Preiskampf der BU-Versicherer: Was Makler kritisieren

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Preis-Dumping bei Akademikern zu Lasten von Handwerkern, Unterkalkulation und Risikoentmischung – viele BU-Versicherer sind in der Kritik. Wie Makler damit in ihrer Beratung umgehen sollten, haben wir spezialisierte BU-Berater gefragt.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Beim Kampf um die risikoärmsten Kunden setzen einige Anbieter auf immer niedrigere Beiträge. Das geht zu Lasten anderer Berufsgruppen und wirkt sich auch auf die BU-Beratung der Makler aus. Bild: Adobe Stock/cyrano

Berufsunfähigkeitsversicherung: Beim Kampf um die risikoärmsten Kunden setzen einige Anbieter auf immer niedrigere Beiträge. Das geht zu Lasten anderer Berufsgruppen und wirkt sich auch auf die BU-Beratung der Makler aus. Bild: Adobe Stock/cyrano

In der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hat sich in den letzten Jahren ein gefährlicher Preiskampf entwickelt, meint man bei der Ratingagentur Franke und Bornberg. Im aktuellen BU-Stabilitätsrating des map-reports, den das Analysehaus herausgibt, heißt es: „Stabilität bedeutet auch Vertrauen. Im Umkehrschluss gefährdet Instabilität das Vertrauen. Also muss es gelingen, Stabilität statt Preis an die erste Stelle bei der Produktauswahl zu setzen.“

Konkret kritisieren die auf Arbeitskraftabsicherung spezialisierten Analysten verhältnismäßig hohe und schnelle Beitragsanpassungen beziehungsweise Erhöhungen des Zahlbeitrags. Diese würden daher rühren, dass einige Versicherer mit immer niedrigeren Beiträgen auf Jagd nach jungen, gesunden Akademikern gingen. Die Analysten sprechen von Unterkalkulation im Neugeschäft, die der Bestand ausbaden müsse. Zudem würden sich die Bestände entmischen, da gute Risiken zu günstigeren Anbietern wechseln würden. Zurück blieben Berufsgruppen mit höherem Risiko und Beitrag.

Wenn Stabilität Vertrauen bedeutet, dann bringt ein solcher Preiskampf auf jeden Fall Konfliktpotenzial mit sich. Unerwartete Beitragserhöhungen ärgern die Kunden und die Jagd nach dem günstigsten Preis sollte bei einer so wichtigen Absicherung wie der BU nicht das alles dominierende Thema sein. Diese Rahmenbedingungen sind es aber, die Makler bei ihrer Beratung berücksichtigen müssen. Wir haben einige spezialisierte BU-Makler gefragt, welche Problem sie gegenwärtig bei der Preispolitik der Anbieter sehen und wie sie damit bei der Beratung umgehen.

Preiskampf der BU-Versicherer: Was Makler kritisieren

Tobias Bierl
„Für die Berufe mit anscheinend wenig Risiken sind die Beiträge gefühlt auf einem Niveau, wo man sich fragen muss, ob sich das alles ausfinanziert. Zudem werden das Kleingedruckte und vor allem auch die Nachversicherungsgarantien immer kundenfreundlicher. Kranke Versicherte werden eher die Beitragsdynamik/Nachversicherungsgarantie ziehen als gesunde. Außerdem werben manche Gesellschaften mit stark vereinfachten Gesundheitsfragen in der Zielgruppe der Akademiker – dass kann sich ggf. auch negativ auf das Kollektiv auswirken. Dies sprechen wir auch immer wieder an und erklären jedem Kunden eindeutig, dass der aktuelle Blick auf den Netto-, aber auch Bruttobeitrag (Stichwort: Verzicht auf § 163) wenig bringt. Wie die Kalkulation aus dem Ruder laufen kann, hat man leider am Beispiel der WWK 2016 und insbesondere 2018 gesehen. Grundsätzlich beraten wir aber eh nicht über den Preis, sondern zuerst natürlich über die Annahmequote nach erfolgter anonymer Risikovoranfrage und danach über das Kleingedruckte, sprich die Vertragsbedingungen. Hier kommt dann durchaus zur Sprache, weshalb wir manche Versicherungsgesellschaft nicht empfehlen, obwohl diese auf den ersten Blick ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis beinhaltet. Wir haben nämlich große Bedenken aufgrund der langfristigen Beitragsstabilität und Finanzstärke des Unternehmens." Bild: Bierl