Stock/Backdraft007

Wer ein eigenes Haus besitzt, sollte unbedingt eine Wohngebäudeversicherung abschließen. In erster Linie wegen dem Feuerrisiko. Denn wenn ein Brand die - für die meisten Menschen - größte finanzielle Anschaffung ihres Lebens vernichtet, droht fast immer der Ruin.

Mit dieser existenziellen Form der Absicherung macht die Versicherungsbranche allerdings auf lange Sicht Verlust. Ein Blick in die Statistiken des GDV verrät, dass die Combined Ratio der Wohngebäudeversicherer im Schnitt der vergangenen 21 Jahre über 100 Prozent liegt (107,4 Prozent). Erst im Jahr 2016 konnten die Anbieter erstmals seit 2001 wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Seitdem wurden die Bestände zunehmend saniert, so dass sich die Sparte mittlerweile um die 95 Prozent eingependelt hat.

Hohe Gewinne ärgern Kunden

So ein Durchschnitt setzt sich naturgemäß aus Zahlen zusammen, die deutlich darüber und darunter liegen. Einerseits dürfte es für die Kunden nicht erstrebenswert sein, für ihre Wohngebäudeversicherung langfristig deutlich mehr Beitrag zu bezahlen, als der Versicherer zur Deckung seiner Schaden- und Betriebsaufwendungen benötigt. Beispielsweise lag die Combined Ratio der Bayerischen Landesbrandversicherung AG im Durchschnitt der Geschäftsjahre 2015 bis einschließlich 2020 bei 76,9 Prozent. Mit jedem verdienten Beitragseuro machte das Münchener Unternehmen somit 23 Cent Gewinn – das waren etwa 40 Millionen Euro pro Jahr.

Auf der anderen Seite ist es unerfreulich für die Anbieter, die Jahr für Jahr Verlust mit der Wohngebäudeversicherung einfahren. Wenn die Beiträge zu niedrig angesetzt sind, führt das bei den Kunden zu einer falschen Wahrnehmung, was der Versicherungsschutz wert ist. Zugleich droht solchen Anbietern, die ihre Bestände nicht durch Reparaturvorgaben oder höhere Selbstbeteiligungen sanieren, die Gefahr, zum Sammelbecken für schlechte Risiken zu werden – ein Teufelskreis.

4 von 10 Anbietern machen dauerhaft Verlust

Die Gruppe der dauerhaft defizitären Anbieter ist groß. Von den 50 größten Wohngebäudeversicherern auf dem deutschen Markt (95 Prozent Marktabdeckung nach Prämieneinnahmen) weisen 21 Unternehmen im Durchschnitt der Geschäftsjahre 2015 bis einschließlich 2020 eine Combined Ration von mehr als 100 Prozent aus. Das geht aus dem „Branchenmonitor Wohngebäudeversicherung“ der V.E.R.S. Leipzig GmbH hervor.

Während sich bei einigen Unternehmen Gewinn- und Verlustjahre abwechseln, stecken andere konstant in den roten Zahlen. Bei wieder anderen verhageln einzelne schwere Verlustjahre aufgrund von sehr hohen Schadenaufkommen langfristig den Durchschnitt. Im Sechs-Jahres-Schnitt weisen zehn Wohngebäudeversicherer eine Combined Ratio von mehr als 105 Prozent aus. Diese haben wir in der untenstehenden Bilderstrecke zusammengetragen.

Die unprofitabelsten Wohngebäudeversicherer

Bayerische Allgemeine (105,33 Prozent)
Die Bayerische Allgemeine Versicherung AG (Die Bayerische) kam im Durchschnitt der Geschäftsjahre 2015 bis einschließlich 2020 auf eine Combined Ratio von 105,33 Prozent in der Wohngebäudeversicherung. Mit Beitragseinnahmen in Höhe von 28 Millionen Euro war sie im Jahr 2020 der 43.-größte Anbieter auf dem deutschen Markt. Bild: GDV