Jugend will mehr Finanzwissen

Berater Bilderstrecken von Michael Fiedler

Liquidität, Rendite oder Inflation... junge Deutsche können mit diesen Finanzbegriffen wenig anfangen. Allerdings: Sie wissen um ihre Schwächen und wollen das ändern. Die überwältigende Mehrheit wünscht sich ein Schulfach „Finanzen“, zeigt die Jugendstudie von comdirect.

Finanzwissen Schulfach Jugendstudie Finanzen

DAX, Inflation, Rendite? Deutsche Jugendliche könnten diese Begriffe nicht erklären. (Symbolbild) Bild: shutterstock.com

Begriffe wie „Kreditkarte“, „Zinsen“ oder „Girokonto“ sind zwar den meisten Jugendlichen bekannt, doch ein Drittel der Jugendlichen könnte „Inflation“ nicht erklären. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite comdirect Jugendstudie, für die im Januar 2019 bundesweit 1.600 Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt wurden. 



„Selbst von den 22- bis 25-Jährigen könnten nur 53 Prozent erklären, was „Liquidität“ ist. Auch der Begriff „Rendite“ ist jedem zweiten 22- bis 25-Jährigen nicht geläufig. Dass viele junge Erwachsene solche Wörter, die meiner Meinung nach zum Allgemeinwissen gehören sollten, nicht verstehen, zeigt die Schwäche im Bereich der finanziellen Bildung“, so Arno Walter, Vorstandsvorsitzender von comdirect.

Die eigene Unwissenheit in finanziellen Angelegenheiten ist der Jugend durchaus bewusst. 18 Prozent geben sich die Schulnote 5 oder sogar 6 für ihr Finanzwissen (2016: 22 Prozent). Nur 27 Prozent würden sich mit einer 1 oder 2 benoten (2016: 24 Prozent). Im Durchschnitt beträgt die Schulnote 3,3. Junge Männer benoten sich mit 3,1 etwas besser als junge Frauen (3,6).

Finanzen: Lernwillen vorhanden

Obwohl 19 Prozent der Befragten angaben, sich gar nicht mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen, gibt es Anlass zur Hoffnung. Denn mehr als die Hälfte der Jugendlichen nutzt klassische Medien wie Zeitungen, Zeitschriften oder das TV, um sich finanziell weiterzubilden. Jeder Dritte sieht sich Tutorials, zum Beispiel auf Youtube, an. Immerhin 15 Prozent besuchen Webinare, also Online-Seminare.

92 Prozent für Schulfach „Finanzen“

Doch außerschulischer Wissenserwerb reicht den meisten nicht: 92 Prozent aller Befragten wünschen sich das Fach „Finanzen“ in der Schule, 49 Prozent sogar als Pflichtfach. „Das ist weiter ein sehr starkes Signal der Jugendlichen an unser Bildungssystem, das Thema Finanzen endlich in den Lehrplan zu integrieren“, kommentiert Walter diese Ergebnisse.
Neu ist die Debatte um ein Schulfach „Finanzen“ nicht. procontra befragte seine Leser via Facebook Anfang des Jahres, was sie von einem solchen Pflichtfach halten. Die wichtigsten Argumente der procontra-Leser in der Bilderstrecke.

contra: Keine Objektivität
... Miroslav Smoljanovi? hat diesen Vorbehalt so formuliert: "Wenn es Profis aus der Branche machen sollen, dann wird es doch eher eine Verkaufsveranstaltung von gebunden Experten aus Bank oder Versicherungswirtschaft und damit sicherlich weder objektiv noch neutral." Bild: Inara Prusakova
 
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