Coronavirus: Wer haftet bei Betriebsunterbrechung?

Berater Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Der Automobilzulieferer Webasto hat wegen des Coronavirus seinen Hauptsitz geschlossen. Anderen Unternehmen könnte es bald genauso ergehen. Zahlt dann die Betriebsunterbrechungsversicherung für den Umsatzausfall?

Der Hauptsitz des Automobilzulieferers Webasto im bayerischen Stockdorf bleibt aufgrund des Coronavirus noch mindestens bis zum 2. Februar geschlossen.

Der Hauptsitz des Automobilzulieferers Webasto im bayerischen Stockdorf bleibt aufgrund des Coronavirus noch mindestens bis zum 2. Februar geschlossen. Bild: Webasto

Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Mittlerweile gibt es 4 nachgewiesene Erkrankungen. Die Infizierten stammen allesamt aus Bayern und sind Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto. Dieser hat nun seinen Hauptsitz in Stockdorf bei München mindestens bis zum 2. Februar geschlossen, um die übrige Belegschaft so gut wie möglich vor einer Ansteckung zu schützen.

Auch wenn teilweise im Homeoffice weitergearbeitet werden kann, sind Betriebsschließungen quasi immer mit Umsatzeinbußen verbunden. Solche Schäden können über eine Betriebsunterbrechungsversicherung (BU) ausgeglichen werden. Deren Bedingungen setzen aber in den allermeisten Fällen einen Sachschaden voraus, der für die Betriebsunterbrechung ursächlich ist. Also zum Beispiel ein Feuer, das Rohstoffe oder eine Fertigungshalle beschädigt, die aber für den Betriebsablauf notwendig sind.

Kein Sachschaden, keine Betriebsunterbrechung

Im Falle des Coronavirus liegt ein solcher Sachschaden nicht vor, da Erkrankungen beziehungsweise Pandemien nicht zu den versicherten Gefahren gehören. Auch in den unbenannten Gefahren können sie nicht enthalten sein, denn diese beschreiben nur Umstände, die zwar vertraglich nicht genannt sind, letztendlich aber einen Sachschaden ausgelöst haben. Ein solcher liegt aber im Falle von Viruserkrankungen nicht vor – auch wenn es in der Folge die einzig richtige Entscheidung ist, den Betrieb zeitweise zu schließen.

Firmen, die ihre Standorte aufgrund von nachgewiesenen Coronavirus-Fällen oder aufgrund von Verdachtsfällen schließen, können also nicht mit einem Ausgleich von Umsatzeinbußen über ihre BU-Police rechnen.

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Feuer
Feuer gilt in der Sachversicherung generell als größte Gefahr. Nichts ist so zerstörerisch wie Flammen und Hitze. Schnell können große Teile des Betriebs niederbrennen oder für lange Zeit unbrauchbar werden. Dies wirkt sich auch auf die Betriebsunterbrechung aus: Nach einem Brandschaden ist sie häufig weitreichender und länger andauernd als bei anderen versicherten Gefahren. Nicht umsonst ist in der gewerblichen und industriellen Sachversicherung für den Probable Maximum Loss (PML), den größtmöglichen zu erwartenden Schaden, fast immer die Gefahr Feuer maßgeblich. Bild: pixabay/12019
 
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