„Zinszusatzreserve wird weiterhin anwachsen“

Top News Versicherungen LV-Check Meistgeklickt von Matthias Hundt

Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), hofft auf einen nachhaltigen Umdenkprozess beim Kunden und rechnet noch viele Jahre mit einer wachsenden Zinszusatzreserve.

Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV)_Foto: DAV

procontra: Was prägte das LV-Jahr 2018?

Dr. Guido Bader: Die Lebensversicherer können auf ein recht positives Geschäftsjahr 2018 zurückblicken. Viele Unternehmen sind gewachsen, das Neugeschäft stellte die meisten Anbieter zufrieden und die Solvabilitätskennzahlen haben sich gegenüber dem Vorjahr nochmals verbessert. Leider wird das aktuelle Jahr durch den dramatischen Verfall des Zinsniveaus belastet. Das wird die Anbieter stark fordern und sich in den Solvabilitätskennzahlen und Ergebnissen für 2019 widerspiegeln.

procontra: Wachsendes Neugeschäft und Zinsverfall – wie passt das zusammen?

Dr. Bader: In Deutschland gibt es nach wie vor einen sehr hohen Bedarf an privater und betrieblicher Altersvorsorge. Unabhängig von politischen Rahmenbedingungen: Das gesetzliche Rentenniveau wird eine Versorgungslücke im Alter hinterlassen, die den Lebensstandard gefährdet. Daher gibt es eine wirkliche Notwendigkeit zur zusätzlichen Vorsorge. Und es ist die Aufgabe der Politik, der Versicherungswirtschaft und auch der Vermittler, den Bürgern zu erläutern, dass sie gerade in der anhaltenden Tiefzinsphase mehr statt weniger in die Altersvorsorge investieren müssen, um ein auskömmliches Einkommen im Alter zu haben. Dafür gibt es längst geeignete Produkte.


Insgesamt ist eine Verschiebung des Neugeschäftes von klassischen hin zu modernen Garantieprodukten zu beobachten. Hier verzichten die Versicherungsnehmer, zugunsten der höheren Ertragschancen, teilweise oder gänzlich auf Zinsgarantien, wie auch bei der reinen Fondspolice. Die Zinsentwicklung ist daher kein Widerspruch zum starken Neugeschäft in 2018.

procontra: Akzeptieren die Kunden mittlerweile, dass sie für eine auskömmliche Rendite Abstriche in der Garantie machen müssen?

Bader: Die Akzeptanz einer aktien- und chancenorientierten Anlage wächst. Den Vermittlern gelingt es, diesen Zusammenhang gegenüber ihrer Klientel besser zu erläutern. Ich hoffe, dass dieser Umdenkprozess bei den Kunden nachhaltig ist.

Seite 1: Versicherungsnehmer verzichten zunehmend auf Garantien
Seite 2: Korridormethode – wie Versicherer bei der Zinszusatzreserve entlastet werden
Seite 3: Wie Kunden von der Korridormethode profitieren

ZZR: Welche Lebensversicherer besonders entlastet wurden

#17 Mecklenburgische (-69,8%)
6 Millionen Euro wurden der ZZR neu zugeführt. Der Anteil der außerordentlichen Erträge ging von 6,2 auf 2 Prozent zurück. Die Nettoverzinsung sank von 3,5 auf 2,5 Prozent.
 
  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare