Geldanlage 2022: Was Experten raten

Anne Mareile Walter Investmentfonds

Inflation und Niedrigzinsen begleiten Anleger auch dieses Jahr. Ebenso wie die Notwendigkeit eines zusätzlichen Vermögensaufbaus für die Rente. Doch wie geht's 2022 weiter und welche Assets versprechen die nötigen Ertragschancen?

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An Aktien führt auch 2022 kein Weg vorbei: Finanzexperten raten unter anderem zu Investments in Künstliche Intelligenz. Bild: Adobe Stock/ipopba

procontra hat renommierte Finanzberater nach ihren Investment-Tipps für 2022 befragt. Heute startet der erste Teil der Serie mit dem Themenschwerpunkt: Empfehlungen für Privatanleger.

Aktien liegen im Trend, der weiter durch niedrige Zinsen und ungewisse Inflationsentwicklung befeuert wird. Erst kürzlich veröffentlichte die Consorsbank Zahlen, wonach vergangenen Jahres über 11 Prozent mehr Kunden mindestens einen Aktienkauf oder -verkauf getätigt hatten als im Jahr zuvor.

Parallel setzen immer mehr Menschen auf die eigenen vier Wände - als Geldanlage und Altersvorsorge. Doch worauf sollten Privatanleger im neuen Jahr ihr Augenmerk richten? Welche Investments sind 2022 besonders vielversprechend? Diese Frage haben für procontra vier Finanzexperten beantwortet.

procontra: Inflation, Niedrigzinsen, steigende Immobilienpreise: Was sind Ihre bevorzugten Anlagetipps für 2022?

Johannes Müller, Head of Macro Research bei der DWS: An Aktien wird auch 2022 kein Weg vorbeiführen, egal wie abgedroschen die Formel auch klingen mag. Aber wir befinden uns immer noch in einem Niedrigzinsumfeld mit real sogar negativen Zinsen in vielen Industrieländern. Dazu kommen die derzeitigen Inflationsspitzen und der Ausblick auf eine weniger expansive Geldpolitik. Auch diese zwei Faktoren sprechen eher für Aktien als für Anleihen, insbesondere Staatsanleihen.

Bei Aktien fahren wir nach wie vor eine zweigleisige Strategie und setzen einerseits auf ausgesuchte Wachstumswerte, vor allem aus dem Technologie- und Gesundheitssektor, und andererseits auf zyklische Substanzwerte. Unter Letzteres fallen vor allem Industriewerte, die von der absehbaren Investitionsoffensive in nachhaltige Energien oder von der weiteren Digitalisierung profitieren. Bei Immobilien setzen wir auf nachhaltigen, günstigen Wohnungsbau in der Nähe von attraktiven Metropolen und innerstädtische Logistikangebote.

Dr. Hans-Jörg Naumer, Leiter Global Capital Markets, Allianz Global Investors: Die Inflationsraten dürften zwar langsam ihr Top gesehen haben und über das erste Quartal hin niedriger ausfallen, trotzdem müssen sich Anleger zukünftig auf höhere Raten einstellen. Nicht zuletzt wegen des übermäßigen Wachstums der Geldmenge, struktureller Faktoren wie beispielsweise der Deglobalisierung, der Alterung der Gesellschaften und des Kampfs gegen den Klimawandel. Dieses Thema wird uns noch länger begleiten.

Auch Negativzinsen sind nächstes Jahr immer noch nicht vom Tisch. Die Europäische Zentralbank nimmt es da sehr gemütlich und führt lediglich ihr Corona-bedingtes Anleihekaufprogramm zu Ende. Mehr ist kaum zu erwarten. Negative Zinsen, üppige Liquidität, erhöhte Inflationsraten – da dürfte ich bei Sachwerten gut aufgehoben sein. Dazu zähle ich zuallererst Aktien. Bei Immobilien sind mir nicht nur die politischen Risiken zu hoch.

Bei Aktien gefällt mir zum Beispiel alles rund um künstliche Intelligenz sehr gut. KI ist eine der Schlüsseltechnologien gegen den Klimawandel. Überhaupt dürfte das thematische Investieren spannend bleiben. Demographie, Digitalisierung, Urbanisierung – viele spannende Themen, die alle von langfristigen Trends abhängen.

Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank: Wir erwarten im Jahresverlauf 2022 einen Rückgang der aktuell hohen Inflationsrate. Sie dürfte sich aber auf einem Niveau einpendeln, das deutlich über dem Vor-Krisen-Bereich liegt. Ein breit gestreuter Wertpapiermix über Anleihen, Aktien, Immobilienanlagen und Rohstoffe liefert auf mittlere Sicht den besten Schutz gegen einen moderaten Anstieg der Inflation.

Dabei gilt es – entsprechend der eigenen Risikopräferenz – den Anlageschwerpunkt  im offensiven Bereich, also bei Aktien und Rohstoffen, oder im defensiven Bereich, bei Anleihen und Immobilien, zu wählen. Durch die Omikron-Mutante hat es ein paar kräftigere Kurskorrekturen gegeben. Entsprechend raten wir Anlegern dazu, das neue Jahr mit einem „Übergewicht“ bei Aktien zu starten. Essenzieller Depotbaustein sind Megatrends wie Mobilitätslösungen der Zukunft, künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit. Auch Direktbeteiligungen in erneuerbare Energien sind sinnvoll.

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch: Ich rate zu Aktien von guten Unternehmen. Das gilt nicht nur für 2022, sondern für die kommenden Jahre, also langfristig. Denn Kalenderjahre sind kein geeigneter Anker, um eine sinnvolle Anlagestrategie zu formulieren.

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Johannes Müller, DWS
"Wir empfehlen diese Anlageklasse weiterhin. Immobilien sind immer noch attraktiver als negativ verzinstes Bargeld." Bild: DWS