Wie der Mittelstand bei der bAV aufgestellt ist

Detlef Pohl Berater

Makler sind weiter gut bei der Betriebsrente aufgestellt. Hauptzielgruppe ist der Mittelstand. Wie Makler bei der Ansprache der Firmenkunden vorgehen sollten und wie erfolgreich sie dabei sind, zeigt eine neue Studie.

Wie der Mittelstand bei der bAV aufgestellt ist Bild: Gust/Handelsblatt

Biometrische Versorgungslücken sind über die kollektive bAV-Absicherung einfacher und preisgünstiger zu schließen als privat, sagte Thorsten Fischer, bAV-Chef der Generali Deutschland auf der bAV-Handelsblatt-Tagung. Bild: Gust/Handelsblatt

Für Arbeitgeber stellt die langfristige Absicherung der bAV-Versorgungspläne eine dauernde Herausforderung dar, speziell in Zeiten niedriger Zinsen. Darum planen derzeit etwa 50 Prozent der deutschen Unternehmen, ihre Betriebsrentensysteme im Laufe des Jahres zu verändern. Vor allem geht es ihnen darum, die Versorgungspläne zu harmonisieren und finanzielle Risiken zu verringern. Das ergibt sich aus der Lurse-Studie „Benchmark: Betriebliche Altersversorgung“.

Für spezialisierte Makler boomt das Geschäft mit der bAV schon länger. Laut der Studie „Betriebliche Altersversorgung 2022“ entfallen 30,3 Prozent des aktuellen Geschäftsumsatzes auf die bAV, gaben die befragten freien Vermittler an (2021: 27,6 Prozent). Die meisten Erfahrungen bestehen bei der Beratung zu Direktversicherungen, sagen 98 Prozent der Makler, gefolgt von U-Kasse (59 Prozent), Pensionskasse (42 Prozent), Direktzusage (37 Prozent) und Pensionsfonds (22 Prozent).

Kaum negative bAV-Auswirkungen durch die Pandemie

Doch wie hat sich die Lage seit der zweiten Jahreshälfte 2021 und 2022 verändert? Nur knapp jeder zwanzigste Betrieb vermeldet aktuell negative Auswirkungen der Pandemie auf die eigenen bAV-Pläne. Vor einem Jahr war es noch jeder zehnte Betrieb. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2022“ von Generali Deutschland und F.A.Z. Business Media auf Basis einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter 200 bAV-Verantwortlichen in deutschen mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern.

Erstaunlich: Gerade in der Pandemie sei bei den Arbeitnehmern eine höhere Wertschätzung für die bAV festgestellt worden. Nachdem 2020 noch 12 Prozent der befragten bAV-Experten auf die gestiegene Wertschätzung hinwiesen, sind es für 2021/2022 bereits 18 Prozent. Zwar schlage sich die gestiegene Beliebtheit noch nicht spürbar in einer höheren Marktdurchdringung nieder. Aber die bAV sei permanent ein Gesprächsthema, vor allem der finanzielle Beitrag des Arbeitgebers.

Versicherer unangefochten erster bAV-Ansprechpartner

Ebenso erstaunlich angesichts niedriger Zinsen, vorgeschriebener hoher Garantien und damit verbunden niedriger Renditechancen sowie anziehender Inflation: 85 Prozent der befragten Betriebe kooperieren bei der bAV weiterhin mit Versicherern und setzen damit auf versicherungsförmige Lösungen, insbesondere über Direktversicherungen und Pensionsfonds.

Damit erreicht die Versicherungsbranche als Kooperationspartner des Mittelstandes in dieser Studienreihe einen neuen Höchstwert. Dabei bieten aktuell 91 Prozent der Betriebe die Direktversicherung als Durchführungsweg an - ein neuer Höchstwert (Vorjahr: 82 Prozent).

Arbeitnehmer wollen auch Arbeitskraft über Firma absichern

Ebenfalls bemerkenswert: Nach knapp drei Jahren Pandemie verändern sich die Prioritäten der Beschäftigten in der bAV. Viele Arbeitnehmer bewerten ihre Lebensrisiken heute neu. Dabei spielt zunehmend auch die Absicherung biometrischer Risiken neben der reinen Altersleistung eine Rolle. Zumindest beobachten 66 Prozent der bAV-Verantwortlichen, dass den Arbeitnehmern die Absicherung der Arbeitskraft und die Hinterbliebenen-Versorgung in der Pandemie genauso wichtig sei wie ihre Altersvorsorge (Vorjahr: 68 Prozent), davon selbst in kleineren Betrieben 63 Prozent. Die Arbeitnehmer selbst sehen das sogar zu 74 Prozent so.

Als mögliche Ursache machte Thorsten Fischer, Head of bAV-Broker der Generali Deutschland, die Situation bei der BU-Absicherung aus. „Versorgungslücken bei BU oder im Todesfall müssen in der Regel privat geschlossen werden“, sagte er vergangene Woche auf der bAV-Handelsblatt-Tagung in Berlin. Das schaffe nicht jeder wegen Alter, Berufsrisiko oder Vorerkrankungen. "Über die kollektive bAV-Absicherung ist das einfacher und preisgünstiger möglich", so Fischer. Der Schlüssel zur nachhaltigen Mitarbeiterbindung könne also auch in der Absicherung von Lebensrisiken über den Betrieb liegen.

Fischer rechnete vor, dass ein Arbeitnehmer (Eintrittsalter 35 Jahre, Endalter 67 Jahre) mit 50 Euro Brutto-Monatsbeitrag für die Entgeltumwandlung auf 100.000 Euro garantiertes Todesfallkapital sowie 563 Euro durchschnittliche BU-Rente kommt (in Berufsgruppe A). Hinzu kommt die klassische Altersrente, die in dieser Konstellation mit biometrischen Risiken garantiert 37 Euro pro Monat einbringt. Hinzu kommt ja die Chance auf Überschüsse, der 15 Prozent AG-Pflichtzuschuss, die Möglichkeit höherer Entgeltumwandlung und zusätzlicher AG-Beteiligung (Matching).

Makler mit gutem Auftritt bei bAV-Firmenkundenberatung

Fischer macht auch auf den Stellenwert der Firmenkundenansprache aufmerksam, der mit passgenauen Produkten möglich ist. Wie die Studie zeigt: Auf die Versicherer (85 Prozent) folgen als Ansprechpartner für bAV-Lösungen der Firmen die Versicherungsmakler, sagen 41 Prozent der bAV-Verantwortlichen im Mittelstand. Makler kooperieren mit Betrieben aller Größenordnungen, zu 50 Prozent jedoch mit größeren Firmen (250 bis 500 Mitarbeiter). Pensionskassen als Ansprechpartnern verlieren weiter an Bedeutung (32 Prozent) – siehe Grafik.

Auf weiteren Plätzen folgen tarifvertragliche Versorgungswerke (15 Prozent), Banken (13 Prozent), Versorgungswerke anderer Unternehmen (11 Prozent), Beratungsgesellschaften (7 Prozent) sowie sonstige Finanzdienstleister (3 Prozent). Immer mehr Mittelständler kooperieren dabei auch untereinander zur bAV. Übrigens: Die bAV-Studie ist kostenlos als Download zu haben.