Angst ja - Vorsorge nein

Berater von Martin Thaler

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt - und auch die Angst vor der eigenen Pflegebedürftigkeit ist bei den Deutschen groß. Handeln tun trotzdem die wenigsten, wie eine neue INSA-Studie zeigt.

Plädiert für eine private Vorsorge beim Thema Pflege: DVAG-Vorstandsmitglied Dr. Udo Corts.

Plädiert für eine private Vorsorge beim Thema Pflege: DVAG-Vorstandsmitglied Dr. Udo Corts. Foto: DVAG

Vor Angst wie gelähmt sein – dieses geflügelte Wort scheint auf Deutschen beim Thema Pflege absolut zuzutreffen. Denn die Zahl der Pflegebedürftigen steigt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Zukunft stark an – um 800.000 auf 3,4 Millionen bis 2030. Und das wissen die Deutschen auch.  

64 Prozent von ihnen haben Angst, im Alter pflegebedürftig zu werden. Und doch sorgt nur ein Bruchteil der Deutschen vor – insgesamt 15 Prozent. Dabei ist der Anteil der Männer (18 Prozent) größer als der der Frauen (13), die zur gesetzlichen Pflegeversicherung eine ergänzende private Pflegeversicherung abgeschlossen haben. Dies zeigt eine neue INSA-Studie, die im Auftrag der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) erstellt wurde.  

Dabei ist die Angst unter den Frauen besonders groß – 70 Prozent äußerten diese Angst, bei den Männern waren es nur 57 Prozent. Dies ist wenig verwunderlich, da ein Großteil der Pflegebedürftigen (71 Prozent) zu Hause versorgt werden – und zwar meist von weiblichen Familienangehörigen.  

„Für die letzte Lebensphase wünscht man sich eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Dabei muss auch das Pflegerisiko bei der Planung des Lebensabends berücksichtigt werden. Hier wird jeder Einzelne seine Zukunft noch stärker in die eigene Hand nehmen müssen: Die zusätzliche private Vorsorge wird immer wichtiger“, erklärt Dr. Udo Corts, Vorstandsmitglied der DVAG.  

Das Problem ist nicht nur eines für die Betroffenen selbst, sondern auch für deren Angehörige. Wenn die gesetzliche Pflegeversicherung und Rente des Betroffenen für einen Heimplatz nicht ausreichen, zahlt die Differenz zuerst der Sozialhilfeträger – dieser holt es sich aber anschließend von den unterhaltspflichtigen Kindern zurück (gemäß Paragraph 1601 BGB). Und hier können die Kosten hoch sein.  

Wie die Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt, kostete bei Pflegestufe 3 ein Heimaufenthalt im Monat rund 3000 Euro. Von der gesetzlichen Pflegeversicherung kam in diesem Fall jedoch nur knapp 1.600 Euro, so dass ein Eigenanteil von 1.400 Euro übrig blieb. Eine hohe Belastung, die zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) auch nicht auf ihre Kinder abwälzen wollen. Und diese Zustimmung steigt bei zunehmendem Alter. 

Für die Studie wurden insgesamt 2047 Personen ab 18 Jahren befragt.

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Wir werden immer älter. Deutschland liegt bei der Lebenserwartung im EU-Vergleich im Mittelfeld.
 
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