Anlage-Tipps 2022: Schützt Gold vor Rekord-Inflation?

Anne Mareile Walter Investmentfonds

Kaufkraft-Erhalt trotz Inflationshoch: Investments in Gold sind ein jahrhundertealter Wertspeicher und gewinnen bei vielen Anlegern aktuell wieder an Bedeutung. Doch worauf ist im neuen Jahr beim Investieren zu achten? Und unter welchen Voraussetzungen macht das Anlegen in das preislich stark schwankende Edelmetall Sinn?

Gold Bild: Adobe Stock/Couperfield

Die Goldpreise schwanken mitunter kräftig: In den vergangenen sechs Monaten kletterten sie um rund fünf Prozent, seit Anfang Januar fiel der Preis um 1,38 Prozent. Bild: Adobe Stock/Couperfield

procontra hat renommierte Finanzberater nach ihren Investment-Tipps für 2022 befragt. Der dritte und letzte Teil der Serie hat den Themenschwerpunkt: Empfehlungen für Gold-Investments.

Rund 51 Euro kostet aktuell (Stand: 06.01.2022, 13 Uhr) ein Gramm Gold - um rund fünf Prozent legte der Preis für das Edelmetall in den vergangenen sechs Monaten zu. Finanzexperten von Stiftung Warentest empfehlen Gold als Ergänzung der eigenen Vermögensanlage und finden einen Depotanteil von fünf bis zehn Prozent akzeptabel. Seit jeher hat das Edelmetall den Ruf, den Wert des Vermögens gerade in Zeiten hoher Inflation zu erhalten. Doch ist Gold tatsächlich ein geeigneter Schutz vor dem momentanen Inflationshoch oder sollten Anleger im neuen Jahr eher auf andere Sachwerte oder Aktien setzen? Diese Frage haben für procontra vier Finanzexperten beantwortet. 

Procontra: Wie sinnvoll ist es, in Zeiten einer Rekord-Inflation auf Gold-Investments zu setzen?

Johannes Müller, Head of Macro Research bei der DWS: Wie bei den meisten anderen Anlageklassen hängt auch bei Gold die Preisentwicklung nicht nur von einem Faktor ab. Würde man isoliert nur auf die Inflationsraten gucken, wäre Gold derzeit sicherlich keine schlechte Wahl. Wenn gleichzeitig aber auch die Realrenditen steigen, ist das wiederum dem Goldpreis weniger zuträglich. Daneben ist natürlich das Nachfrageverhalten von privaten Endverkäufern oder Zentralbanken ein wichtiger Preisfaktor. Aber es ist durchaus nachvollziehbar, wenn sich Privatanleger mit einer kleinen Portion Gold im Portfolio etwas sicherer fühlen.

Hans-Jörg Naumer, Leiter Global Capital Markets, Allianz Global Investors: Historisch betrachtet hat Gold sich in Zeiten höherer Inflationsraten immer gut geschlagen. Auf sehr lange Sicht hat es Kaufkrafterhalt gebracht. Aber eben auch nur Kaufkrafterhalt – und damit einen dicken Ertragsrückstand gegenüber zum Beispiel Aktien. Bei aller Furcht vor der Inflation ist es interessant, was unsere Berechnungen zeigen: Aktien haben sich in Phasen mit Inflationsraten bis sechs Prozent – was weit oberhalb dessen ist, was wir an Inflation erwarten – seit den 70er Jahren sehr gut geschlagen. Besser als Gold.

Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank: Gold, Silber & Co. haben nach dem phänomenalen Jahr 2020 in den vergangenen Monaten eine Atempause eingelegt. Und das, obwohl viele Anleger angesichts steigender Inflationsraten deutlich mehr von den Edelmetallen erwartet haben. Schaut man sich die historischen Preistreiber für Gold im Detail an, fällt auf, dass kurzfristig steigende Inflationsraten nur selten Eindruck machen. Der Goldpreis reagiert vielmehr auf die Entwicklung des langfristigen Realzinses. Hier erwarten wir 2022 eine spürbare Verschärfung – sprich: negativere Realzinsen. Denn die langfristigen Inflationserwartungen dürften trotz der kurzfristig rückläufigen Teuerungsraten deutlich zulegen, während die langfristigen Zinsen moderater ansteigen sollten. Entsprechend gehen wir für 2022 von einem steigenden Goldpreis aus. Die Marke von 2.000 US-Dollar könnte dabei wieder ins Visier genommen werden.

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch: Gold ist für uns wie eine Versicherung gegen die Risiken des Finanzsystems – und sollte deshalb ohnehin fester Bestandteil eines breit aufgestellten Vermögens sein. Es hat zudem über Jahrtausende bewiesen, dass es ein guter Wertspeicher ist, also langfristig die Kaufkraft erhält. Zwei Dinge sind dabei wichtig: zum einen das Wörtchen „langfristig“. Denn kurzfristig schützt Gold eben nicht zwingend vor Inflation; der Preis schwankt mitunter kräftig. Zum anderen die Erwartungshaltung: Vielmehr als einen Inflationsausgleich sollten sich Anleger langfristig von ihrem Gold-Investment nicht erhoffen. In einer Welt ohne Zinsen ist das aber gar nicht schlecht. Und, nicht zu vergessen: Man ist „feuerversichert“. Mehr als zehn Prozent sollte der Goldanteil eines Vermögens aber nicht ausmachen.

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Johannes Müller, DWS
"Es ist durchaus nachvollziehbar, wenn sich Privatanleger mit einer kleinen Portion Gold im Portfolio etwas sicherer fühlen." Bild: DWS