Schadenfall der Woche: Farbattacke im Bankenviertel

Martin Thaler Panorama

Grün soll die Finanzwirtschaft werden – und auch die Branche selbst präsentiert sich gerne umweltbewusst. Doch bei der Fondsgesellschaft DWS dominierte vor kurzem unfreiwilligerweise rot im Foyer. Der DWS wird es nun zu bunt.

Schadenfall Bild: procontra

Bei der Fondsgesellschaft DWS eskalierte zuletzt der Protest. Bild: procontra

Der Streit um die Schaffung einer klimaneutralen Welt nimmt an Schärfe zu. Das merken nicht nur Berlins Autofahrer durch zahlreiche Sitzblockaden auf den Straßen der Hauptstadt. Auch in den Frankfurter Geschäftsräumen der Fondsgesellschaft DWS ist der Konflikt mittlerweile angekommen. Genauer gesagt im Foyer.  

Nachdem über Wochen Aktivisten der Umweltschutzorganisation „Greenpeace“ vor dem Gebäude der mehrheitlich zur Deutschen Bank gehörenden Fondsgesellschaft demonstriert hatten, drangen nun laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ rund 20 Demonstranten in das Gebäude ein. Gewaltsam, wie die DWS mitteilt. Mit roter Farbe pinselten die Aktivisten „Exit Fossils“ („Raus aus den Fossilen“) an eine Wand der Eingangshalle. Vom Firmenlogo darüber laufen ölartige schwarze Tropfen die Wand herab.  

Leere Versprechungen

Man wird es erahnen: Die Umweltschützer werfen Deutschlands größter Fondsgesellschaft Greenwashing vor. Zwar bekenne sich die DWS werbewirksam zu einem nachhaltigen Umbau der Finanzwirtschaft, lasse diesem Versprechen aber keine Taten folgen, so der Vorwurf.  

„Während die Weltgemeinschaft auf der Klimakonferenz in Ägypten um Fortschritte in der Bekämpfung der Klimakrise ringt, verharrt die DWS in radikalem Nichtstun“, lässt sich Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas in einer Pressemitteilung zitieren.  

Greenpeace wirft der Fondsgesellschaft vor, keinerlei Regeln zum Umgang mit besonders klimaschädlichen Kohle-, Öl- und Gasunternehmen zu haben. „Im Kern geht es um 1 Prozent des Portfolios, das offensichtlich und klar den Pariser Klimazielen widerspricht und wir verstehen nicht, warum die DWS nicht den Schritt zu mehr Glaubwürdigkeit geht und solche Unternehmen aus ihren Fonds ausschließt“, wird Vargas gegenüber der FAZ konkreter. Greenpeace hat darum einen konkreten Ausstiegsplan für das Unternehmen entworfen, der unter anderem einen kompletten Ausstieg aus Aktien von Kohleunternehmen bis Ende 2023 vorsieht.

Strafanzeige gestellt

Die DWS bekräftigte gegenüber der FAZ die Notwendigkeit energischen Handelns. Nur über die Herangehensweise gibt es offenbar Unterschiede. So sieht die DWS als großer Aktionär der kritisierten Unternehmen die Möglichkeit, auf diese einzuwirken.  

Auch wenn offenbar sowohl Greenpeace und DWS dasselbe Ziel teilen, scheint ein Dialog durch die Protestaktion in weite Ferne gerückt zu sein. „Wir stehen für kritisch-konstruktiven Dialog mit Unternehmen und auch NGOs. Dazu gehört für uns nicht, Unternehmen zu stürmen und Wände zu beschmieren“, erklärte die DWS gegenüber der FAZ. Gegen die beteiligen Aktivisten habe man nun Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gestellt.