Wer braucht Pflege-Hilfe?

profino Berater Bilderstrecken von Michael Fiedler

Pflege zu Hause – in Deutschland ist das üblich. Doch wer leistet warum Pflege zu Hause? Antworten verspricht eine aktuelle Untersuchung. Die Ergebnisse lassen auch Rückschlüsse darauf zu, welche Zielgruppen zusätzlichen Pflegeschutz dringend benötigen.

Pflegekosten Pflege Pflegeheim

Pflegende Angehörige sind zumeist weiblich. Bild: shutterstock.com

Zum 01. Januar 2019 steigt der Beitragssatz in der sozialen Pflegeversicherung (SPV) um 0,5 Beitragssatzpunkte auf 3,05 Prozent. Bei Kinderlosen kommt ein Zuschlag von 0,25 Prozent hinzu.
Hintergrund dafür sind die steigenden Leistungsausgaben im Pflegebereich. So kletterten die Ausgaben auf 38,5 Milliarden Euro (jüngste Zahlen 2017). Kein Wunder, denn durch den veränderten Pflegebegriff erhöhte sich auch die Zahl der Leistungsempfänger.

Pflege zu Hause ist weiblich

2017 bezogen 3,3 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Von diesen Pflegebedürftigen wird etwa die Hälfte zu Hause von Angehörigen versorgt, ohne Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. Die Pflege übernehmen hauptsächlich enge Familienangehörige wie Partner, Kinder oder Schwiegerkinder. In welchem Umfang die Angehörigen pflegen, hängt ab von Alter, Geschlecht, Einkommen und Vermögen.
Eine Untersuchung des IW Köln bestätigt, dass vorwiegend Frauen die häusliche Pflege von Angehörigen übernehmen: rund 61 Prozent der Pflegenden sind Frauen, knapp 39 Prozent Männer. Zugleich wenden Frauen im Schnitt 2,9 Stunden pro Woche für die Pflege auf, Männer 2,2 Stunden. Der Durchschnitt liegt bei 2,6 Stunden.

Arme pflegen länger

Unterschiede gibt es aber auch zwischen reicheren und ärmeren Haushalten: Menschen aus der obersten Nettovermögensgruppe pflegen rund zwei Stunden pro Woche. Bei Haushalten mit geringem Nettovermögen sind es dagegen knapp vier Stunden pro Woche. „Unabhängig von Einkommen und Vermögen leisten Angehörige Pflege aus Empathie, Liebe oder auch gefühlter Verpflichtung“, sagt IW-Wissenschaftlerin Susanna Kochskämper. „Nur der Umfang wird geringer je vermögender die Angehörigen sind.“ Haushalte mit höherem Nettovermögen könnten sich eher zusätzliche Hilfe durch externe Dienstleister leisten.

So hoch sind Pflegekosten

Diese Erkenntnis mag auch nicht verwundern. Denn die Unterbringung in einem Pflegeheim muss auch bezahlt werden. Im Bundesdurchschnitt zahlen Pflegebedürftige monatlich 655 Euro für Pflegeleistungen im Pflegeheim aus eigenen Mitteln. Hinzukommen durchschnittlich 728 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie ein Investitionskostenanteil von 447 Euro. In Summe ergibt sich eine Gesamtkostenbelastung von 1.830 Euro monatlich im Bundesdurchschnitt (vdek, 2019).

Bleibt also die Herausforderung, Pflegebedürftige und Pflegende finanziell abzusichern und im Pflegealltag sinnvoll zu entlasten. Wie das gehen kann, wollen Birgit Lange (DKV) und Oliver Stumpe (WDS.care) am 01.10.2019 auf profino vorstellen. Auf der Onlineplattform sind auch zahlreiche weitere Vorträge, Webinare und Unterlagen zum Thema hinterlegt.

Fakt 1: Häusliche Pflege ist weiblich
Die „typische Pflegende“ ist 61 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder, ist nicht berufstätig und pflegt länger als drei Jahre. Fotolia / De Visu
 
  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare