Winter is coming

Gastkommentar Investmentfonds von Dr. Hans-Jörg Naumer

Der Winter naht. Wie hart er meteorologisch, aber auch wirtschaftlich ausfällt, bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Doch es gibt Hoffnungszeichen, auch für die Finanzmärkte, bemerkt Finanzexperte Dr. Hans-Jörg Naumer in seinem Gastkommentar.

Hans-Jörg Naumer Bild: Allianz

Der promovierte Volkswirt Dr. Hans-Jörg Naumer leitet Global Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors Bild: Allianz

„Der Winter naht“ – kalendarisch betrachtet ist diese wiederkehrende Redewendung aus dem Fantasieepos „Game of Thrones" eine Banalität. Während sich allerdings auf der Nordhalbkugel der Winter tatsächlich nähert, ist diese Feststellung ökonomisch besehen deutlich diffiziler: Die Frage ist nicht, ob er kommt, sondern wie hart er ausfällt.

Entsprechend dürfte sich die Nachfrage nach Energie, und hier vor allem nach Gas, entwickeln. Anders als bei Öl, gibt es bei Gas keinen Weltmarkt, wie sich zum Beispiel an den unterschiedlichen Handelsplätzen und ihren dortigen Gaspreisen zeigt. Da es an Pipelines zwischen den Kontinenten fehlt, kam es, bedingt durch den Ausfall russischer Gaslieferungen, zu einem Angebotsschock auf dem alten Kontinent. Die Folge ist ein gewaltiger Aufschlag auf den Gaspreis für Europa. Das bedrängt die Industrie, welche sich einem gehörigen Preisschock mit Lieferunsicherheiten gegenübersieht, genauso wie den Konsum, da Kaufkraft abgeschöpft wird. Insofern bleibt der Winterverlauf ein Unsicherheitsfaktor für Konjunktur und Inflation.  

Hoffnungszeichen

Allerdings sollte auch nicht übersehen werden, dass der Ölpreis, besonders der für die USA so wichtige WTI, seit Juni im Trend zurückgegangen ist. Die für Europa wichtigere Sorte Brent hat dies fast im Tandem mitvollzogen. Gleichzeitig ist der Aufschlag auf den europäischen Gaspreis ebenfalls gesunken. 

Hoffnungszeichen, die dann auch wieder die Konjunktur entlasten sollten. Sie hat es nötig. Hier haben sich die winterlichen Vorzeichen deutlich verstärkt. Die Rezession in Europa scheint so gut wie im Kasten zu sein. Die US-Wirtschaft dagegen zeigt sich als widerstandsfähiger.   

„Winter is coming“ – der Winter naht, das mag stimmen, aber es gilt auch: Auf jeden Winter folgt ein Frühling. Das sollte durchaus auch für die Finanzmärkte gelten. Viele Stimmungsindikatoren nehmen bereits eine Eiszeit vorweg. Was bereits antizipiert wird, kann kaum noch negativ überraschen. 

Einen Börsen-Frühling wünsche ich uns allen.