LV-Bilanzen: ZZR-Berechnung und ihre Folgen

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2018 durften die Lebensversicherer erstmals die Berechnung der Zinszusatzreserve anpassen. Welche Folgen in weiteren Bilanzkennzahlen dadurch entstanden und welche Anbieter ihre ZZR schon wieder abbauen.

Foto: puikrab/shutterstock

Seit 2011 ächzen die Lebensversicherer unter dem Aufbau der Zinszusatzreserve (ZZR). Wertvolle Reserven mussten seitdem aufgelöst werden, um die Garantieversprechen früherer Jahre zusätzlich abzusichern. Bis Ende 2017 wurden so über 55 Milliarden Euro (Anbieter im procontra LV-Check) aufgebaut. Im Schnitt waren das rund 7 Prozent der gesamten Deckungsrückstellungen, bei einigen Anbietern lag der Wert bereits über 10 Prozent. Das anhaltend niedrige Zinsniveau erforderte jedoch, das Wechselspiel zwischen der Absicherung bestehender Garantieverpflichtungen und der Vorwegnahme künftiger Kapitalerträge neu zu justieren.

Korridormethode bringt Entlastung

Entsprechend erleichtert waren die deutschen Lebensversicherer im Herbst vergangenen Jahres, als der Gesetzgeber die Anpassung der Berechnungsmethode zur ZZR beschloss. Die sogenannte Korridormethode begrenzt künftig den Referenzzinssatz, sprich die Grundlage zur ZZR-Berechnung. Der Aufbau der ZZR soll damit gleichmäßiger auf einen längeren Zeitraum verteilt und Belastungsspitzen geglättet werden. Und das bereits für das Geschäftsjahr 2018.

Mittlerweile haben 55 Lebensversicherer ihre Geschäftsberichte für 2018 veröffentlicht und sind im procontra LV-Check 2019 bereits ausgewertet. Der Effekt der neuen Berechnungsmethode ist dabei bei allen Anbietern deutlich zu sehen. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2017 verringerte sich die ZZR-Zuführung um fast die Hälfte. Zwei Anbieter (VPV, InterRisk) konnten ihrer Zinszusatzreserve sogar schon wieder Mittel entnehmen.

Die neue Berechnungsmethode zur ZZR beeinflusst aber auch weitere Bilanzkennzahlen, direkt und indirekt, die bei der Einordnung der Geschäftsergebnisse berücksichtigt werden sollten:

Die Bilanzfolgen der neuen ZZR-Berechnungsmethode


1. Anteil „außerordentlicher Erträge“ sinkt
Seit 2011 wurden vor allem Bewertungsreserven realisiert, um die nötigen Mittel zur Zinszusatzreserve freizumachen. Diese erhöhten als „Gewinn aus dem Abgang von Kapitalanlagen“ künstlich die Kapitalerträge.

2. Kapitalanlageergebnis sinkt
Die Kapitalerträge und -ergebnisse der Lebensversicherer werden in 2018 durch die nun nicht mehr realisierten BWR deutlich geringer ausfallen.

3. Nettoverzinsung sinkt
Die Nettoverzinsung nach GDV-Formel wurde durch die außerordentlichen Erträge in den vergangenen Jahren verzerrt. Werte von über 5 Prozent kamen nur durch den ZZR-Sondereffekt zustande. Im procontra LV-Check wurde daher eine bereinigte Nettoverzinsung aufgenommen, die den ZZR-Effekt herausrechnete. Sinkt nun der ZZR-Aufbau wird auch die Nettoverzinsung nach GDV-Formel wieder realistischer und damit geringer ausfallen.

4. Zuführungen zur RfB steigen
Die Erleichterungen im ZZR-Aufbau geben finanzielle Mittel frei. Diese können beispielsweise der RfB zugeführt werden. Die 55 verfügbaren Lebensversicherer stärkten ihre RfB bereits um 7,3 Milliarden Euro (17,5 Prozent der gesamten RfB). Im gesamten Vorjahr lag die Zuführung aller 69 Anbieter bei nur etwas über 6 Milliarden Euro (13 %).

5. Rohüberschuss steigt
Da die Zuführung zur RfB ein Bestandteil des Rohüberschusses ist, profitiert auch dieser in 2018 von der neuen ZZR-Berechnung.

ZZR: Welche Lebensversicherer besonders entlastet wurden

#17 Mecklenburgische (-69,8%)
6 Millionen Euro wurden der ZZR neu zugeführt. Der Anteil der außerordentlichen Erträge ging von 6,2 auf 2 Prozent zurück. Die Nettoverzinsung sank von 3,5 auf 2,5 Prozent.
 
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